Wenn Luna wieder ein originaler Bariton ist

Artur Rucinski …
Foto: /Salzburger Festspiele / Marco Borrelli / Lelli Der Bariton Artur Rucinski, Einspringer für Plácido Domingo

Kritik.Verdis "Il Trovatore" im Großen Festspielhaus mit Artur Rucinski anstelle von Domingo.

Plácido Domingo ist ein verdienstvoller Sänger, der allen Respekt von Musikliebhabern verdient. 146 Partien hat er sich mittlerweile ersungen, darunter die Rolle des Grafen Luna in der Verdi-Oper "Il Trovatore". Dass Letztere nicht zu seinen besten zählt, davon konnten sich die Premierengäste der Neuproduktion bei den Salzburger Festspielen überzeugen. Es war geradezu rührend, wie Domingo, ein Weltstar, danach in Interviews betonte, er könne es besser.

Bei der vierten "Trovatore"-Aufführung im Großen Festspielhaus sang nun ein originaler Bariton den Luna und nicht einer, der zwar als Bariton begonnen hatte, dann aber zu Recht jahrzehntelang im Tenorfach verweilt war. Aufgrund einer Erkrankung Domingos kam der polnische Sänger Artur Rucinski zu Ehren. Und man liegt sicher nicht falsch, wenn man behauptet, der Wechsel hätte der allgemeinen sängerischen Qualität nicht geschadet.

Die Rückkehr der Logik

Rucinski hat einen gesunden, kernigen, schön timbrierten, durchaus kraftvollen Bariton. Und er brachte die musikalische Logik zurück. Der Luna muss dunklere Stimmfarben haben als der Tenor Manrico, die klangliche Differenzierung klarer sein. Er sollte auch nicht Jahrzehnte älter sein als sein Bruder. Und im Idealfall strahlt er, wie Rucinski, eine gewisse Gefährlichkeit aus und ist nicht primär Sympathieträger.

Der Einspringer wurde vom Publikum auch mit viel Applaus bedacht – ebenso wie seine Kolleginnen und Kollegen. Anna Netrebko brilliert weiterhin als Leonora mit enormer Ausstrahlung, prachtvollem Timbre und traumhaften Kantilenen. Francesco Meli singt den Manrico famos, präzise, in manchen Momenten auch heldisch genug – dass er nach dem Spitzenton am Ende der Stretta gleich davonläuft, ist nicht zwingend nötig. Marie-Nicole Lemieux ist eine exzellente, dramatische Azucena.

Daniele Gatti am Pult der Wiener Philharmoniker agiert äußerst sensibel, geradezu delikat und kammermusikalisch orientiert, dann wieder höchst expressiv. Einziger Einwand: einige schleppende Tempi.

Und die Inszenierung von Alvis Hermanis ist in ihrem Ansatz – Museumswärter träumen sich in die Bilder, Realität und Fiktion verschwimmen – überwältigend klug, jedoch nicht durchgängig logisch und beim Finale zu statisch.

KURIER-Wertung:

Um was es beim "Trovatore" geht

Der seit Wochen hoffnungslos überbuchte Salzburger "Trovatore" wird ohne die sonst üblichen Striche, in einer der Ursprungsversion nahen Fassung auf die Bühne im Großen Festspielhaus gebracht.
Bilder von den Fotoproben: Anna Netrebko und Plácido Domingo "Diese Oper ist eine Art Traum. Wir müssen dem Publikum helfen, in diesen Traum einzusteigen", erklärte der Italiener Daniele Gatti, der diese Oper noch nie dirigiert hat.
Bild (v.l.) Francesco Meli als "Manrico", Anna Netrebko als "Leonora", Placido Domingo als "Il Conte di Luna" "Das Libretto ist wirklich kompliziert. Umso wichtiger ist es, dass man über eine herausragende Besetzung verfügt. Und das tun wir", sagt Gatti. Dem stimmte auch Regisseur Alvis Hermanis (Bild) zu. "Manche Leute versprechen jedem drei Flaschen Rotwein, der die Handlung dieser Oper sinnvoll nacherzählen kann. Ich finde, der Plot ist durchaus psychologisch motiviert. Das kann man nicht ignorieren", so der Regisseur. "Die Musik stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die Geschichte ist im 15. Jahrhundert angesiedelt, und unser Publikum lebt im 21. Jahrhundert. Alle diese drei Perspektiven muss man als Regisseur berücksichtigen", so Hermanis, der seinen "Troubadour" aus diesem Grund in einem Museum spielen lässt. "Da bekommt das Publikum mit einem einzigen Ticket einen Trip durch ein Museum und durch eine Oper", so der Lette schmunzelnd. Der alte Graf von Aragón hatte zwei Söhne, Luna (Placido Domingo, li.) und – wie sich später in der Oper herausstellt – Manrico (Francesco Meli, re.). Manrico wurde angeblich von einer Zigeunerin mit einem Zauber belegt, die deswegen auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Aus Rache raubte deren Tochter, Azucena, den jungen Manrico, um ihn ihrerseits zu verbrennen; in einem Anflug von Irrsinn verbrannte sie versehentlich aber ihren eigenen Sohn und behielt Manrico bei sich. Dieser wurde später Offizier des rebellischen Grafen von Urgel, Widersacher des Hauses Aragón. Bild (v.l.) Placido Domingo als "Il Conte di Luna", Anna Netrebko als "Leonora", Francesco Meli als "Manrico" Manrico macht der Hofdame der Prinzessin von Aragón, Gräfin Leonora, erfolgreich den Hof, indem er für sie Liebeslieder singt (und deshalb Troubadour genannt wird).
Im Bild: Francesco Meli (Manrico), Anna Netrebko (Leonora) Aber auch sein älterer Bruder, Graf Luna, wirbt um die Gunst Leonoras. Es kommt zum Kampf, den Manrico gewinnt; er lässt Graf Luna aber am Leben.
Bild (v.l.): Riccardo Zanellato als "Ferrando", Placido Domingo als "Il Conte di Luna", Francesco Meli als "Manrico", Anna Netrebko als "Leonora" Leonora glaubt deswegen, Manrico sei tot, und geht aus Kummer ins Kloster.
Im Bild: Anna Netrebko (Leonora), Diana Haller (Ines) Azucena offenbart Manrico, dass sie damals ihren eigenen Sohn verbrannt habe, versichert ihm dann aber, er sei ihr Sohn und er solle sich an Luna für den Tod seiner Großmutter rächen.
Im Bild: Anna Netrebko (Leonora), Diana Haller (Ines) Graf Luna und Manrico wollen beide Leonora aus dem Kloster entführen, es kommt zum nächsten Kampf. Wieder behält Manrico die Oberhand, flieht mit Leonora und verschanzt sich mit ihr in einer Burg.
Bild: Anna Netrebko (Mitte) als Leonora, Plácido Domingo (re.) als Conte di Luna und Francesco Meli (li.) als Manrico Graf Luna nimmt Azucena gefangen, Manrico erfährt es und schwört, sie zu befreien („Di quella pira“). Es kommt zum nächsten Kampf, diesmal wird Manrico von Luna gefangengenommen.
Bild (v.l.): Anna Netrebko als "Leonora", Francesco Meli als "Manrico", Placido Domingo als "Il Conte di Luna" Um Manrico zu retten, stimmt Leonora zu, nimmt aber heimlich Gift. Leonora fleht um sein Leben, Luna will Manrico und Azucena aber nur freigeben, wenn sie bereit ist, ihn zu lieben. Sie öffnet den Kerker und bittet Manrico zu fliehen. Als sie ihm nicht folgen will, glaubt er, dass sie ihn verraten habe.
Bild (v.l.): Placido Domingo als "Il Conte di Luna",Francesco Meli als "Manrico", Anna Netrebko als "Leonora" Erst als sie am Gift stirbt, erkennt Manrico seinen Irrtum. Luna lässt Manrico hinrichten und zeigt Azucena triumphierend das vollzogene Urteil, bevor auch sie hingerichtet wird.
Bild (v.l.) Placido Domingo als "Il Conte di Luna", Anna Netrebko als "Leonora", Francesco Meli als "Manrico" "Er war dein Bruder", sind ihre letzten Worte. Weitere Bilder von den Fotoproben in Salzburg.
Bild (v.l.) Anna Netrebko als "Leonora", Placido Domingo als "Il Conte di Luna" Im Bild: Anna Netrebko (Leonora, li.), Diana Haller (Ines, M.) Bild (v.l.) Anna Netrebko als "Leonora", Placido Domingo als "Il Conte di Luna" Anna Netrebko als "Leonora", Placido Domingo als "Il Conte di Luna" Anna Netrebko als "Leonora", Placido Domingo als "Il Conte di Luna"
(kurier) Erstellt am
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