„Franz. Ein Traumspiel“: Martin Fournier

© Oper Graz

Die ständige Suche nach Neuem
05/08/2014

Die ständige Suche nach Neuem

Vier unterschiedliche, ideenreiche Opernaufführungen an einem Abend auf der Studiobühne.

Uraufführungen von Opern sind heute rar geworden. Umso erfreulicher, dass man vier neue Kurzopern von verschiedenen Komponisten (Studenten der Grazer Kunstuni – KUG), mit unterschiedlichen Ansätzen an nur einem Abend auf der Studiobühne der Oper Graz, die diese Kooperation mit der KUG eingegangen ist, erleben kann.

Dieses langjährige Projekt hat sich zweifellos gelohnt. Denn vorweg kann attestiert werden, dass alle Jungtonschöpfer sehr innovative, atmosphärische, polystilistische, teils experimentelle Ideen und kompositorisch handwerklich eine hohe Reife aufweisen.

"Du warst in jeder Hinsicht übergroß": So beschreibt in " Franz, ein Traumspiel" (Libretto: Wolfgang Hofer nach Kafka) der Sohn Franz Kafka (exzellent: Martin Fournier) seine Furcht gegenüber seinem übermächtigen Vater (dominant: David McShane). Dazu sitzt er auf einem überdimensionalen Stuhl und Tisch. Sauber singt auch der sechsstimmige Chor. Dazu hat der Taiwanese Wen-Cheh Lee musikalische Bruchstücke mit Intervallreibungen bis zur Schrillheit geschaffen.

Bohrende Innenschau

In "Hystèra" (basierend auf einem Gedicht von Sophie Reyer) spricht eine duale, gespaltene Frau, die von einer Sopranistin (die extremen Intervalle werden von Shirin Asgari mit Bravour bewältigt) und einer Schauspielerin (Gina Mattiello) repräsentiert wird, mit ihrem Sohn. Es ist eine Innenschau ihrer Seele ohne Lösungen. Die Musik des Griechen Zesses Seglias ist kräftig und bohrt sich ins Hirn mit auf- und abschwellenden Klängen und jähen Ausbrüchen.

Mit der Urangst des Menschen, der Himmel könnte ihm auf den Kopf fallen, beschäftigt sich "Die weiche Mondin" der Japanerin Yukiko Watanabe (Libretto: Wolfgang Hofer nach Italo Calvino) und ständigen Animationszeichnungen von Daisuke Nagaoka auf einem Monitor. Es ist eine Schilderung der Atmosphäre der zerbrechlichen, chaotischen Großstadt Tokio, wobei ihre Musik eher beschreibenden Charakter aufweist und den Stimmen den Vortritt lässt. Die sich schlafwandlerische bewegende Sopransolistin Avelyn Francis bewältigt dabei die kaum singbaren Spitzentöne glockenrein.

Freie Montage

Eine sehr freie, absurde Montage von Giuliano Bracci kafkaesker Versatzstücke, unbekümmert ins Italienische übersetzt, zeigt "K. Frammenti dell’attesa", in der keine lineare Geschichte stattfindet. Es ist eher eine Folge von Situationen, die von einem ungeklärten Gefühl des Erwartens gekennzeichnet sind. Tatjana Miyus (Sopran) und Ivan Orescanin (Bariton) singen exzellent, die Schauspieler Gina Mattiello und János Mischuretz spielen ebenso.

Die Musik des Italieners Lorenzo Romano folgt einem kreisförmigen Rhythmus mit mechanischen, obsessiven, melodischen Linien und wirbelnden Crescendi, die zum Finale impressionistisch wird. Das Ensemble der KUG und das Klangforum Wien unter der Leitung von Staatspreisträger Beat Furrer, bei dem alle Komponisten studiert haben, spielen hochkonzentriert und auf höchstem Niveau.

Die Inszenierung der Opern besorgt Ernst M. Binder zurückhaltend und psychologisch choreografiert. Er sieht die ständige Suche als verbindendes Glied. Jubel! Reprisen: 9., 10., 11. Mai.

KURIER-Wertung:

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