Kultur
25.09.2017

Indie-Star Fink: "Die Freude an Songs gab mir Amy Winehouse"

Fin "Fink" Greenall spricht über das Album "Resurgam", Zeitphänomene und seine verstorbene Muse

Seit 900 Jahren steht diese Kirche in der Nähe des Strandes an Großbritanniens Südwest-Zipfel Cornwall. Fin Greenall, Mastermind der Band Fink, ist dort aufgewachsen, seit mehr als 40 Jahren immer wieder hineingegangen. Aber erst 2016 bemerkte er dort das Gemälde mit der Aufschrift "Resurgam".

"Das Wort ist lateinisch für Wiederauferstehung", erzählt Greenall im KURIER-Interview. "Es hat mich gewundert, dass ich das Bild, das immer da war, nicht früher bemerkt habe. Denn es hat mich fasziniert. Auch das Wort ,Resurgam’: Es ist souverän und optimistisch."

Deshalb hat Greenall das neue Album seines Trios "Resurgam" genannt. Von den elektronischen Sounds, mit denen der 44-Jährige einst begann, verabschiedet er sich damit fast komplett. Blues, Jazz- und Folk-Einflüsse vermischen sich zu atmosphärischen Klangmeditationen, die minimalistisch beginnen nur ganz langsam wachsen, aufgehen und auf Höhepunkte zusteuern.

Abgeschnitten

In den Themen, sagt Greenall, beschäftige er sich viel mit dem Phänomen Zeit. Weil er auch schon etwas älter ist. "Und weil ich einer der letzten Generation bin, die ohne Smartphone und Internet aufgewachsen ist, aber auch einer der ersten Generation, die Computer zuhause hatte. Und ich komme mir ehrlich gesagt manchmal ein bisschen vom Zeitgeschehen abgeschnitten vor, weil ich keinen Instagram-Account habe, nicht dauernd mein Facebook checke und lieber Bücher als Kindle lese."

Und dann fügt er hinzu: "Aber eigentlich bildet sich in meinen Songs soviel Unterbewusstes ab, dass ich erst Jahre danach draufkomme, worum es wirklich geht."

Als Beispiel führt Fink das Album "Hard Believer" von 2014 an. "Das war in seiner Essenz ein Scheidungs-Album. Ich habe mich erst danach von meiner Partnerin getrennt. Aber sie hat es gehört und sofort gewusst, was kommt. Sie sagte: ,Wow wir haben große Probleme’!"

Radikal

Dass der mittlerweile in Berlin lebende Brite ("London ist zu teuer und deshalb kein Ort für Künstler mehr") solche Probleme jetzt auch in Songs fasst, hat er Amy Winehouse zu verdanken. Denn Greenall begann mit Computer-basierter Musik und radikaler Einstellung.

"Gitarren, Schlagzeug und einen Bass zu haben, war in meinen Augen lahm. Meine Musik war Technologie, die Zukunft! Deshalb waren Songs für mich antiquiert. Wenn du einen Bob-Dylan-Song hören willst – die sind großartig! Wozu also neue schreiben? Dann habe ich über einen Bekannten Amy kennengelernt. Sie war noch unbekannt und jung. Ihr Label hat damals mit ihr ihren Stil gesucht und bat mich, mit ihr auszuprobieren, wie es klingt, wenn sie über Beats singt. Amy liebte klassische Songs, Dianah Washington und all das. Sie kam zu mir, saß auf der Couch, ich machte Beats für sie und sie sang darüber. Und auf einmal wurden meine Beats in etwas ganz anderes transformiert. Ihr Gesang hat meine Musik und ihr emotionales Gewicht auf ein neues Level gehoben. Von da an wollte ich Songs schreiben."

INFO

Fink auf Österreich-Tour:

15. 10. Wien/MQ

20. 10. Dornbirn/Conrad Sohm

23. 10. Linz/Posthof

24. 10. Salzburg/Rockhouse

25. 10. Innsbruck/Treibhaus

Karten für alle fünf Konzerte gibt es unter www.al-x.at, für alle außer Innsbruck auch unter www.oeticket.com