Kultur
03.10.2017

Hau auf den Topf: Das zwiespältige Versprechen der "Mitmachkunst"

Die Schau "Duett mit KünstlerIn" zeigt Kunst, die ihr Publikum aktiv einbinden will.

Vorweg: Wenn Sie planen, mit Kindern eine Ausstellung zu besuchen, dann sei Ihnen das 21er Haus wärmstens ans Herz gelegt.

Die Ausstellung "Duett mit KünstlerIn" macht richtig Spaß: Man kann vor einer riesigen Puppe, die mit den Augen klimpert, Aktzeichnen üben, darf in der Halle Pingpong spielen und ein Gerät bedienen, das mit Kochlöffeln auf Topfdeckel schlägt und ordentlich Krach macht. Irgendwann fragt man sich vielleicht, was das alles soll.

" Duett mit KünstlerIn" behandelt "Partizipation als künstlerisches Prinzip", hat also Kunst zum Inhalt, die nicht auf passiv-ehrfürchtiges Betrachten abzielt, sondern Mitwirkung verlangt.

Involviert euch!

Die Idee ist nicht neu, man könnte bis zu Diego Velázquez und seinem Bild "Las Meninas" ausholen, das den Betrachter in die Rolle des Königs versetzt. Im 21er Haus beschränkt man sich auf jüngere Ahnen – etwa Vito Acconci, der 1969 Passanten auf der Straße verfolgte und diese zu "Mitwirkenden" machte, oder auf Erwin Wurm, dessen nach Handlungsanleitung ausgeführte " One Minute Sculptures" in den 1990ern bekannt wurden.

Partizipative Kunst ist weiterhin hoch aktuell, erst am Montag eröffnete in der LondonerTate Moderneine Installation mit Kinderschaukeln, ersonnen von der dänischen Gruppe Superflex. Die Frage, ob die Kunstform hält, was sie verspricht, bleibt allerdings kontroversiell. Viel ist von Reflexion und Mündigkeit die Rede; die Eben-nicht-mehr-Betrachter sollen mithilfe der Kunst einen klareren Blick darauf bekommen, was unser Handeln ermöglicht oder einschränkt.
Wenn Jürgen Staack im 21er Haus einen Galerieraum mit Projektoren so bespielt, dass statt Gemälden nur die Schatten der Besucher an der Wand auftauchen, wird die klassische Museumssituation recht wirksam umgekehrt. Auch Yoko Ono, deren "Wish Trees" die Halle säumen, zielte stets darauf ab, einprägsame Situationen zu schaffen: Als Besucher ist man hier aufgefordert, Wünsche auf ein Zettelchen zu schreiben, an die Zweige zu hängen und andere aufzufordern, dasselbe zu tun.

Dennoch erfordert "Reflexion" auch Distanz: Wer seine Nase gegen einen Spiegel presst, sieht schnell lächerlich aus. Wenn man etwa die Werke der Gruppe Opavivará aus Brasilien – jene mit den Töpfen und Kochlöffeln – betätigt, stellt sich nicht so recht Erkenntnisgewinn ein, selbst wenn man weiß, dass solche Lärmproduktion Bestandteil politischer Demonstrationen in Südamerika ist. Auch die von Rikrit Tiravanija gestalteten Pingpong-Tische werden nicht automatisch subversiv, wenn man um den Konnex zum Slowaken Július Koller und seinen als "Ping-Pong-Clubs" getarnten Künstler-Treffen in kommunistischer Zeit Bescheid weiß.

Es gesellt sich also rasch eine gewisse Unzufriedenheit zum Spaß: Was Mündigkeit verspricht, hält die Besucher teilweise erst recht an den Fäden des Künstlers, der die Regeln erstellt. Emanzipation kippt bisweilen in die Bloßstellung. Vielleicht ist diese Einsicht genau das, was die Ausstellung zutage befördern will: So gesehen ist sie gelungen. (bis 4. 2. ’18)