epa03595542 Handout image provided by the Teatro Real shows artists performing during the rehearsal of the opera 'Cosi fan tutte', by Wolfgang Amadeus Mozart, with French conductor Sylvain Cambreling and the stage management of Austrian filmmaker Michael Haneke, at Teatro Real in Madrid, Spain, 22 February 2013. The show will premiere on 23 February. EPA/TEATRO REAL/HO HANDOUT EDITORIAL USE ONLY

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Premierenkritik
02/24/2013

Hanekes Geniestreich in Madrid

"Così fan tutte" ist bei Michael Haneke eine eiskalte Tragödie.

von Gert Korentschnig

Wenn es Oscars für Opern-Produktionen gäbe, diese würde gleich mehrere verdienen: Beste Regie; beste Adaption eines Stoffes; beste Kostüme; beste Ausstattung; bestes Licht; und dazu den Ehren-Oscar für eine der besten Inszenierungen der vergangenen Jahre. Auch die Sänger würden für ihre Ensembleleistung einen verdienen. Nur musikalisch ginge sich keine Nominierung aus.
Michael Haneke präsentierte am Teatro Real seine zweite Opern-Regie: Mozarts „Così fan tutte“, in Koproduktion mit Brüssel, wo die Produktion danach zu sehen sein wird. Bei ihm hat die Geschichte vom inszenierten Partnertausch nichts Liebliches oder Lustiges. Es ist ein brutales Drama – ganz im Sinne seiner Filme. Dafür hat er geniale Kunstgriffe gesetzt.

Don Alfonso und Despina sind ein einander verhasstes Ehepaar, das ein Schloss modern renoviert hat und zur Housewarming-Party lädt. Die Gäste (Chor) werden zu Zeugen der schrecklichen, jede Liebesillusion zerstörenden Vorgänge und wenden sich am Ende entsetzt ab.

Die jungen Herren verkleiden sich so blöd, dass die Maskerade sofort auffällt – und fortan alle Bescheid wissen, was die Intensität noch verstärkt. Auch durch die Kombination von Alt und Neu, von Schloss und Design, wird „Così“ besonders realistisch und heutig.

Amour

Was ist wahre Liebe? Diese Frage stellt Haneke, wie bei „Amour“, auch hier. Nach diesen Verletzungen kann es für niemanden ein Happy End geben. Haneke bleibt hartnäckig Pessimist – oder Realist.

Brillant sind historische Zitate wie ein Bild von Jean-Antoine Watteau, das in der Sammlung Thyssen-Bornemisza in Madrid hängt. Enorm vergrößert dominiert es einen Teil der Bühne. Es ist unfertig, um ja keine Idylle aufkommen zu lassen. Auch das Kostüm von Despina ist Watteau nachempfunden, und zwar dessen „Pierrot“. Wie ein trauriger weißer Clown bewegt sich die depressive Despina. Als Medico wandelt sie sich zum Clown mit roter Nase. Und als Notar zu Charlie Chaplin. Aber zu lachen gibt es nichts.

Die Protagonisten spielen – vor allem, aber nicht nur in den Rezitativen – grandios und singen sehr gut. Am besten Andreas Wolf als Guglielmo und Anett Fritsch als Fiordiligi. Aber auch Juan Francisco Gatell (Ferrando), Paola Gardina (Dorabella) und William Shimell (Don Alfonso), der in „Amour“ die Rolle von Isabelle Hupperts Mann spielt, sind im Sinne des Konzepts top besetzt.

Dirigent Sylvain Cambreling trägt Hanekes Ideen ebenso mit und reizt die Tempi extrem aus. Leider wackelte es anfangs im Graben, was wohl mit dem Chaos zu tun hatte, das der Cembalist verursachte, der zu spät zum ersten Rezitativ kam.

KURIER-Wertung: ***** von *****

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