Alain Platels hoch gelobte, extrem musikalische und bildgewaltige Arbeit „tauberbach“ eröffnet am 17. Juli die 31. Ausgabe des Festivals „ImPulsTanz“

© Julian Röder / JU-OSTKREUZ

ImPulsTanz
06/12/2014

"Den Finger auf Wunden legen"

Von 17. Juli bis 17. August wird Wien wieder zur Metropole für zeitgenössisches Tanztheater.

von Peter Jarolin

"Von zwei Dingen bin ich überzeugt. Das wird ein großartiges Festival, und Brasilien wird Fußball-Weltmeister." Zumindest in Punkt 1 dürfte Karl Regensburger recht behalten. Denn auch die 31. Ausgabe des von Regensburger und Ismael Ivo geleiteten Festivals "ImPulsTanz" hat es in sich. Von 17. Juli bis 17. August sind wieder die besten und aufregendsten Vertreter des zeitgenössischen Tanzes in Wien zu Gast, erhält die Stadt die vielfältigsten kulturellen Impulse.

Bach und Brasilien

Den Auftakt macht eine Erfolgsproduktion. Alain Platel (eben erst mit "Coup Fatal" bei den Festwochen bejubelt) und les ballets C de la B zeigen erstmals in Österreich "tauberbach". Eine in München entstandene, hoch gelobte, zum Berliner Theatertreffen eingeladene Arbeit über eine schizophrene brasilianische Müllsammlerin mit Musik von Johann Sebastian Bach. Diese wird von einem Gehörlosen-Chor interpretiert. Damit wird der Reigen von insgesamt 40 Produktionen – 37 Compagnien sind dabei zu erleben – eröffnet.

Weitere Höhepunkte: Aus Südafrika kommt "Swan Lake" der Choreografin Dada Masilo, eine zeitgenössische "Schwanensee"-Paraphrase. Der japanische Altmeister Ko Murobushi gastiert mit "Enthusiastic Dance on the Grave", Amanda Pina und David Zimmermann reflektieren in "War" auch über Europa, Meg Stuart ist ebenso zu Gast wie Choreograf Jérôme Bel mit seinem gleichnamigen Stück, mit dem er vor zwei Jahrzehnten Tanzgeschichte geschrieben hat. Chris Haring und Liquid Loft sind mit zwei Projekten vertreten.

Sex und Sklaverei

Härter wird es in anderen Fällen. "Nicht unter 16 Jahren" heißt es bei "Fest" des Radikal-Performers Ivo Dimchev sowie bei Lloyd Newson und seinem DV8 Physical Theatre. In "John" geht es um Liebe und Sex in bösen Zeiten. Brandaktuell ist auch die neue Arbeit von Ismael Ivo und seiner Grupo Biblioteca do Corpo. In "Erendira" (basierend auf einer Kurzgeschichte von Gabriel Garcia Marquez) geht es um versklavte Kinder, die zur Prostitution gezwungen werden. Ismael Ivo: "Gebt uns die Kinder zurück! Gebt ihnen ihr Leben und ihre Träume zurück! Das ist unsere Botschaft. Wir wollen den Finger auf die offenen Wunden der Gesellschaft legen."

Botschaften, nämlich an den Nachwuchs, vermittelt auch die Reihe (8:tension), bei der sich heuer erstmals 14 (statt bisher acht) junge Choreografinnen und Choreografen einem breiten Publikum präsentieren. Auf den Sieger wartet wieder der mit 10.000 Euro dotierte Prix Jardin d’Europe. Zusätzlich wird heuer auch ein so genannter Fan Award vergeben. Hier können die Besucher per Online-Voting den Preisträger bestimmen.

Rekordverdächtig ist die Anzahl der Workshops. Etwa 150 Lehrer (darunter Top-Künstler wie Ivo, Murobushi oder Doris Uhlich) laden im Rahmen von etwa 240 Workshops Anfänger und Fortgeschrittene, Laien und Profis, Kinder und ältere Semester quasi zum Mittanzen ein. Von Yoga bis zum "Ruhestandstanz", von Bollywood bis Hip-Hop ist jeden für jeden Geschmack etwas dabei. www.impulstanz.com

ImPulsTanz
Das international bedeutendste Festival für zeitgenössischen Tanz wurde 1984 von Karl Regensburger und Ismael Ivo unter dem Titel "Internationale Tanzwochen" gegründet. Seit 1988 heißt es ImPulsTanz.

Budget
Beträgt heuer etwa 5,2 Millionen, weniger als 2013.

Spielstätten
Bespielt werden u. a. Volkstheater, MuseumsQuartier, Schauspielhaus, Kasino am Schwarzenbergplatz, Odeon, Akademietheater, Arsenal.

INFO: impulstanz.at

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