Kultur 30.01.2012

Golden Globes: Hollywood-Hommage staubt ab

Bei den Golden Globes heimste der Favorit "The Artist" gleich drei Trophäen ein. Ausgezeichnet wurden außerdem Meryl Streep und George Clooney.

Er war der große Abräumer, und es war abzusehen. Michel Hazanavicius’ Stummfilm "The Artist" gewann am Sonntag in Los Angeles gleich drei Golden Globes. Der französische Schwarz-Weiß-Film, der fast ohne Worte auskommt, wurde als beste Komödie, für die beste Filmmusik und für die Leistung von Hauptdarsteller Jean Dujardin ausgezeichnet ("bester Schauspieler in einer Komödie"). Die Hommage an die Stummfilm-Ära Hollywoods, die am 27. Jänner bei uns ins Kino kommt, war mit insgesamt sechs Nominierungen als Favorit ins Rennen gegangen.

Die tragisch-komische Geschichte eines amerikanischen Stummfilmstars, der sich Ende der 1920er dem Übergang zum Tonfilm verweigert, galt schon bei seiner Premiere bei den Filmfestspielen von Cannes 2011 als Favorit. Ausgezeichnet wurde letztlich Jean Dujardin als bester Hauptdarsteller.

Eine ungewöhnliche Karriere: Dujardin – er war zuletzt bei uns im Kino in Guillaume Canets "Kleine wahre Lügen" zu sehen – machte zunächst als Stand-up-Comedian und später mit einer nicht gerade Kritikerpreis verdächtigen (Brachial-)Komödie Karriere: In "Brice the Nice" (2005) spielt er den vertrottelten Erben Brice Agostini, der auch mit Mitte dreißig nichts kann und nichts will außer surfen – aber das kann er auch nicht richtig. Die Komödie wurde zum Kassenschlager, Zitate aus den inhaltlich eher niedrigschwelligen Dialogen erreichten Kultstatus unter Frankreichs Teenies .

Auch in seiner ersten Zusammenarbeit mit Michel Hazanavicius, der James-Bond-Persiflage "OSS 117", zeigte Dujardin vor allem sein komödiantisches Talent und wurde dafür für die französische Filmauszeichnung "César" nominiert. In "The Artist" lässt Dujardin nun als trauriger Clown in die Abgründe hinter seinem breiten Grinsen blicken.

Hawaiihemd

Zweiter großer Gewinner der Globes ist Alexander Paynes "The Descendants": Das auf Hawaii spielende Familiendrama (Österreichstart: 27. Jänner) wurde als bestes Filmdrama und mit George Clooney (im geschmacksfragwürdigen Hawaiihemd) als bester Hauptdarsteller in einem Filmdrama ausgezeichnet.

Beste Schauspielerin in einem Filmdrama wurde Meryl Streep für ihre Darstellung der Margaret Thatcher im Biopic "The Iron Lady". Unter der Regie von Phyllida Lloyd, mit der sie bereits beim ABBA-Musical "Mamma Mia!" zusammengearbeitet hat, porträtiert Streep die erste Premierministerin Großbritanniens aus Sicht der von Altersdemenz geplagten Margaret Thatcher, die sich fortwährend mit dem Geist ihres längst gestorbenen Gatten unterhält. "Die Eiserne Lady" kommt Anfang März bei uns ins Kino.

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( Kurier ) Erstellt am 30.01.2012