© Studio Carsten Nicolai

Kunstprojekt
06/23/2014

Habsburgs Kunstschatz im Pazifik

Francesca Habsburg vergrub zeitgenössische Kunst auf der Kokosinsel. Die "Schatzkarte" wird versteigert.

Eine wertvolle Truhe. Eine einsame, sagenumwobene Insel. Ein geheimer Ort. Mehr braucht es nicht, um die bei wohl jedem Menschen irgendwo abgespeicherten Piraten- und Schatzsucher-Geschichten wachzurufen.

Nur dass es in dieser Geschichte um eine hochmoderne Schatztruhe geht, gefüllt mit zeitgenössischer Kunst. Marina Abramović, Olafur Eliasson, Ed Ruscha – insgesamt 39 namhafte Künstlerinnen und Künstler steuerten Werke zu jener „Ausstellung“ bei, die Anfang Mai auf der Kokosinsel, 500 km vor der Küste Costa Ricas im Pazifik, vergraben wurde.

Von Wien auf die Schatzinsel

Ihren Ausgang nahm die wundersame Expedition in Wien: Hier ist die Stiftung „TBA 21“ von Francesca Habsburg ansässig, die sich mit ihrem jüngsten Ableger, der „TBA 21 Academy“, zum Ziel gesetzt hat, Künstler und Wissenschaftler zusammenzubringen. „Wir wollen Bewusstsein für Umweltschutz und die Erhaltung der Meere schaffen und nutzen den Umstand, dass Künstler andere Arten der Kommunikation beherrschen“, sagt Nadim Samman, der der „Academy“ als Kurator vorsteht und auch die Idee zum Schatzinsel-Projekt hatte.

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Erlös für Umweltprojekte

Die genauen GPS-Daten des vergrabenen Schatzes werden demnach – in kodierter Form – versteigert; der Erlös kommt einem Projekt zur Erforschung und Erhaltung der Artenvielfalt zugute, insbesondere dem Schutz der bedrohten Hammerhai-Population in den Gewässern um die Insel. „Die Kokos-Insel liegt auf derselben vulkanischen Kette wie die Galapagos-Inseln und hat eine unglaublich reichhaltige Fauna“, erzählt Samman im KURIER-Gespräch. „Zugleich ist die Insel der Geburtsort der meisten Schatzinsel-Erzählungen.“

Piraten vergangener Jahrhunderte nutzten die Kokosinsel als Stützpunkt; der „Kirchenschatz von Lima“, im peruanischen Unabhängigkeitskrieg 1821 außer Landes gebracht, soll bis heute hier vergraben sei, Robert Louis Stevenson ließ sich davon zu seinem Roman „Die Schatzinsel“ inspirieren.

Kunstsammler als Piraten?

Als Konsequenz ist Schatzsuchen auf der Insel heute explizit verboten. Auf jenen Sammler, der die „Schatzkarte“ der TBA21-Academy ersteigert (über Ort und Datum der Auktion wird noch verhandelt), kommt damit ein ethisches Dilemma zu: „Man müsste selbst schon eine Art Pirat sein, um den Schatz zu heben“, sagt Kurator Samman. „Wenn jemand diese Truhe ausgräbt, sagt uns das, dass Gesetze gebrochen wurden und dass deren Überwachung nicht funktioniert hat. Wir fragen, was den Leuten mehr wert ist – diese Insel unberührt zu lassen oder sie gegen die Regeln zu betreten.“

Sammler, die bei der Auktion mitmachen, können immerhin die zweite Version der vom Architektenteam Aranda/Lasch designten Truhe erwerben; für die „Schatzkarte“ wird die Zahlenreihe der verschlüsselten GPS-Daten mithilfe eines 3-D-Druckers zu einer Stahlzylinder-Skulptur umgeformt. Einen Schätzpreis will der Kurator nicht nennen: „Für mich ist das nach oben offen.“

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