Sänger Theo Hutchcraft hat der Melancholie abgeschworen.

© APA/THOMAS FREY

Hurts Kritik
03/28/2013

Synthie-Pop, tolle Melodien und ein zu zarter Hauch Industrial

Hurts stellten in der Wiener Arena den überraschenden Sound ihrer neuen CD „Exile“ live vor.

von Brigitte Schokarth

The Road“ ist der extremste Song des neuen Hurts-Albums „Exile“. Das Szenario des Textes: Ein Autounfall, aus Sicht der dabei Verstorbenen geschildert. Den Sound für den wuchtigen Refrain haben Sänger Theo Hutchcraft und Keyboarder Adam Anderson aus Geräuschen von Autounfällen designt. Der Song schließt mit einer Attacke metallischen Dröhnens ab. Als Hurts „The Road“ Mittwoch beim Wien-Konzert in der Arena an das Ende des regulären Sets stellten, ernteten sie damit aber doch Staunen.

Nicht wenigen schien der Bruch zum schmeichelnden Synthie-Pop des Debüts „Happiness“ zu drastisch.

Schock-Effekt

Der Schock-Effekt war aber kalkuliert: „Wir wussten dass ,The Road’ polarisieren würde“, erklärte Hutchcraft im KURIER-Interview. „Aber es gab schon beim ersten Album viele, die die düstereren Songs lieber mochten. Und wir wollten mit ,Exile’ weiter in diese Richtung gehen – hin zu der intensiven Atmosphäre von Nine-Inch-Nails-Platten“. Das ist gelungen: Auf der CD singt Hutchcraft mit makelloser Stimme über den Tod und Dämonen, über Sex und Sado-Maso-Praktiken, legt süße Melodien über raffiniert verwobene Industrial-Geräusche.

Leider war von diesem spannenden Kontrast in der Arena nicht viel zu hören hören. In das Live-Programm schafften es von den neuen Songs neben „The Road“ doch eher jene, die nahtloser an den schmiegsamen Pop des Debüts anschließen.

Souverän

Doch selbst wenn Hurts poppig bleiben, haben sie einiges zu bieten: Einen Frontmann, der die Massen mit einem Schlenker seines Handgelenks dirigieren kann. Der distanziert und souverän wirkt, wenn es der Song verlangt, nahbar und jovial wenn er erzählt, dass er leuchtende Handys sehen will, die er dann in perfektem Deutsch zählt. Dazu gibt es eine Band, die – mit Unterstützung einer Violinistin – das ganze Soundspektrum von zart und spärlich bis breit und dicht, von elegisch und mystisch bis bedrohlich und wütend abrufen kann. Und sie haben Hits – mit „Wonderful Life“ und „Illuminated“ Melodien, die mittlerweile die halbe Welt singen kann. Natürlich auch die Wiener: Die nehmen bei der Zugabe mit „Stay“ dem strahlenden Sänger den Job weg. Am Ende war klar: Hurts sind zwar auf einem guten Weg, vom Pop-Phänomen zu einer ernst zu nehmenden Band à la Depeche Mode zu werden, könnten dabei aber einen Tick mutiger sein. Und: Mit einer Stunde war das Arena-Konzert – auch ohne diesen Mut – viel zu kurz.

KURIER-Wertung: **** von *****

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