Für den eben eröffneten Zubau des „San Francisco Museum of Modern Art“ (SFMOMA) plante das Büro Snøhetta u.a. eine begrünte Fassade

© EPA/JOHN G. MABANGLO

Museen
05/31/2016

Grünes Museum: Kunst macht Freude - und Mist

Der Kulturbetrieb entwickelt langsam Öko-Bewusstsein. Klare Standards fehlen noch

von Michael Huber

„Die Integration von Nisthilfen für Mehlschwalben, Mauersegler, Turmfalken und Fledermäuse im Bauwerk wird begrüßt.“ Diese Passage stammt nicht aus dem Werbefolder eines Zoos, sondern aus der Ausschreibung zum Umbau des Wien Museums, das bald eine der großen Kulturbaustellen Österreichs sein wird.
Museen sind weithin sichtbare Bauten, Architekten und Touristiker schmücken sich mit ihnen. Dennoch waren Ökologie und Nachhaltigkeit lange Stiefkinder einer Debatte, in der es um immer größere Kunstwerke, Schauräume und Markenzeichen-Qualitäten ging. Das ändert sich nun – wobei Fledermäuse und Turmfalken nicht die größte Sorge der Planer darstellen.

„Die ökonomische Dimension ist in Zeiten leerer Haushaltskassen und gleichbleibender, wenn nicht reduzierter staatlicher Fördermittel zwingend mitzudenken“, sagt Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien und Vorsitzende des Österreich-Ablegers der internationalen Museumsvereinigung ICOM. Geringerer Ressourcenverbrauch, etwa bei Klimatisierung und Licht, spart Kosten; dazu gelte es, vom Ausstellungsaufbau bis zum Kunsttransport Material und Energie zu sparen. Auch die Erreichbarkeit eines Museums mit Öffis ist ein Faktor.

Ziele im Konflikt

Idealerweise sollten derlei Faktoren bereits beim Bau eines Museums definiert werden, erklärt der Museumsplaner Dieter Bogner, der u. a. auch das neueKunstmuseum Krems, das derzeit errichtet wird, berät. In der Praxis gehen die Vorstellungen von Architekten, Konservatoren und Politikern aber oft auseinander, weiß Bogner. Er nennt den Konflikt zwischen offenen, einladenden Museumsbauten und fensterarmen Kunst-Trutzburgen als Beispiel: „Bin ich offen, habe ich technische Probleme. Bin ich ökologisch bewusst, habe ich Barrieren.“ Die einst so schicken verglasten Kunsttempel, so Bogner, seien heute jedenfalls „out“.

Obwohl sich zahlreiche Baunormen etwa mit Klimaeffizienz befassen, sind spezielle Umweltstandards für Museen und Ausstellungshäuser derzeit noch Mangelware. Bettina Leidl, die Direktorin des KunstHausWien, stieß dazu eine Debatte an – schließlich entwarf der Patron ihres Hauses, Friedensreich Hundertwasser, einst das Logo des „Österreichischen Umweltzeichens“. Im Herbst sollen nun Vertreter maßgeblicher Einrichtungen zusammentreffen, bis Ende 2017 will man konkret an Kriterien für ein Museums-Umweltzeichen arbeiten. Für „Grüne Events“ gibt es dieses schon – der Song Contest 2015 war ein Beispiel.

Signalwirkung

Auch wenn der Kulturbetrieb etwa im Vergleich zur Schwerindustrie vergleichsweise wenig Öko-Müll produziert, sei doch sein Einfluss nicht zu unterschätzen, sagt Regina Preslmair, die im „Ministerium für ein Lebenswertes Österreich“ (vulgo Landwirtschaftsministerium) für die Vergabe des Umweltzeichens zuständig ist. „Der Hebel in Richtung Bewusstseinsbildung ist im Kulturbereich sehr stark, weil viele Menschen als Mitarbeiter und als Publikum beteiligt sind“, sagt Preslmair.

Auch andere Kultur-Sparten zeigten bereits Interesse an einer Durchleuchtung ihrer Arbeitsprozesse – die Firma „Superfilm“ etwa entwickelte Kriterien für „Grüne Filmproduktion“ und drehte einen „klimaneutralen“ ORF-Landkrimi („Höhenstraße“ ) als Pilotprojekt. Gerade in der Überschaubarkeit der Kulturzene in Österreich, sagt Preslmair, liege eine Qualität: „Es ist einfach, alle an einen Tisch zu bekommen. Wir haben die Chance, gemeinsam Vorzeigeprojekte zu schaffen.“

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