Mirko Roschkowski als Hoffmann, Anja-Nina Bahrmann als Antonia.

© /Barbara Palffy/Volksoper Wien

Volksoper
10/17/2016

"Hoffmanns Erzählungen": Nicht zu verhindern

Volksoper: Premiere der Oper von Jacques Offenbach mit einer guten Olympia und einer musikalischen Enttäuschung.

An dieser Neuproduktion (die für Wien neu ist, aber davor bereits beim Koproduzenten in Bonn zu sehen war), ist nicht alles schlecht.

Beate Ritter etwa besticht als famose Olympia mit klaren Höhen, präzisen Koloraturen – in einem überdimensionalen Kleid, das sie einmal sogar stolpern lässt.

Josef Wagner ist ein solider Gestalter der Partien der Bösewichte, der schon nach wenigen Sekunden auf die Bühne stürmt, um das Orchester zu unterbrechen und zu erklären, warum er Offenbach und Hoffmann schaden und diese Aufführung des Werkes verhindern wolle (was ihm nicht glückte).

Spannungsarm

Das ist übrigens ein Killer-Einfall der Regie, Spannung gleich am Anfang rauszunehmen, wenn man doch alles dafür tun müsste, um Spannung aufzubauen. Offenbar war man recht selbstsicher, dass dies gelingen würde.

Mirko Roschkowski ist ein seriöser Hoffmann mit schönen Spitzentönen, einem ganz hellen Timbre, ausreichend Kraft bis zum Finale, allerdings recht eindimensionalem Tenor (und als Darsteller nicht sehr facettenreich).

Juliette Mars als Muse/Niklaus spielt gut, singt kultiviert, jedoch mit nicht allzu großer Stimme.

Anja-Nina Bahrmann als Antonia, Kristiane Kaiser als Giulietta und die Interpreten der kleineren Partien ordnen sich in die Kategorie Mittelmaß ein.

Was an diesem Abend jedoch aus dem Graben erklingt, ist enttäuschend und erinnert nur selten an die wunderbaren Momente, die Jacques Offenbach mit seiner einzigen Oper sonst zu erzeugen vermag. Auf der Bühne sieht man in dieser Inszenierung zwar die Figur Offenbach, die um ihr Werk ringt (in Gestalt von Christian Drescher in den Dienerrollen). Orchestral wird aber um Offenbach die meiste Zeit über vergeblich gerungen.

So gut wie alle Highlights dieser Oper werden musikalisch verschenkt. Von Klangfarben zu sprechen, wäre übertrieben. Auch in der Koordination mit dem Chor wackelt es ständig. Es entwickelt sich keinerlei Zauber. Das ist wohl in erster Linie dem Dirigat von Gerrit Prießnitz geschuldet, denn das Orchester selbst wäre bestimmt zu Besserem imstande. Dabei hat "Hoffmanns Erzählungen" eine große Tradition im Haus am Gürtel, an die man leider nicht im geringsten anschließen kann.

Die Inszenierung von Renaud Doucet im Bühnenbild und in den Kostümen von André Barbe bietet ein Sammelsurium an Filmzitaten, von "Charlie und die Schokoladenfabrik" über die "Eiskönigin" bis zu "Nosferatu". Man staunt zunächst über den Ideenreichtum, ermüdet aber rasch und fürchtet sich, wie in der Grottenbahn, vor dem nächsten Gespenst, das irgendwo hervorspringt.

Das Geheimnisvolle dieser Oper, das Rätselhafte, geht durch diese Überfütterung, durch das Plakative, durch das Parodistische völlig verloren. Jene, die sich wähnten wie in einer Kindersendung im Fernsehen, in der alles mit dem Holzhammer erklärt werden muss, haben völlig recht.

Mehrfach tauchen kaum verhüllte Tänzerinnen auf, im Venedig-Akt müssen zwei Damen in einer Art Gondel hoch über der Bühne schaukeln – es sieht aus wie ein bebilderter Altherrenwitz.

Gesungen wird die meiste Zeit über auf deutsch – mit Ausnahme einiger Arien wie jener von Olympia. Sofort bekommt die Aufführung mehr Tiefgang. Mit mehr als dreieinhalb Stunden Dauer ist die in der Volksoper gespielte Fassung enorm lang. Weniger wäre mehr gewesen – nicht nur diesbezüglich.

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