Das Leben ist ein Vierzeiler

Hans-Peter Falkner
Foto: /Hans-Peter Falkner/privat Hans-Peter Falkner: Gstanzln sind ein wichtiger Teil seines Lebens.

Hans-Peter Falkner von der heimischen Band Attwenger veröffentlicht "890 gstanzln".

"Ein Gstanzl kann und soll auch politisch sein. Es ist eine Form, der Obrigkeit zu sagen, was dem kleinen Mann von der Straße nicht passt", sagt Hans-Peter Falkner im KURIER-Gespräch. Der in Wien lebende Musiker beschäftigt sich seit seiner Kindheit im oberösterreichischen Linz-Urfahr mit jenen Vierzeilern, die in gewissen Gegenden Österreichs große Tradition haben.

Mit dem klassischen, heimatseligen, gerne mal sexistischen und deshalb auch fragwürdigen "Holladrio"-Liedgut, an dem man hierzulande nur schwer vorbeikommt, will Hans-Peter Falkner nichts zu tun haben. "Ich habe zum Gstanzl einen völlig anderen Zugang. Ich spiele zwar mit Traditionen, sehe sie aber durch eine andere Brille. Ich gebe meinen Texten eine weltoffene Haltung mit auf dem Weg."

Wos nutzt ma des grantln, wos nutzt ma des sorgn, slebm gehd jo grod, vo heid bis auf morgn

Für diese kitschbefreite Variante einer Volksmusik stehen auch die Zweimannkapellen die goas und Attwenger, die von Hans-Peter Falkner und Markus Binder erfolgreich betrieben werden. Auf ihren Alben verbinden sie Dialektkost mit fremden Einflüssen: Mundartgesang trifft auf herzhafte Grooves und eine punkig gespielte Knöpferlharmonika. "Mein Großvater hat mir in den frühen Achtzigerjahren den Punk vermittelt. Wenn ich mich verspielt habe, hat er hat gesagt: ,Du spielst nicht falsch, sondern anders‘", sagt Falkner. Das Oberösterreichische spiele beim Texten eine große Rolle, es eigne sich besonders gut für Gstanzln: "Man kann gut damit singen. Er ist nicht kantig, sondern schön rund."

Auf di hod da heagott, an bsundenen zoan, sunst wast schtod ana brenessl, a maigleggal woan

Falkner beschäftigt sich seit seinen jungen Jahren mit Kreuzreimen, Paarreimen, alten und neuen Vierzeilern. "Diese Gstanzln waren immer irgendwie da", sagt Falkner. Mein Großvater, mein Vater und ich haben immer wieder zu dritt musiziert", erinnert er sich.

Irgendwann Ende der Achtziger, Anfang der Neunzigerjahre habe er damit begonnen, die Reime niederzuschreiben. Aus dieser Idee heraus ist die erste, 1996 erschienene Text-Sammlung "1234 gstanzln" entstanden – ein heute längst vergriffenes Buch, das drei Jahre später durch den Nachfolgeband "567 gstanzln" ergänzt wurde. Und nun schließt Hans-Peter Falkner diese Reihe mit "890 gstanzln" ab. Der dritte und letzte Teil ist eine Art "Best of", das mit 33 praktischen Hörbeispielen auf CD ergänzt wird.

Drent in schönbrunn, sitzt a off in da sunn, frisst bradl trinkt wein, so a off mecht i sei

Was Falkner an den Gstanzln besonders mag, ist das Repetitive, das Wiederholen der immer gleichen Akkorde und Tonfolgen. Das hat etwas Befreiendes. Die Melodien steuert Falkner selbst auf der Quetschn bei: "Ein Leben ohne Ziehharmonika gibt es für mich nicht", sagt er am Ende des Gesprächs. Davor erinnert sich Falkner noch an seine ersten Auftritte mit der Familie: "Wir haben immer wieder auf Tanzveranstaltungen gespielt. Oft bis zu fünf Stunden am Stück. Das war hart, aber eine gute Schule. Danach bin ich oft noch in die Stadtwerkstatt gegangen und habe mir Punk-Konzerte angeschaut. Das war meine Jugend."

Tipp: Hans-Peter Falkner - "890 gstanzln". Zum Buch gibt es auch eine CD. Bibliothek der Provinz. Heute, Dienstag, live im Supersense (Praterstraße 70, 1020), 20 Uhr.

890 gstanzl Foto: /Bibliothek der Provinz

(kurier) Erstellt am
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