Grossstadtgeflüster aus Berlin wollen keine Pläne für die Zukunft machen.

© /Kai Müller

Interview
02/13/2016

Lieber freie Kunst als großes Kapital

Am 13. 2. zelebrieren Grossstadtgeflüster am Hauser Kaibling den Ferienbeginn.

von Brigitte Schokarth

Zehn Meter über dem Lido, einem Club in Berlin, steht es an eine Wand gesprayt: "Fickt-Euch-Allee". Aber das, beteuert die Elektro-Pop-Band Grossstadtgeflüster, war nicht die Inspiration hinter ihrem gleichnamigen Hit.

"Wir sind zehn Jahre lang dran vorbeigelaufen und haben keinen Songtitel darin erkannt", erzählt Keyboarder Raphael Schalz im Interview mit dem KURIER. "Als Jen der Song eingefallen ist, kam uns das schon bekannt vor. Aber woher, ist uns erst später aufgefallen."

Keinen Bock

Jen Bender, die Frontfrau des Trios, schreibt die Songs und kam auf den Titel, als ihr zu viele Besserwisser um sie herum auf die Nerven gingen: "Natürlich hat das mit unserer eigenen Geschichte zu tun. Aber ich glaube, jeder, der einen Vorgesetzten oder eine Scheiß-Schwiegermutter hat, kann nachvollziehen, dass man manchmal keinen Bock auf Input hat."

Für Grossstadtgeflüster kam die Pfeif-Drauf-Haltung durch die Situation rund um das vorige Album der 2003 in Berlin gegründeten Band. "Da waren wir bei einem Major-Label", sagt Drummer Chriz Falk. "Aber es steht uns nicht, wenn man viel Geld in uns hineinsteckt, weil daran werden auch Erwartungen geknüpft. Zwar hat uns nie jemand vorgeschrieben, was wir musikalisch tun müssen. Aber uns steht es besser, wenn wir selbst die Kontrolle haben, klein, wendig und spontan bleiben. Kunst und Kapital verstehen sich nicht gut."

Das beste Beispiel dafür, sagt Bender, sei die Tatsache, dass "Fickt-euch-Allee" – gegen gängige Business-Annahmen – ein Hit geworden ist: "Da hätte ein Major-Label gesagt, ein Song mit dem F-Wort geht nicht als Single, weil er nicht im Radio gespielt wird. Wir sagen: ,Der verkörpert unser Lebensgefühl gerade am besten. Deshalb ist uns egal, ob er im Radio gespielt wird, oder nicht!’"

Er wurde im Radio gespielt. So häufig, dass sich Grossstadtgeflüster Gedanken darüber machen, falsch verstanden zu werden. "Man kann das Lied nicht auf alle Situationen beziehen. Wir sind keine Band, die so etwas im sozialen Umgang sagen würde", merkt Schalz an. Und Bender erklärt: "Es geht um das Individuum. Darum, dass man sich für sein Leben und seine Karriere immer wieder fragen sollte: Wo bin ich? Wo will ich hin, wo will ich nicht dazugehören? Und das unbeeinflusst beantwortet."

Konträr

Veröffentlicht wurde "Fickt-euch-Allee" auf einer gleichnamigen EP mit dem Zusatztitel "Episode 1". "Episode 2" soll noch heuer veröffentlicht werden. Mehr wollen Grossstadtgeflüster zu Zukunftsplänen nicht sagen. Denn es gibt keine. Welche zu machen, wäre konträr zu der Attitüde, die sie mit ihrem Hit propagieren: "Wir wollen uns von allen Regeln lösen und aus dem Bauch heraus Musik machen. Und sie veröffentlichen, wie es uns passt."

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