Kultur
05.04.2017

Bildungsauftrag, erfüllt mit DJ Ötzi

Bei "Guten Morgen, Österreich" nahm Gerry Friedle, alias DJ Ötzi, Aufstellung vor dem Schloss Schönbrunn - mit vielen Fragen im Gepäck.

*Disclaimer: Das TV-Tagebuch ist eine streng subjektive Zusammenfassung des TV-Abends oder TV-Morgens.*

Rutzenham, Preding, Herrnbaumgarten – "Guten Morgen, Österreich" besucht auch die ganz kleinen Orte des Landes. Diese Woche musste es aber richtig groß sein: Das Schloss Schönbrunn bietet die imperiale Kulisse zum derzeitigen royalen Gastspiel in Wien.

Am Dienstag kam auch dementsprechend hoher Besuch – zumindest in Bezug auf Massentauglichkeit. DJ Ötzi, der gerade auf PR-Tour für sein neuntes Album ist, nahm also Aufstellung vor der kaiserlichen Residenz. Der ist zwar einer der Grundsympathischen und Smarten im heimischen Popbusiness, aber in Bezug auf das Kaisertum hat sich Gerry Friedle in seinen Hits bisher kaum ausgebreitet.

Umso mehr freut sich "der Gerry" über seinen Besuch bei Moderatorin Eva Pölzl: "Es ist so fantastisch. Überhaupt: Maria Theresia, Schloss Belve … ähm, Schönbrunn!"

Überschwängliches Lob gibt es für Pölzl ("Eva, du schaust aus wie eine Prinzessin!"), sowie für das Frühstücksfernsehen des ORF (hier nachzusehen) im Allgemeinen: "Ich schau mir die Sendung immer an. Und ich freu mich immer wenn du dabei bist" Pölzl freut sich wiederum darüber, sich selbst in der Sonnenbrille ihres Gegenübers betrachten zu können.

Vom Schulwesen zum "Pantscherl"

Aber zurück zu Maria Theresia.

"Hat das Schulwesen eingeführt", merkt Friedle korrekterweise an.

Co-Moderator Patrick Budgen: "Hast du auch gewusst, dass sie 16 Kinder gehabt hat?"

Gerry Friedle: "Boah, mit wem?"

"Mit dem Franz Stephan, mit einem Mann", klärt Moderatorin Pölzl auf.

"Die haben damals halt keinen Fernseher gehabt", wird Friedle später noch zu diesem Thema sagen.

Damit ist die Wissbegierde des Stargasts aber noch lange nicht gestillt. "Und noch was, nur eine Frage: Hat sie ein Pantscherl mit dem Prinz Eugen g‘habt?" Das frage er sich, "aber rein aus Interesse".

"Adieu Mäusl"

In einem kurzen, informativen Einspielfilm wird dann versucht, der in Denkmälern manifestierten "Propaganda der Zeit" zu ent- und der Habsburger-Herrscherin näherzukommen. Während eines Besuchs im Haus-, Hof- und Staatsarchiv am Minoritenplatz werden eigenhändig verfasste Briefe gezeigt, in dem Maria Theresia ihren Ehemann, Franz Stephan von Lothringen zärtlich mit "Adieu Mäusl" angeschrieben hat.

Nach dem Beitrag versucht Moderatorin Pölzl, mit einem Scherz auf die Beantwortung der Ötzischen Fragen überzuleiten: "Wir kommen natürlich unserem Bildungsauftrag nach als öffentlich-rechtlicher Rundfunk"

Und so klärt die wissenschaftliche Leiterin von Schönbrunn, Elfriede Iby, den Hitfabrikanten darüber auf, dass Prinz Eugen der erfolgreiche Feldherr von Maria Theresias Vater war. Und als diese dessen 1740 Erbe angetreten habe, sei Prinz Eugen schon tot gewesen.

Nachste Frage

In seiner erfrischenden Kindlichkeit kann Friedle sich selbst damit noch nicht zufrieden geben. Nächste Frage: "Diese Kinder? 13? 16? Wie kann man so viel Kinder kriegen, wie hat sie da noch geherrscht?

Hanne Egghardt, Autorin des Buches "Maria Theresias Kinder", könnte jetzt natürlich wissend ausführen, dass sich ein halber Hofstaat um die Erziehung der Kinder gekümmert hat. Aber absolut fernsehgerecht sagt sie: Maria Theresia sei eben "eine Powerfrau" gewesen, "so wie es sie heute auch gibt."

Unter der Haube

Volksbildner wird Gerry Friedle wohl keiner mehr, auch wenn man nur mit vielen Fragen zu Wissen kommt.

Aber als DJ Ötzi liegt es ihm dafür umso mehr, die Werbetrommel zu rühren.

Einerseits für die Ausstellung "300 Jahre Maria Theresia":

"Wo ist die Ausstellung? In Schloss Hof? Des ziag i mir echt eini."

Und freilich auch für sein neues Album "Von Herzen":

"Es fühlt sich an wie mein erstes Album, der Spirit, es fühlt sich richtig an"“.

Und: "Es geht um mehr, es steckt mehr unter der Haube."

INFO: Die Sendung nachzusehen auf der ORF-TVThek