Kultur
17.02.2018

Helene Fischers Rückkehr: Christkindl aus der Grippe

Nach sieben Absagen war es nun endlich soweit: Helene Fischer trat in Wien auf.

"Gestern um 19 Uhr 31", erzählt mir die Krankenschwester aus dem Steirischen und wendet sich ihrem Mann, einem Bundesbahner, zu, "da hamma an Pikkolo aufg'macht."

Die Endvierziger hatten dem ersten fieberfreien Abend ihrer Lichtgestalt entgegen gefiebert. Nach sieben Absagen war SIE endlich dreimal angesagt (noch heute Samstag und morgen Sonntag, jeweils 20 Uhr). Helene Fischer (33), nach dreizehn Jahren und zwölf Millionen verkauften Tonträgern Europas erfolgreichste Sängerin, ist wieder auf den makellosen Beinen - und sie füllt die Wiener Stadthalle nach ihrem bösen grippalen Lungen-Infekt vom ersten Augenblick nur mit gutem Geist und glücklichen Gedanken.

Das steirische Ehepaar zählt zu den atemlosen Zehntausend, die tagelang um den größten Abend ihres Jahres bangten. "Wenn sie's nur aushalt'", sagt eine Mutter mit Teenager-Tochter, die beide herzlich nach Kärnten klingen. "Sicherlich", sagt die Tochter ohne jedes "ch", "die Helene is a Kroftwerk. Die Helene is a Schloga."

Die Helene ist aber nicht nur ein Kraftwerk, sie ist ein Industriezweig (200 Mitarbeiter, Tänzer, Artisten und Musiker begleiten heuer Ihre "Live"-Tournee durch Dutzende Städte). Die Helene ist auch nicht nur ein Schlager, sie ist DER Schlager.

Mit 1,58 m die Größte in einer brummenden Branche, die Blutauffrischung in einem (oft blasiert) belächelten Business zu kleiner Melodien mit zu großen Gefühlen. Was dazukommt: Ihr Zauber ist so sauber. Kaum eines ihrer sechs knappen Kostüme verleitet die Fans zu ferner schweifenden Fantasien.

Ein graumelierter Herr aus Meidling, pensionierter Trafikant, schon verwitwet, noch stattlich, zieht mich von Mann zu Mann ins Vertrauen: "Ich verrat' Ihna jetz' wos: Kloa is des a Schönheit. Mit die Augen hob i no nix. So a Figürl und blond aa no. Oba, immer wann i ma's anschau, erinnert s' mi ans Christkindl. Genau so hab i ma als Bua des Christkindl vorg'stellt."

Einer ihrer, für das gelegentlich gern genante Genre durch- und eingängig untadelig getexteten, komponierten und arrangierten Hits heißt: "Jetzt wirst du wieder schweben / wie ein Schmetterling im Regen". Das tut sie auch immer wieder über 170 effektvolle Minuten, an denen sie mit " Cirque du Soleil"-gestählten knackigen Knaben kühn an Seilen kletternd die Fäden zieht. Sie hängt und der Saal ist gefesselt.

Die Stimme bricht da und dort, die Stimmung nie. Fast drei Stunden lang: Jubel, Trubel trotz Heiserkeit. Und alle, ausnahmslos alle in der Halle sind teils gerührt, teils geschüttelt - sie hoffen ganz fest und ganz herzlich, dass Helenes heile Welt / noch eine ganze Weile hält.

Fischers gottbehütete Genesung wird in merklich parareligiöser Verklärung (Fachleute sprechen von "Pan-Helenismus") wenn schon nicht als wahres Wunder, so doch wenigstens als Wiederauferstehung würdig und weihevoll wahrgenommen.

Mit einem Wort: Es ist wieder da, das Christkindl aus der Grippe.