Kultur
27.04.2017

Getanzte Utopie zur Musik von Beethoven

Beindruckende Tanz-Doku, nicht nur für Ballett-Fans.

In ihrem Film „Dancing Beethoven“ hat die spanische Regisseurin Arantxa Aguirre das Zustandekommen eines der atemberaubendsten Tanzstücke des 20. Jahrhunderts festgehalten: Gemeinsam mit dem Tokyo Ballett und dem Israel Philharmonic Orchestra - unter der Leitung des Star-Dirigenten Zubin Metha - wurde Maurice Béjarts legendäre Choreographie von Beethovens 9. Symphonie rekonstruiert.

Es ist knapp zwei Jahre her, seit es im überfüllten Eisstadion von Lausanne zuging wie in einem Pop-Konzert. Der Name Béjart füllte auch nach seinem Tod die Zuschauer-Tribünen. Der 2007 verstorbene Choreograf war ein Meister des Stilmix – er wusste, wie Ballett nicht nur bewegen, sondern auch unterhalten kann und scheute dafür auch vor großen Gefühlen und Kitsch nicht zurück.

Anfang der 1960er-Jahre hatte er in Havanna junge schwarze Tänzern gesehen, die ihn zu einem Ballettabend für universelle Nächstenliebe inspirierten. Nach Beethovens Musik und getanzt von Menschen verschiedener Ethnien. Béjarts Originalchoreografie, deren Rekonstruktion dieser Film begleitet, wurde zuletzt 1999 vom Ballett der Pariser Oper aufgeführt.

„Alle Menschen werden Brüder“, heißt es in Schillers „Ode an die Freude“, die Beethoven in seiner 9. Symphonie vertonte und die inzwischen zur Europa-Hymne wurde. In Zeiten von Flüchtlingsströmen und Fremdenhass wird „Dancing Beethoven“ zur getanzte Utopie. Ein Film nicht nur für Ballett-Fanatiker.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: CH/ES 2016. 79 Minuten. Von Aranxia Aguirre. Mit Malya Roman, Julien Favreau.

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