Kultur
10.01.2018

Hansa Studios: Ein Ort mit Ausblick

Im Studio: David Bowie, Tony Visconti und Chef-Tonmeister Edu Meyer. © Bild: Edu Meyer personal archive

"Hansa Studios: by the Wall 1976–90" – zum Todestag von David Bowie.

Am 10. Jänner 2016 blieb die Zeit für ein paar Sekunden stehen. Es war Schreckliches passiert: David Bowie verließ die Welt. Für immer. Die Pop-Ikone starb im Alter von 69 Jahren und hinterließ ein Abschiedsgeschenk – das Album "Blackstar"

Heute, Mittwoch, jährt sich David Bowies Todestag zum zweiten Mal. Anlässlich dieser traurigen Stunden zeigt Sky Arts "Hansa Studios: By the Wall 1976–90" als Weltpremiere. Die Doku erzählt die faszinierende und bewegte Geschichte dieses direkt neben der Berliner Mauer gelegenen Musikstudios, in dem die Brüder Thomas und Peter Meisel lange Zeit deutsche Schlagermusik produzierten. Stichwort: Roland Kaiser und "Amore mio".

Legendär wurde dieser Ort am Potsdamer Platz aber erst durch Iggy Pop und David Bowie, der 1976 nach Berlin zog. "Als ich Amerika verließ, wollte ich unbedingt in ein ganz anderes Umfeld ziehen, einen Kontrast zu Los Angeles haben. Ich dachte dann an die mühsamste Stadt zu dieser Zeit. Mir fiel Westberlin ein", sagt Bowie in der Doku über diese Entscheidung. Der Grund für den Umzug: Er musste sein Alter Ego, den "Thin White Duke", dem es nie an Kokain fehlte, loswerden. Im düsteren Westberlin begann dann sein kalter Entzug von den Drogen und die vielleicht wichtigste Phase seiner Karriere. Er wohnte erst bei Edgar Froese von Tangerine Dream, später zusammen mit Iggy Pop und nahm mit Tony Visconti und Brian Eno eine ganze Reihe experimenteller Alben auf. Im historischen Meistersaal der Hansa-Tonstudios, der "Hall by the Wall", entstanden in Bowies Berliner Zeit von 1976 bis 1978 seine Studioalben "Low" und "Heroes". Gemeinsam mit dem später veröffentlichten "Lodger" sind sie als Berlin-Trilogie bekannt.

"People are People"

David Bowie folgte das Who’s who der Musikwelt: Depeche Mode mit dem Album "Some Great Reward" (1984) und der Single "People are People", Nick Cave and the Bad Seeds mit dem Album "The Firstborn is Dead" (1984), U2s "Achtung Baby" (1991) mit "One Love". Danach ging es mit den Hansa Studios bergab. Schuld daran waren aber nicht U2, sondern der Wegfall der Berliner Mauer und die sich dadurch ändernden Rahmenbedingungen. Das Flair, der besondere Ausblick auf Ostberlin war weg. Denn bis zum Mauerfall (1989) konnte man vom Studio aus direkt auf einen Wachtturm der DDR-Grenztruppen schauen. Laut Iggy Pop, der dort mit David Bowie im Jahr 1977 die Platte "Lust for Life" aufnahm, winkten Grenzsoldaten gelegentlich herüber. Die Mauer, sie inspirierte – auch David Bowie: "I can remember, standing, by the wall. And the guns shot above our heads. And we kissed, as though nothing could fall ..." ("Heroes").

Info: "Hansa: By the wall 1976– 90", heute, Mittwoch, um 20.15 Uhr auf Sky Arts. Und jederzeit abrufbar via Sky Go und Sky On Demand sowie auf dem monatlich kündbarem Streamingdienst Sky Ticket.