Hermann J. Painitz in seinem Atelier, im Hintergrund eines seiner typischen Farbkreis-Bilder

© Michael Huber

Kunst & Medien
04/27/2014

Malen nach Zahlen, Formeln und Regeln

Hermann J. Painitz schafft analytische, medienkritische Kunst. Nun würdigt ihn eine Retrospektive.

von Michael Huber

Sagen Sie niemals "Infografik" dazu: Denn obwohl einige der Bilder, die Hermann J. Painitz ab den frühen 1970er-Jahren schuf, auf statistischem Zahlenmaterial basieren, bringt der Begriff den 1938 geborenen Künstler ganz schön auf die Palme. "Es ist das Gegenteil einer Infografik!" sagt Painitz, als der KURIER ihn in seinem Atelier besucht. "Weil es das Medium selbst zum Inhalt hat."

Painitz, so wird im folgenden Gespräch klar werden, bezieht gern radikale Gegen-Positionen. Auf die "Informationsexplosion", die ORF-General Gerd Bacher ab 1967 im Rundfunk ausrief, antwortete er mit einer explodierenden "Knallkopf"-Skulptur; er lieferte 1969 einen "Entwurf für die Planierung der Alpen", um seine Vorstellung von Kunst als Anti-Natur zu verdeutlichen; und er kann bis heute über das Dreigestirn Klimt, Kokoschka und Schiele, das er gern als "Klikosch" abkürzt, lästern: "Ganz schlechte Kunst ist das, alles sehr schlecht."

Impressionen der Ausstellung

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Ausstellung: Hermann J. Painitz, "Selbstverständli…

Kunst aus dem Kopf

"Man hat früher gesagt, die Kunst muss so sein, dass der Künstler nicht anders kann", sagt Painitz, der sich – so viel Natur darf sein – einen Singvogel im Atelier hält. "Das ist die Theorie des Expressionismus, und die ist natürlich falsch. Nichts gegen den Bauch, aber Kunst muss aus dem Kopf kommen. Wir können Emotionen nicht ausschalten, aber es muss eine Möglichkeit geben, alles zu kontrollieren und in eine Ordnung zu bringen, eine Methode anzuwenden."

Painitz’ Werk lässt sich als Bild oder Skulptur gewordene Methode begreifen: Von Steinskulpturen, die aus Würfeln in genau wohlüberlegten Proportionen bestehen, über seine charakteristischen konzentrischen Kreise, deren Farbabfolge einem strengen Regelwerk gehorcht, bis zu einer Reihe von Alphabeten, in denen Hieroglyphen, aber auch Brote oder Astgabeln die Rolle von Schriftzeichen übernehmen.

"Unabhängig davon, ob die Arbeit gefällt oder nicht – sie hat Strukturen, die man als selbstreferenziell bezeichnen könnte", sagt Painitz. "Das heißt, innerhalb der Arbeit erledigt sich die Frage, ob sie gefällig ist oder nicht. Das ist bei Klimt, Kokoschka und Schiele nicht so. Das ist gefällig."

Mit dieser Position war Painitz nie ein Liebkind des Vernissagenpublikums – verkauft hat er seine Werke dennoch, an Privatsammler wie Herbert Liaunig und an Museen wie das 21er Haus, das Lentos oder das Niederösterreichische Landesmuseum.

"Das muss jetzt die Ausstellung dort zur Hälfte mit den Exponaten bestreiten, die sie in den letzten 30 Jahren gekauft hat", sagt Painitz augenzwinkernd. Dass man für die Kunst darben muss, glaubt der zweifache Vater und dreifache Großvater nämlich nicht. "Wenn die Kunst dazu dient, eine Familie zu erhalten, ist sie eine gute Kunst. Das hat ein Erwin Wurm auch so erkannt."

Info: Hermann J. Painitz: "Selbstverständlich". Bis 24. 8., Landesmuseum St. Pölten. www.zeitkunstnoe.at

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