Kultur
06.03.2013

Hundertwasser: Wo das blaue Quadrat seinen Ursprung hat

Zum neu Sehen und Wiederentdecken: Hundertwassers Frühwerk in einem anderen Licht.

Ein farbenprächtiger Blickfang am Anfang ist „Der große Weg“ aus dem Jahr 1955. Das Spiralbild aus dem Bestand des Belvedere hat im Zentrum ebenso wie eine Reihe weiterer Arbeiten dieser Zeit ein blaues Quadrat. Als zentrales Werk Hundertwassers steht es paradigmatisch für das Zusammenspiel fernöstlicher Philosophie und westlicher abstrakter Kunst.

Avantgardist

Ein anderer Zugang war angepeilt, um das Frühwerk des Spiralmalers neu zu betrachten: Die Ausstellung „Hundertwasser, Japan und die Avantgarde“ (bis 30. 6.) im Unteren Belvedere, Orangerie, setzt den Maler in Beziehung zur internationalen Nachkriegsavantgarde.

„Hundertwassers kunsthistorische Bedeutung ist weitgehend unterrepräsentiert“, sagt Direktorin Agnes Husslein-Arco. Ein brillanter „Netzwerker und ein guter Manager in eigener Sache“ sei er gewesen. Und ein „unkonformistischer Vorreiter der Avantgarde“.

Japonismus nach 1945

Über Paris, wo Hundertwasser 1950 u. a. Yves Klein, Akira Kito und Kumi Sugai kennenlernte, ging es 1961 für sieben Monate nach Japan, das Modereiseland der 50er-Jahre, so Kurator Harald Krejci: „Wo er die fernöstliche Kultur und deren Weisheiten für sich als Inspirationsquelle entdeckte.“ Wo er die japanische Künstlerin Yuko Ikewada heiratete. Und wo ihm der Zen-Buddhismus willkommener Impuls für seine Visionen einer anderen Lebenswelt war.

Bei den in Japan entstandenen Bildern laufe die japanische Philosophie „im Hintergrund“, so Krejci. „Er war von der Idee einer Ganzheitlichkeit fasziniert, wobei er die Esoterik eher analytisch sah und in den kreativen Prozess integrierte.“

50 Hundertwasser-Werke – zum Teil aus privaten Sammlungen und bisher kaum oder noch nie zu sehen – werden 30 Arbeiten von Künstlern seiner Zeit wie Jean Dubuffet, Pierre Alechinsky, Corneille, Piero Manzoni oder Lucio Fontana gegenüber gestellt, um die Verbindungen von japanischer Kultur und westlicher Avantgarde zu zeigen.

Einblicke in die Ausstellung

Hundertwasser, Japan und die Avantgarde

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224 der große weg_ 1955_Hundertwasser.jpeg

Die Stadt_1953_Hundertwasser.jpeg

Die Insel_Hundertwasser.jpeg

Ando Hiroshige_Provinz Mimasaka_Das Tal der Yamabushi.jpeg

Jean Dubuffet_Le chemin pierreux1956.jpeg

Die erste Japan Spirale_1961_Hundertwasser.jpeg

Friedensreich Hundertwasser&Akiro Kito_paris1956_.jpeg

Milliardaire_akira Kito.jpeg

Constant_new babylon nord1958.jpeg

Tränenspirale mit Kito im Eck_Hundertwasser.jpeg

Freiheit im Denken

„Jene Künstler sahen in der japanischen Kunst und Kultur ein Reformpotenzial. Sie unterschieden nicht zwischen gesellschaftlichem Leben und spiritueller Dimension des Daseins, sondern sahen beides als untrennbare Einheit innerhalb der Kunst“, so Krejci.

Offensichtlich wird, wie bei Hundertwasser stets Mal- und Lebensprozess sowie Reflexion zusammenfielen und die Freiheit im Denken über die formalen Kriterien der Kunst gestellt wurde.

Kreiji: „Zu den zentralen Aspekten zählten die Freiheit des kreativen Ausdrucks, das Ausloten vorbewusster Zustände sowie das In-Eins-Setzen von individuellem Erlebnis und objektivierter künstlerischer Umsetzung.“

„Mit seinen Arbeiten, die Performance, Malerei, soziale Intervention und gesellschaftspolitisches Statement in sich vereinen, ebnete er neue Wege in der Kunst und reiht sich somit unter die bedeutenden Vertreter der internationalen Avantgarde“, sagt Husslein-Arco. Die Schau wirke „der Mythisierung Hundertwassers zum Outlaw unserer Zivilgesellschaft entgegen“.

Info: Bis 30. Juni im Unteren Belvedere, Orangerie, 3., Rennweg 6, tgl. 10 – 18, Mi. bis 21 Uhr; Katalog 36 € www.belvedere.at