Kultur 27.12.2011

Interview mit Technik-Vize Prantner: „Der ORF ist kein Streichelzoo“

© Bild: ORF

Auch gegen die Bestellung des bisherigen Online-Direktors Thomas Prantner zum Stellvertreter von Technikdirektor Michael Götzhaber gibt es Gegenwind.

KURIER: Im Zuge der Kritik an der Bestellung von Niko Pelinka zum Bürochef haben Belegschaftsvertreter gemeint, Ihre Berufung zum stellvertretenden technischen Direktor „braucht niemand“.

Thomas Prantner: Bei meiner Bestellung zum Online-Direktor 2006 gab es ähnliche Begleitmusik, aber da darf man nicht sensibel sein. Der ORF ist kein Streichelzoo. Die beste Antwort darauf sind harte Arbeit und Leistungen. Selbst Kritiker attestieren mir, dass mit der TVthek ein unbestrittenes Erfolgsprojekt gelungen ist. Die Ernennung zum stellvertretenden Technischen Direktor ist ein Vertrauensbeweis des Generaldirektors in meine Arbeit und ein klares Signal, dass der für den ORF so wichtige Bereich Online und neue Medien auch weiterhin einen hohen Stellenwert in der Führungsebene des Unternehmens haben wird.

Was sehen Sie als Ihre größten Erfolge als Online-Direktor an?

Die Einführung der Videoplattform ORF -TVthek und ihre Verbreitung auf mobilen Smartphones und in Kabelnetzen. Die TVthek ist eine Erfolgsstory – etwa 10 Millionen Videoabrufe, 2,4 Millionen Visits und fast 600.000 User pro Monat. Das inhaltliche Angebot umfasst mit mehr als 100 Sendungen als Video-on-Demand und 50 Livestreams bereits fast das Maximum. Ein weiterer Erfolg ist die Tatsache, trotz zahlreicher meist persönlich motivierter Attacken die volle Funktionsperiode von fünf Jahren als Online-Direktor überlebt zu haben.

Beim ORF-Wahlgang im Sommer hat es nicht mehr ganz zum Direktor gereicht. War das politische Gewicht der FPÖ, die Sie unterstützte, zu gering?

Ich habe zwar kein Problem mit der Unterstützung meiner Arbeit durch die FPÖ, aber sie hat nichts mit der Anzahl der Direktionen zu tun. Diese wurden vom Gesetzgeber mit vier festgelegt und der Stiftungsrat hat auf Vorschlag des gewählten Generaldirektors entschieden, dass die Online-Direktion in die Technische Direktion integriert wird. Diese neue Konstellation bringt durchaus neue Chancen und Perspektiven für das ORF -Online- und neue Medien-Angebot.

Wie geht es mit der TVthek weiter?

Wir werden alle Eigen-, Auftrags- und Co-Produktionen, bei denen wir die Onlinerechte haben, mehr Livestreams und weitere Online-Archive zu zeit- und kulturgeschichtlichen Inhalten auf der TVthek anbieten. Auch die US-Wahl 2012 wird breiten Raum einnehmen. Entscheidend für den Erfolg der TVthek ist vor allem auch die technische Qualität der Videos sowie die Empfangbarkeit auf neuen mobilen Endgeräten und auf internetfähigen Smart-TVs.

Wird es längere Nutzungszeiten geben?

Derzeit ist das nicht geplant. Wir können mit der 7-days-Catch-up-Regel ganz gut leben, weil die Erfahrungen nach zwei Jahren TVthek gezeigt haben, dass das Publikumsinteresse und die Videoabrufe schon wenige Tage nach der Ausstrahlung einer Sendung stark sinken. Für eine längere Bereitstellung unserer Videos haben wir die Möglichkeit, Archive und Themenschwerpunkte anzubieten.

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Erstellt am 27.12.2011