Kultur
27.10.2012

Heino Ferch: "Auch diesmal bleibt die Hose an"

Der traurige Verhörspezialist Richard Brock ist wieder auf den "Spuren des Bösen" (20.15, ORF 2). Ein Gespräch mit Hauptdarsteller Heino Ferch.

Richard Brock, Kriminalpsychologe aus Norddeutschland, ermittelt wieder in Wien – diesmal in eigener Sache. Darsteller Heino Ferch erzählte dem KURIER, warum sich Brock mit Frauen schwertut und warum er Österreich für "sinnlich" hält.

KURIER: Herr Ferch, Melange oder "Kaffe"?
Heino Ferch: Verlängerter.

Sie kennen sich also aus.
Klar, ich hab’ in Österreich studiert, ich war am Mozarteum. Meinen Kulturschock von Norddeutschland nach Österreich hab’ ich lange hinter mir. Ich hab’ schon viel Zeit in diesem sinnlichen, vergnügten, lauschigen Land verbracht.

Haben Sie "vergnügt" gesagt?
Ja.

Lauschig, meinetwegen sinnlich ..., aber vergnügt?
Ja, doch. Als ich Wien vor 25 Jahren kennenlernte, war es noch sehr freudianisch geprägt und ich hatte das Gefühl, es lag eine düstere Glocke über der Stadt. Die hat sich in den letzten zehn Jahren ganz schön gelichtet.

In diesem Film ist sie aber sehr präsent. Allein schon die Drehorte. Das Café Urania, Richard Brocks zweites Wohnzimmer.
Ja, das Café Urania sucht seinesgleichen. So was kenn’ ich in Berlin nicht.

Dort wohnt ja auch noch so ein uralter Cockerspaniel, der sitzt immer am Stammtisch.
Ja, und man hat Angst, dass er den Tag nicht überlebt.

Wie geht es denn dem Richard Brock? Man hat den Eindruck, es geht ihm ein kleines bisschen besser als im ersten Teil der "Spuren des Bösen"?
Naja. Im ersten Film wurde er gebeten, eine Sauerei aufzuklären. Das hat er mit viel Widerwillen auch getan. Die zuständige Polizistin ist ihm schon ziemlich auf den Senkel gegangen. Im zweiten Film ist es ja so, dass er durch Zufall in diese Geiselnahme hineinrutscht und er nimmt es als Versagen, dass er dem jungen Geiselnehmer nicht helfen kann. In diesem Film ist er also etwas weicher, er will eine Lösung für sein Versagen finden.

Wird er zum Ermittler wider Willen?
Es ist eben in diesen Selbstmord involviert und es lässt ihn nicht in Ruhe. Er kommt Stück für Stück in diese Familiengeschichte herein. Er ermittelt in eigener Sache.

Ansonsten wäre er in aller Ruhe seiner Uni-Tätigkeit nachgegangen.
Ja. Die Uni-Szene ist leider wegen zu großer Skurrilität dem Schneidetisch zum Opfer gefallen. Soll ich das sagen?

Ja!
Es gab eine Szene, wo er im Taxi eingeschlafen ist. Er träumt, dass ihm während einer Vorlesung die Zähne ausfallen. In der Psychoanalyse ein Symbol für Überforderung und sexuelle Fantasien. Das war dem Regisseur dann aber doch zu strange.

Es geht ihm also doch nicht besser ...
Nein, er ist auch diesmal traumatisch erwischt worden. Er stand drei Meter vor einem, der sich eine Kugel in den Kopf jagte.

Wo fühlt sich Richard Brock eigentlich wohl?
Im Café Urania. Das ist alt und runter-gerockt. Trist und sehr ehrlich. Das spiegelt das Innere seiner Seele wider – auch wenn ich ihn nicht als alt bezeichnen würde. Ein gestrandeter Raum, der für ihn so vertraut und heimelig ist, dass er dort jeden Tag zwei Mal hingeht.

Wenn das Café Urania der Spiegel seiner Seele ist – dann kann man daraus schließen, dass Richard Brock nie ein Sonnenschein wird?
Sonnenschein ist nicht seine favorisierte Wetterlage. Er schleppt ja auch nach wie vor mit, dass man ihm den Tod seiner Frau vorwirft. Ein verschlossener Typ wie er, der auch mit der eigenen Tochter ein schwieriges Ver- hältnis hat – der muss unter diesen Umständen ja eine Klatsche haben. Der kann sich nicht mit einem Ruck wie Münchhausen auf die Sonnenseite der Straße hieven.

Auch Frauen lässt er nicht an sich heran ...
Genau. Auch diesmal bleibt die Hose an.

Racheengel: Das Gfrett mit der Kirche

Racheengel": Der zweite Teil des Krimi-Dreiteilers "Spuren des Bösen" wird zum Familiendrama. Ein Selbstmord im kirchlichen Milieu – in den Richard Brock alias Heino Ferch durch Zufall gerät. Der Verhör-Experte muss sich mit den posttraumatischen Störungen eines jungen Mannes auseinandersetzen, die auf sexuellen Missbrauch in der Kindheit schließen lassen.

Der ROMY-prämierte Regisseur Andreas Prochaska holte auch diesmal ein hochkarätiges Team vor die Kamera. Neben Heino Ferch spielen Ursula Strauss, Sabrina Reiter, Hannelore Elsner, Bernhard Schir, Friedrich von Thun, Gerhard Liebmann und Florian Teichtmeister. Das Drehbuch zur ORF/ ZDF-Koproduktion stammt wieder von Martin Ambrosch.

Seit Anfang Oktober wird am Semmering der dritte Teil der "Spuren des Bösen" gedreht. In "Zauberberg" geht es um einen Patienten, der ein Mädchen entführt haben soll. Das Buch stammt erneut von Ambrosch. Neben Ferch spielen u. a. Cornelius Obonya, Thomas Stipits und Gerald Votava.