Gerald Votava (li.) und Michael Ostrowski verlieren mit überschuldetem Hotel beinahe Hemd und Hose

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Kultur

"Hotel Rock ’n’ Roll": Mit Wiener Schmäh statt Sex und Drogen

"Nacktschnecken" sorgen als Hoteliers für kabarettistische Kapriolen – auch ohne "Drugs".

08/25/2016, 06:00 AM

Wann eigentlich ist aus der österreichischen Variante von "Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll" eigentlich "Gluten-Intoleranz, Veganismus & Andreas Gabalier" geworden? Eine der Antworten könnte lauten: Seit es Michael Glawogger nicht mehr gibt. Glawogger, der während der Arbeit an seinem letzten Film 2014 an Malaria starb, war vor allem mit Dokumentarfilmen international bekannt geworden. Mit seiner grandiosen Trilogie über Schrecken und Schönheit der heutigen Welt: "Megacities" (1998), "Workingman’s Death" (2005) und "Whores’ Glory" (2011). Parallel dazu hatte Glawogger an einer Slapstick-Trilogie gearbeitet, mit der er sich der zunehmenden Verspießerung der Nuller-Jahre entgegenstemmen wollte. Er tischte uns darin Geschichten auf, die zwischen krudem Realismus und hellsichtig-skurrilen Halluzinationen pendelten. In den beiden ersten Teilen der Trilogie dreht sich alles um das liederliche Kleeblatt Mao, Max und Johann. Mao, die energischste der drei Freunde, betreibt ein Drogen-Delivery-Service, Max und Johann schlagen sich mit Gelegenheitsjobs und unerfüllten Frauenfantasien durchs verkrachte Studentenleben.

Sex

In "Nacktschnecken" (2004) machte Glawogger "Sex" zum zentralen Thema: Seine schrulligen Loser-Typen versuchen einen Amateur-Pornofilm zu drehen und damit Geld zu machen – wobei das Wort "Amateur" hier nicht (nur) als "Liebhaber", sondern durchaus als "Stümper" verstanden werden darf.

Das selbst-gestrickte Sex-Video, das zunächst für alle Beteiligten nach Geld, Sex und Spaß klingt, wird zum Desaster. Vor allem, als ein Piefke und ein Kleinkrimineller dabei auf ihre Weise mitspielen wollen.

Drugs

In "Contact High" (2009), dem zweiten Teil der Trilogie ging Glawogger mit " Drugs" zur Sache . Ein Drogen-Transport artet zur psychedelischen Odyssee aus. Die Handlung rund um einen Koffer mit mysteriösem Inhalt, hinter dem vier schräge, geistig etwas unterbelichtete Typen herjagen, dient in erster Linie dazu, diverse Drogenwitze zumindest lose zu verbinden.

Weil Glawogger den dritten Teil seiner "Rock-’n’-Roll"-Trilogie nicht mehr selbst verwirklichen konnte, komplettierte nun Michael Ostrowski das Werk des verstorbenen Freundes.

Rock ’n’ Roll

In diesem Film wollen Mao, Max und Johann ein abgetakeltes Hotel mittels Rock ’n’ Roll wieder auftakeln, aber ein Kriminal-Inspektor und die schon sattsam bekannten Störenfriede – der Piefke und der Kleinkriminelle – arbeiten dagegen. Der Film ist eine harmlos-sympathische Reverenz an Michael Glawogger und nicht nur für jene amüsant, die auch die ersten beiden Teile der Trilogie schätzen.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: A 2016. 102 Min. Von Michael. Ostrowski, H. Köpping. Mit P. Hierzegger, G. Friedrich.

KURIER-Wertung:

Mit Muskeln und Testosteron

Das gute alte Testosteron ist im Kino selten geworden. Seit computeranimierte Superhelden die Leinwände dominieren, haben die sogenannten "echten Männer" ausgedient. Der menschelnde Held, der mit schwellenden Muskeln und knirschenden Zähnen seine Gegner niederringt, ist in Hollywood vom Aussterben bedroht. Zumindest einer von dieser Spezies existiert aber noch: Jason Statham.

Der 44-jährige Engländer verkörpert einen coolen Killer, der angesichts schöner Frauen nicht nur Muskeln, sondern auch Skrupel zeigt. In "The Mechanic" (2011) spielte Statham zum ersten Mal den Auftragskiller Arthur Bishop. Jetzt muss er sich mit waghalsigen Stunts, hitzigen Feuergefechten und bombastischen Explosionen neuerlich in dieser Rolle beweisen.

Im Action-Film des digitalen Zeitalters hat man sich daran gewöhnt, dass es immer um das Schicksal der gesamten Welt, des Universums oder, schlimmer noch, der Vereinigten Staaten geht. Was Statham in dieser Rolle geradezu sympathisch macht, ist seine – weltpolitisch gesehen – tief liegende Latte. Er kämpft nur um das, was sich angeblich mit Muskeln erobern lässt – schöne Frauen. Der deutsche Regisseur Dennis Gansel ("Die Welle"), der mit diesem Film sein Hollywood-Debüt absolvierte, tut was er kann, um die dünne Handlung mittels Action und toller Schauplätze zu kompensieren.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: F/USA 2016. 99 Min. Von Dennis Gansel. Mit Jason Statham, Jessica Alba.

KURIER-Wertung:

Liebes- und Lebenswirren an einem Muttertag

Was macht eine "Pretty Woman", wenn sie älter und Mutter geworden ist? Davon erzählt der letzte Film des kürzlich verstorbenen Regisseurs Garry Marshall. Seit "Pretty Woman" (1990) war er Fachmann für romantische Komödien rund um das weibliche Bedürfnis, einem heiratswilligen "Prinzen" zu begegnen.

Diesmal geht es um die Geschichten mehrerer Frauen, die rund um einen Muttertag um verflossene, bestehende und künftige Beziehungen kämpfen.

Trotz der sympathischen Schauspielerinnen etwas nervend.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: USA 2016. 118 Min. Von Garry Marshall. Mit Julia Roberts, Jenniver Aniston, Kate Hudson.

KURIER-Wertung:

Magier und Millionen

Wie kann man viel Geld verschwinden lassen?

Die Realität hat uns gelehrt, dass man dazu keine Magier braucht. Das können auch Börsenspekulanten, Lobbyisten und Banker. Zweifelsohne ist es aber lustiger, sich diesen "Gütertransfer" von Hexenmeistern vorzaubern zu lassen. Es war also abzusehen, dass "Die Unfassbaren" in eine weitere Runde gehen.

Im zweiten Teil gesellt sich Ex-Harry Potter Daniel Radcliffe zu den "Unfassbaren". Nicht als Zauberlehrling, sondern als Technik-Wunderknabe, der seinen Vater rächen will, der in Teil 1 um sein Vermögen gebracht wurde. Trotz der Schauspieler bleibt der Film unbefriedigend. Das mag daran liegen, dass der Film als Illusionskunst par excellence gilt, in dem die Magie als Thema aber nur selten funktioniert.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: USA 2016. Von Jon M. Chu. Mit Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Daniel Radcliff.

KURIER-Wertung:

Lagerfeld-Model gegen weißen Hai

Für alles, was über scharfe Zähne, verschlagene Blicke und Dreiecksflosse verfügt, hat Hollywood bekanntlich eine Vorliebe. Als neuester Hai-Horror kommt ein Überraschungshit ins Kino, der in den USA das Dreifache seiner Kosten eingespielt hat. Eine Medizinstudentin wird im tropischen Nirgendwo von einem Hai angegriffen. Blake Lively, einstiges Lagerfeld-Model, wehrt sich tapfer und macht dabei mehr als nur eine gute Figur.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: USA 2016. 89 Min. Von Jaume Collet-Serra. Mit Blake Lively.

KURIER-Wertung:

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