Iggy Pop beim Filmfestival in Cannes: "Geh abends früh schlafen“

© APA/AFP/LOIC VENANCE

Cannes
05/20/2016

Iggy Pop: "Ich bin wie eine kostbare Antiquität"

Iggy Pop, der Godfather des Punk, lässt sein Hemd an und erzählt von seinen wilden Tagen.

von Alexandra Seibel

Nein, Iggy Popp wird sein Hemd in Cannes nicht ausziehen. Weder für die Fotografen, die ihn beim Fotoshooting vor dem Festivalpalast lauthals dazu auffordern, noch für den roten Teppich.

Wer Iggy Pop mit nacktem Oberkörper sehen will, muss sich Jim Jarmuschs Doku "Gimme Danger" ansehen. Nach seinem lyrischen Busfahrer-Film "Paterson" im Hauptwettbewerb zeigt der US-Regisseur nun "Gimme Danger" in der Mitternachtsschiene – übrigens beides Produktionen der Amazon Studios. Unterstützt wird er dabei von Mr. Pop, Gründer und Frontman der legendären Rockband The Stooges, höchstpersönlich.

Der "Godfather" des Punk lieferte einst mit nacktem Oberkörper und rotem Hundehalsband extreme Konzertauftritte, die ihm wütende Publikumsreaktionen einbrachten: "Ich hatte nach jedem vierten Auftritt einen blutigen Schädel." Doch diese intensiven Zeiten sind heute vorbei: "Ich behandle mich selbst wie eine kostbare Antiquität", grinst Iggy Pop gut gelaunt in die Journalistenrunde: "Ich geh’ abends früh schlafen und nehme auch keine Drogen mehr. Mir reicht ein Glas Wein."

Wild

Dass es früher mal ganz anders war, daran erinnert die Doku "Gimme Danger", in der Jarmusch unglaublich viele Bilder von alten Spielfilmen, Konzertauftritten, TV-Filmen und Werbeclips zusammenschnipselte. Wenn Iggy Pop im Interview erzählt, er hätte Nico und John Cale getroffen und beide hätten wie Mitglieder der "Adams Family" ausgesehen – dann zeigt Jarmusch Bilder von der "Adams Family": "Ich wollte, dass mein Film genauso wild, unordentlich, witzig, emotional und stark ist wie die Musik der Stooges", erläutert Jarmusch. Er hätte sich ruhig auf die Strahlkraft seines Protagonisten verlassen können: Iggy Pop erzählt mit viel Witz von den Höhen und vor allem den Tiefen seiner Karriere. Wie er begann, auf der Bühne die Kampfgesten eines Schimpansen nachzuahmen. Und von dem Moment, in dem er das "Stage Diving" erfand: "Das Publikum wich zurück und ich verlor einen Zahn."

"Gimme Danger" läuft außer Konkurrenz in Cannes, wo der Wettbewerb zum Festivalfinale hin zu stagnieren beginnt. Große Namen liefern Mittelklasse-Filme – wie die Brüder Dardenne mit ihrem Sozialdrama "La Fille Inconnue". Auch das franko-kanadische Wunderkind Xavier Dolan spaltete mit seinem Beitrag die Kritik. Im Melodram "Juste la Fin du Monde" kehrt ein schwuler Mann in das Haus seiner Familie zurück. Dolan versammelte eine große Zahl französischer Stars – von Marion Cotillard bis zu Vincent Cassel –, die sich ihren Gefühlsausbrüchen hingeben. Dabei gelingen dichte, intensive Momente – manchmal am Rande zur Selbstverliebtheit.
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