Großes Kino für die Ohren

Startenor Rolando Villazón singt auf "La Strada" seine Lieblingsfilmsongs und ist dabei erfreulich unpeinlich.
Foto: rts

Startenor Rolando Villazón zeigt mit "La Strada - Songs from the Movies", dass Crossover nicht nur peinlich sein muss.

Eine Bemerkung vorweg: Diese CD-Einspielung wird die Hörer in zwei Lager spalten. Hinreißend werden die einen sagen, unnötig die anderen. Warum? Ganz einfach. Auf seinem neuen Album (Deutsche Grammophon) erobert Rolando Villazó n die Kinoleinwand. "La Strada - Songs from the Movies" nennt der mexikanische Startenor seinen vokalen Abstecher ins Crossover-Fach. Und tatsächlich: Villazón beweist Mut, sehr viel Mut. Denn fast alle der zwölf - auf eine CD gehen eigentlich mehr als nur knappe 45 Minuten drauf - Songs sind echte Klassiker, wurden von Legenden interpretiert. Da ist das Scheitern vorprogrammiert. Sollte man meinen.

Wahrhaftig

Ja, Villazón scheitert. Natürlich. Das muss er fast bei diesen Originalinterpreten. Aber: Villazón scheitert auf einem so hohen, so ehrlichen, so sympathischen Niveau, dass die eher peinliche Tourismus-Werbung seiner letzten Platte ("Mexico!") in Vergessenheit gerät. Denn der Tenor macht erst gar nicht den Fehler, besser als eine Barbra Streisand oder eine Edith Piaf sein zu wollen. Villazón ist Villazón: Wahrhaftig, authentisch und stimmlich extrem charismatisch.

Was also hört man auf "La Strada"? Natürlich den Song "Travelling Down a Lonely Road" aus Federico Fellinis gleichnamigen Klassiker. Aber auch "She" aus dem Film "Notting Hill", "Smile" aus Charles Chaplins "Modern Times" oder "The Windmills of Your Mind" aus "The Thomas Crown Affair".

Mutig

Villazón singt all die erwähnten Nummer gut, er nimmt sich zurück, stellt seine schöne Stimme ganz in den Dienst der Songs. Fast noch besser ist Villazóns Interpretation aber dort, wo er sich mit ganz großen Vorbildern messen muss. Etwa bei "A Piece of Sky" aus Streisands "Yentl" und bei "Non, je ne regrette rien" aus dem Piaf-Film "La Vie en Rose". Hier erzielt der Tenor eine
gänzlich unopernhafte, unpathetische, stets unkitschige, dabei extrem atmosphärische Tiefenwirkung. Schön auch "When You Wish Upon A Star" aus "Pinocchio", "The Summer Knows" aus "Summer of '42" oder "Rainbow Connection" aus "The Muppet Movie". Dazu kommen noch "Autumn Leaves" , "Al otro lado del rio" sowie "Dear Father - Be - Lonely Looking Sky" aus "Die Möwe Jonathan", also der Neil-Diamond-Hit.
Die Arrangements sind teils Geschmacksache, das Prager Philharmonische Orchester und Pianist Steven Baker sowie Gitarrist Ian Stephenson geben ihr Bestes, um dieses Wohlfühl-Album anhörbar zu machen.

(kurier) Erstellt am
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