Kultur
16.08.2017

Große Oper, kleine Geister

Analyse: Wie die Arenaria GmbH massiv Druck macht, um für die touristischen Produktionen im Römersteinbrauch St. Margarethen Kulturförderung zu bekommen.

Darf man als Kulturveranstalter Subventionen erpressen? Und darf sich die öffentliche Hand dagegen wehren? Diese Frage wird eifrig diskutiert, seit die Arenaria, die im Römersteinbruch von St. Margarethen Opernspektakel realisiert, auf Konfrontationskurs mit dem Land Burgenland ging.

Die zu den Esterhazy-Stiftungen gehörende GmbH hatte für 2015 und 2016 jeweils eine halbe Million Euro an Kulturförderung beantragt. Doch das Land lehnte die Ansuchen ab. Daraufhin klagte die Arenaria, da man sich gegenüber anderen Veranstaltern benachteiligt fühlte. Das Land argumentierte, dass die Summen die Budgetmittel überstiegen hätten – und verlor in erster Instanz.

Wer will es dem Land verdenken, wenn es sich nun stur stellt – und auf das neue Ansuchen (für "Der Troubadour" im kommenden Jahr) nicht in der Sekunde reagiert? Denn das Gießkannenprinzip, also die gleichmäßige Verteilung des Steuergeldes, kann zwar ein politisches Instrument sein, aber die Kulturpolitik sollte trotzdem entscheiden dürfen, welche Schwerpunkte sie setzen will.

Die Arenaria setzte aber dreist ein Ultimatum: Man habe, sagte Direktor Karl Wessely, Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) am 12. Juni einen Brief geschrieben – und binnen sechs Wochen eine Antwort erwartet. Da diese nicht kam (beziehungsweise in einer derart kurzen Zeit gar nicht nicht kommen kann), bringt man den "Troubadour" nicht zur Aufführung. "Das Zeitfenster ist zu, die Option ist vorbei und 2018 wird nicht gespielt."

Keine Gründe für eine Subvention

Wessely sagte zudem: "Wir werden ganz eindeutig geschnitten." Denn: "Nicht ein einziges Mal waren der Kulturlandesrat und der Landeshauptmann bei uns. Und das sind natürlich schon sehr starke Signale, die sich natürlich letztendlich auch im Kartenverkauf bemerkbar machen."

Wäre der Besuch der Politspitze ein Kriterium, das Wiener Rathaus wäre längst unter einer Klagsflut begraben: Den Bürgermeister sieht man so gut wie nie im Theater. Und es käme auch kein Mensch auf die Idee, dass dessen Fernbleiben einen Einbruch im Kartenverkauf nach sich ziehen könnte.

Der Absage schickte die Arenaria eine weitere Aussendung hinterdrein: Die Gründe lägen "in der andauernden breiten Behinderung dieses einzigartigen Schauspiels durch die lokale Politik". Die zitierten Betroffenen sind durch die Bank Tourismusbetriebe, die "von den Festspielgästen" leben.

Ja, vielleicht ist die Absage ein "großer Schaden für alle Beherbergungsbetriebe rund um den See", ja, vielleicht droht jetzt "eine Stornowelle". Doch das sind noch lange keine Gründe für eine Kultursubvention.