© Claudette Barius

Kultur
12/05/2011

Gwyneth Paltrow als "Contagion"-Opfer

Filmstarts: Soderberghs Virus-Thriller "Contagion" + Rhys Ifans als "Mr. Nice" + "Footloose"-Remake mit Dennis Quaid und Andie MacDowell

Es beginnt mit einem Husten. Dann bricht der Schweiß aus. Man fühlt sich matt und muss sich hinlegen. Fieber beginnt im Körper zu wüten. Schaum tritt vor den Mund. Und wenig später ist man tot. Bis zum Exitus hat man aber noch genügend Zeit - um mit seiner Kreditkarte zu zahlen, einen Aufzugsknopf zu drücken, einen Haltegriff anzufassen oder jemandem die Hand zu schütteln. Und schon hat man es weiter gegeben, das tödliche Virus - und es reist von Hongkong nach London nach Minnesota und in die ganze Welt.

All-Star-Ensemble-Drama

Regisseur Steven Soderbergh legt in seinem famosen All-Star-Ensemble-Drama ein flottes Erzähltempo vor, um der rasanten Ausbreitung einer tödlichen Seuche die nötige Dringlichkeit zu geben. Ähnlich wie in seinem Drogen-Film "Traffic", packt er ein dichtes Netz aus mehreren Handlungssträngen in ein kompaktes Thriller-Format mit einem Hauch von Science-Fiction: Giftiges, grün-gelbliches Licht senkt sich über die Städte, reihenweise gehen die Menschen zu Boden. Fieberhaft suchen Forschungslabors nach einem Mittel gegen die Pandemie, während draußen die Massenpanik ausbricht.

Mit atemloser Effizienz wechselt Soderbergh zwischen seinen unterschiedlichen Handlungsschauplätzen hin und her - sei es die Schweiz, Chicago oder ein chinesisches Dorf. Dazwischen aber schafft er trotz treibender Rhythmen immer wieder Ruhemomente, in denen die Action zurückweicht und Trauer und Verlust Platz macht. Insgesamt werden dabei zu viele Erzählstränge aufgerissen, um sie am Ende alle befriedigend schließen zu können. Trotzdem ist "Contagion" eine überaus spannende und intelligente Arbeit.

"Patient Zero" der Krankheit ist übrigens Gwyneth Paltrow. Nach einem Geschäftsaufenthalt in Hongkong macht sie Zwischenstation in London, schläft dort mit ihrem Ex-Freund (Achtung: Seitensprung mit Ansteckung!) und kehrt nach Amerika zu Ehemann Matt Damon zurück. Kurz darauf wälzt sie sich schäumend auf dem Boden und landet auf der Gerichtsmedizin. Dort wird ihr recht gruselig der Schädel aufgesägt und der Skalp abgezogen, um die Ursache der Erkrankung zu finden. Wie die Seuche zwischen Promis und normalen Menschen keine Unterscheidung trifft, so rafft es auch bei Soderbergh die Hollywood-Stars reihenweise dahin. Kaum einer, der nicht im Leichensack endet. Ähnlich schnell wie das Virus verbreiten sich auch die Infos im Internet. Jude Law als Blogger spielt dabei als Vertreter anti-offizieller Informationspolitik eine ambivalente Rolle. Als eine Art skrupelloser Julian Assange schürt er in den sozialen Netzwerken das Misstrauen, bleibt aber moralisch zwielichtig.

Soderbergh hingegen setzt bei der Katastrophenbekämpfung ganz auf die Wirkungsmacht staatlicher Einrichtungen und die Integrität ihrer Vertreter. Sonst kann bei ihm keiner helfen - weder Gott noch das Internet. Alexandra Seibel

KURIER-Wertung: **** von *****

INFO: USA 2011. 106 Min. Von Steven Soderbergh. Mit Matt Damon.

"Mr. Nice" - Lebensbeichte eines Dealers

Auf der Elite-Universität von Oxford kann man alles Mögliche studieren - zum Beispiel die illuminierende Wirkung eines fetten Marihuana-Joints. Für das Provinzei Howard Marks - bestens gespielt von dem sympathisch-umnebelten Rhys Ifans - eine echte Erleuchtung und wegweisend für seine spätere Karriere als internationaler Haschisch-Dealer. Basierend auf der Autobiografie des in der 70er und 80er Jahren berühmt gewordenen Drogenhändlers Marks, plätschert Bernard Roses Filmadaption freundlich dahin - zwischen komödiantisch angehauchtem Sixties-Ausstattungskino und etwas ernsthafterem Politkontext. Alexandra Seibel

KURIER-Wertung: *** von *****

INFO: E 2011. 121 Min. Von Bernard Rose. Mit Rhys Ifans.

"Footloose" - Die Füße am rechten Fleck

Zugegeben, dieser Film ist blitzsauber, ein wenig harmlos und ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Aber, ein aber: Dank der offensichtlichen Liebe des Regisseurs zum Original aus dem Jahre 1984, hat er das Herz am rechten Fleck. Und noch wichtiger: Die Füße (auch wenn hier weniger getanzt wird als in der Vorlage). "Footloose",das Remake des Teenager-Tanz-Klassikers (damals mit Kevin Bacon in der Hauptrolle) ist zwar kein großartiger Film, aber ein richtig netter. Dennis Quaid spielt den Pastor und einen jener Stadtväter, der nach einem tödlichen Autounfall von Jugendlichen (darunter auch sein Sohn) öffentliches Tanzen verbietet. Und es braucht drei Jahre und den Teenager Ren McCormack, damit jemand gegen dieses Gesetz offen rebelliert, sich in die Pfarrerstochter verliebt - und sich ansonsten seinen jugendlichen Zorn aus dem Leib tanzt. Ein angenehmer Erinnerungsfilm für die Fans des Originals, und auch kein unangenehmer Film für allen anderen. Veronika Franz

KURIER-Wertung: *** von *****

INFO: USA 2011. Von Craig Brewer. Mit Dennis Quaid, Andie MacDowell.

Wunderkinder" - Platt, aber didaktisch

Ein klassischer Fall von: Vergeigt. Da können die ukrainischen Wunderkinder noch so aufspielen: Der Film ist ein platter, klischierter, bemüht didaktischer TV-Film zu einem großen Thema: Nämlich der Ermordung jüdischer Kinder im zweiten Weltkrieg. Konstantin Wecker immerhin überzeugt als Faschist. Veronika Franz

KURIER-Wertung: *** von *****

INFO: D 2011. Von Marcus Rosenmüller. Mit Gedeon Burkhard.

Viennale - Eröffnung mit Kaurismäkis "Le Havre", Star-Gast Belafonte

Das Wiener Filmfestival Viennale wird Donnerstag Abend gleich mit drei Filmen eröffnet: anschließend an den Viennale-Trailer von David Lynch zeigt Festival-Direktor Hans Hurch einen elfminütigen Film von Jean-Marie Straub ("Schakale und Araber"), ehe mit Aki Kaurismäkis märchenhafter Polit-Parabel "Le Havre" die 49. Viennale offiziell beginnt. Als Gast im Wiener Gartenbau-Kino wird der Schauspieler Andre Wilms, Hauptfigur Marcel Marks in Kaurismäkis Film, erwartet.

Am Wochenende geht es dann gleich prominent weiter: Am Freitag wird der diesjährige Star-Gast Harry Belafonte erwartet. Hierzulande vor allem als US-Sänger und Entertainer bekannt, wird in einem Tribute sein wenig bekanntes schauspielerisches Schaffen gewürdigt. Belafonte engagierte sich auch im Kampf für Bürger- und Menschenrechte; am Samstag wird er bei einer Gala im Gartenbau gefeiert.

Zu den weiteren Höhepunkten am ersten Wochenende zählen unter anderem Nicolas Winding Refns Noir-Film "Drive" mit Ryan Gosling als mysteriösem Stunt- und Fluchtfahrer, Todd Haynes aufwendiges, fünfteiliges TV-Drama "Mildred Pierce" mit Kate Winslet und Miranda Julys charmanter Zweitlingsfilm "The Future".