DDR-Aktfotograf Günter Rössler ist tot

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Foto: dpa Mode- und Aktofotgraf Günter Rössler vor einem Aktfoto in seinem Atelier in Markkleeberg bei Leipzig.

Der Pionier der Aktfotografie in der DDR ist am Silvestertag im Alter von 86 Jahren gestorben.

Der Aktfotograf Günter Rössler ist tot. Der Pionier der Aktfotografie in der DDR, einst auch «Helmut Newton des Ostens» genannt, ist am Silvestertag im Alter von 86 Jahren unerwartet gestorben, teilte der Berliner Jaron Verlag mit. Beisetzung und Gedenken sollten im engsten Familienkreis stattfinden.

Berühmt war Rössler zu DDR-Zeiten mit seinen Bildern im Magazin und in der Sibylle geworden. Den Vergleich mit Helmut Newton hat er nie gemocht. "Bei Newton dominiert die Pose, bei mir geht es um höchstmögliche Authentizität der Mädche", sagte Günter Rössler. Er war der Pionier der Aktfotografie in der DDR, ein bedeutender Modefotograf - und eben der „Helmut Newton des Ostens“, dazu stilisiert, seit der Playboy 1984 eine Fotostrecke unter dem Titel „Mädchen der DDR“ druckte.

Die Aktfotos von Günter Rössler:

Der neue Fotoband "Starke Frauen im Osten" (Jaros Verlag) zeigt die elf bekanntesten "Mädchen" des Aktfotografs Günter Rössler. Jeder Frau ist ein Kapitel gewidmet.
Bild: Gisela, am Schwarzen Meer. 1968 (c) Günter Rössler Günter Rössler war der bekannteste Aktfotograf in der DDR. Bis heute erhalten seine Fotografien von vielen
Seiten Zuspruch – gerade auch von Frauen.
Bild: Renate, 1969 (c) Günter Rössler Doch entstanden die Aktfotos zunächst nur als Nebenprodukt. Ursprünglich arbeitete Rössler vor allem im Bereich der Mode-, Werbe- und Reportagefotografie.
Bild: Berlin, 1966 (c) Günter Rössler Doch aus Experimentierfreude stand manches "Mannequin", wie man damals noch sagte, anschließend für ihn Akt.
Bild: Jutta, 1973 (c) Günter Rössler Rössler selbst nannte seine Fotomodelle stets "meine Mädchen". Die meisten von ihnen hat er selbst
entdeckt, auf der Straße oder auch im vorbeifahrenden Omnibus. Für ihn waren sie immer weit mehr als nur
Fotomodelle, nämlich starke Persönlichkeiten.
Bild: (c) Günter Rössler Günter Rössler: STARKE FRAUEN IM OSTEN - Fotografien 1964 bis 2009. Jaros Verlag. € 19,99. Broschur, 120 Seiten.
137 Fotos im Duplexdruck
Großformat: 24 x 29,5 cm
Erschienen September 2012

Schwarz-Weiß und ohne Schnickschnack

Rössler aber stellte seine Modelle nicht zur Schau, offenbarte stattdessen deren weibliche Natürlichkeit - in Schwarz-Weiß und ohne Schnickschnack. Rössler interessierte immer auch der Mensch hinter dem Modell, und das wird auch bei seinen Aufnahmen deutlich.

Als unprätentiös, treffend und stilsicher würdigt ihn der Jaron Verlag, der im vergangenen Herbst noch den neuen Rössler-Fotoband "Starke Frauen im Osten" mit Bildern aus der Zeit von 1964 bis 2009 herausgebracht hatte (siehe Fotostrecke). Ein Meister seines Faches mit einem untrüglichen Gespür für zeitlose, natürliche Ästhetik, urteilt die Eulenspiegel-Verlagsgruppe.

Der Dokumentarfilm „Die Genialität des Augenblicks“ beleuchtet die sieben Jahrzehnte Rössler-Fotografie und lässt auch den Künstler selbst zu Wort kommen. Rössler erscheint dort ausnahmsweise vor der Kamera, die Arbeit dahinter aber hat er auch nie aufgegeben. „Es macht mir nach wie vor Spaß, warum soll ich aufhören“, hatte er Ende 2010, kurz vor seinem 85. Geburtstag, gesagt.

FKK-Welle

Rössler hatte zu Zeiten der deutsch-deutschen Teilung die Freizügigkeit als Sinnbild der kollektiven FKK-Welle ins Bild gerückt, war aber auch einer der wichtigsten Modefotografen der DDR. Seine Ehefrau Kirsten Schlegel hatte einst selbst für ihn posiert. Dauerhafte Berühmtheit erlangte er vor allem mit den Aktaufnahmen im Magazin und den regelmäßigen Veröffentlichungen in der Modezeitschrift Sibylle. Abertausende Negative und Papierabzüge lagerten in Rösslers Archiv.

Die Arbeit in der Dunkelkammer fiel Rössler zuletzt schwer, doch er blieb der Analogfotografie treu. Ebenso seinem seit Jahrzehnten unveränderten Stil: „So wie ich glaube, fotografieren zu müssen, habe ich es bis heute durchgehalten“, sagte er damals zu seinem runden Geburtstag. Und wenn der „Playboy“ noch einmal anriefe wie in den 1980er-Jahren? „Wenn die Redaktion mit der gleichen Euphorie und Begeisterung wie damals dabei wäre, würde ich es machen.“

Fotografierte bis zu seinem Tod

Rösslers Wirken erstreckte sich über Jahrzehnte, bis zu seinem Tod blieb er der Fotografie treu. Rössler hatte Fotografie studiert und seit Anfang der 1950er-Jahre freiberuflich als Fotograf gearbeitet. Mehr als 50 Jahre und bis zu seinem Tod lebte er in Markkleeberg am Rande seiner Geburtsstadt Leipzig. Seine Ehefrau Kirsten Schlegel hatte einst selbst für ihn Modell gestanden, später wurde sie seine Assistentin.

(dpa / tem) Erstellt am
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