Schaukasten mit Originalmodellen von Raumschiffen in "Star Wars Identities", bis 16.4.2016, MAK Wien

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Ausstellung
12/18/2015

Sinnstiftung auf dem Sternenkreuzer

Die Wanderausstellung "Star Wars Identities" propagiert George Lucas' Mythen-Mix als Erkenntnismodell.

von Michael Huber

Vergessen Sie Kunst, Religion, Philosophie: Für alle Bedürfnisse, die einst von diesen recht umständlichen Erfindungen befriedigt wurden, gibt es jetzt „Star Wars“.

Diese Erkenntnis ist nicht neu, viel Literatur wurde über den „Mythos unserer Zeit“ schon produziert. Doch die WanderausstellungStar Wars Identities“, die rechtzeitig zum Start des Blockbusters im Wiener MAK Einzug hielt (Laufzeit bis 16.4.2016), führt den welterklärerischen Anspruch von George Lucas’ Kreation besonders klar vor Augen – und auch die Einfalt, die damit einhergeht.

Requisiten und Daten

Man wollte sich nicht mit einer Requisitenausstellung begnügen, sagt Sophie Desbiens vom Veranstalter „X3“, der bei Stationen in Kanada, Paris und und Köln bereits 1,2 Millionen Besucher verbuchen konnte. Im MAK erhält jeder Besucher, jede Besucherin nun also ein Armbändchen, das an zehn Stationen gescannt werden kann. Dort erfährt man holzschnittartig, was eine Identität formt – die Gene, das Umfeld, Traditionen. Illustriert wird dies mit Ausschnitten aus „Star Wars“-Filmen. Auf Touchscreens absolviert man dann Psycho-Tests, am Ende entsteht ein „eigener“ Star Wars-Charakter (Ihr Rezensent ist ein Wookiee mit hohem Intellekt und Musikbegabung.)

Dass die Ausstellung ein großes Datenbeschaffungsunternehmen darstellt, sei bloß angemerkt: Die Veranstalter versichern zwar, die Mailadresse, an die am Ende ein Link zur kreierten Figur gesendet wird, nicht zu speichern; spätestens, wenn man die Figur online teilt, ist die Verbindung zur eigenen Identität aber hergestellt.

Der Ausstellungsparcours selbst folgt dem Muster der „Heldenreise“, der universellen Entwicklungsgeschichte, die George Lucas’ große Inspirationsquelle Joseph Campbell aus zahllosen Mythen destillierte. Der Weg führt an tollen Original-Kostümen, Modellen und Zeichnungen vorbei: Wer mit „Star Wars “ groß geworden ist, kann sich dem Zauber dieses postmodernen Reliquienkults schwer entziehen.

Mythos & Museum

Dennoch stimmt derlei Selbstmusealisierung nachdenklich: Denn nur weil die Muster und Figuren universell sind, bedeutet das nicht, dass die ganze Welt sich mit ihnen als Kulturgut begnügen muss. Die „Star Wars“-Welt ist ein kleinster gemeinsamer Nenner, einige der zitierten Identitätsfaktoren – lokale Traditionen, konkurrierende Erklärungsmuster – kommen in ihr gerade nicht vor. Um ihnen auf die Spur zu kommen, könnte man ein „echtes“ Museum besuchen, etwa das MAK. Besucher bis 19 Jahren kommen gratis hinein, Erwachsene müssen leider auf den saftigen Ticketpreis von „Star Wars Identities“ (Mo-Fr 21,95€, Sa-So 24,95€, Familien pro Person 17,50€/Sa-So 19,50€) noch fünf Euro aufzahlen.

George Lucas, Museumsgründer

Die Ausstellung "Star Wars Identities" wird zu großen Teilen aus der Sammlung des "Lucas Museum of Narrative Art" in Chicago bestückt - einem Museum, das derzeit noch gar nicht erbaut ist, aber ab 2018 zu einer Attraktion von Chicago werden soll.

Anders als man vermuten könnte, handelt es sich dabei nicht um ein "Star Wars-Museum", wie Laela French, die Chefin der "Lucasfilm Archives", bei ihrem Besuch in Wien betont. Denn George Lucas ist auch ein großer Sammler von Fotografien, Illustrationen und kommerzieller Kunst. Er gehört zu den größten Sammlern von Werken des MalersNorman Rockwell, (1894 - 1978), der wie wenige andere die schönen, glänzenden - und biederen - Seiten des "American Way of Life" in Bilder fasste.

Mit seinem Museum will Lucas dieser populären, aber von der etablierten Kunstwelt meist gemiedenen Anti-Avantgarde zu neuem Glanz verhelfen. Das Chinesische Architektenteam MAD wurde mit der Planung des neuen Gebäudes beauftragt, das neben Gemälden, Zeichnungen und Fotografien aus der Filmwelt natürlich auch Star-Wars-Relikte beherbergen wird.

Der Umstand, dass reiche Sammler mithilfe eigener Museen ihre favorisierte Kunstrichtung fördern, ist nichts Neues, und wird auch häufig kritisiert. In vielen Fällen (etwa der Sammlung des Christie's-Inhabers Francois Pinault) decken sich die Sammlungen aber mit einem Kunst-Mainstream, der im globalen Museums- und Auktionsgeschäft ebenfalls präsent ist.

Auch für Künstler wie Rockwell werden Spitzenpreise bezahlt - das Gemälde "Saying Grace" (Tischgebet) erreichte 2013 mit 46 Millionen US-Dollar 2013 einen Rekord. In der Kunstgeschichtsschreibung trägt Rockwell aber noch immer den Mief eines Kitsch-Künstlers. Es bleibt abzuwarten, ob George Lucas dies ändern kann.

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