Wie lang noch reden in der Eden?

Eden Bar, Liliengasse, Wien…
Foto: /Georg Markus DieEden Bar in der Wiener Liliengasse

Wiens berühmteste Bar ist pleite. Erinnerungen an ein mehr als 100-jähriges Nacht-Leben.

Auf einmal sagt zu mir der Puntigam:"Sag’ was is wahr an dem Tamtam? Ich hab’ da sowas aufgefangen, Die Eden Bar ist pleite gangen. Drauf sag ich: "Es is nix passiert, Die Eden wird schon noch saniert." "Doch wer", sagt er, "soll das jetzt finanzieren?"

Der Papa wird´s schon richten, Das g’hört zu seinen Pflichten, dazu is er ja da...

Text frei nach Gerhard Bronner

Noch ist völlig offen, welcher Papa es richten soll, um die Eden Bar am Leben zu erhalten, nachdem die Wiener Institution diese Woche in die Insolvenz geschlittert ist. Auch wenn die große Zeit der Eden lange vorbei ist, ist sie durch die Stars, die hier auftraten, durch seine prominenten Besucher und vor allem durch das Chanson "Der Papa wird’s schon richten" unsterblich geworden. Jetzt hoffen viele, dass die Unsterblichkeit den Nachtklub auch wirklich vor dem Sterben bewahrt.Dass Helmut Qualtinger die Eden 1958 mit Gerhard Bronners Worten besang, hat viel dazu beigetragen, dass die "Tanzbar für die gute Gesellschaft" in der Liliengasse in der Wiener City zu einem Wahrzeichen wurde. Im Schatten des Stephansdoms gelegen, waren es Gäste von Billy Wilder über Yul Brynner bis Liz Taylor, die den Wienern nach dem Krieg zeigten, wo man sich bei gepflegter Livemusik im Sinatra-Sound entspannt unterhalten kann.

Die Watschenaffäre

Es ist aber auch so manche, einst Aufsehen erregende Geschichte, die die Eden Bar legendär werden ließ. Etwa die, als sich Curd Jürgens und seine damalige Frau Eva Bartok nach einem Streit in der Eden ein viel zitiertes Ohrfeigenduell lieferten. Oder die, als man Harald Juhnke als Stargast engagierte und das Personal anwies, ihn von alkoholischen Getränken jeglicher Art fernzuhalten. Was offenbar nicht gelang, da es ihn während seines Auftritts der Länge nach hinstreute.In die Schlagzeilen geriet die Eden schließlich auch, als Fernsehstar Ottfried Fischer auf den Plüschsofas der Bar über eine ehemalige Prostituierte stolperte und damit den Anfang vom Ende seiner Ehe einleitete. "Für ein paar aufregende Momente", bekannte er, "habe ich meine Familie zerstört – und mich selbst."

Eden Bar… Foto: /Eden bar Peter und Hilde Alexander

In der Eden reden

Doch nichts und niemand hat die Eden Bar so populär gemacht wie das Lied "Der Papa wird’s schon richten", das mit den Worten beginnt: "Da neulich, da sitz ma in der Eden und reden, der Gießhübel der Puntigam und i."Dem Lied war ein gewaltiger Politikskandal vorausgegangen, der von Qualtinger gleich in der ersten Strophe besungen wird: "Auf einmal sagt zu mir der Puntigam: ,Sag was is wahr an dem Tamtam? Ich hab’ da so was aufgeschnappt, du hättest einen Unfall g’habt?’ Drauf sag ich: ,Es is nix passiert, mein Porsche is schon repariert, nur leider is mir ein Passant, bevor er g’storben is einig’rannt …’"Ganz Wien wusste, dass damit der Sohn des damaligen Nationalratspräsidenten gemeint war, der einen Autounfall samt Fahrerflucht verursacht hatte, an dessen Folgen ein Fußgänger starb. Dass der Politikersohn dennoch seinen Führerschein behielt, wurde im Refrain so erklärt: "Der Papa wird’s schon richten, das g’hört zu seinen Pflichten, dazu ist er ja da..."Das Lied war ein fast noch größerer Skandal als die Fahrerflucht, weshalb Qualtinger und Bronner in der Eden Bar Lokalverbot erhielten. Viel später wurde das Chanson zu einer Art "Nationalhymne" der Eden – und das Lokalverbot dermaßen umgewandelt, dass Bronner und Qualtinger Ehrengäste wurden.

Zweites Wohnzimmer

Freilich ist die Eden viel älter als das Lied, das sie legendär machte. Die Autoren Christian Reichhold und Martin Niederauer fanden für ihr Buch "Die Eden, Eine Wiener Zeitgeschichte" heraus, dass das 1911 erbaute Haus Liliengasse 2 ursprünglich keine Bar, sondern ein Offizierscasino beherbergte, das aber bald zusperren musste, da die k. u. k. Leutnants an die Front mussten. 1919 gründete die Sängerin Emmy Stein jene Bar, die den Oberen Zehntausend zum zweiten Wohnzimmer wurde.Als Emmy Stein 1942 wegen "Umgangs mit Juden" und "Abhörens von Feindsendern" verhaftet wurde, geriet die Bar vorübergehend in die Hände eines NSDAP-Mannes. Nach dem Krieg fand Frau Stein in dem Geschäftsmann Gabor Kenézy einen Nachfolger, der ihr im Dezember 1953 die erste Rate der vereinbarten Leibrente in Höhe von 5000 Schilling überwies. Sie sollte auch die letzte sein, da Emmy Stein noch im selben Monat starb.

 Italienisches Feuer: Gina "La Lollo"<br />
AUFGRUND EI… Foto: FREMD/Eden Bar Schimanko mit Gina Lollobrigida

Nichts gerichtet

Ab 1978 war Heinz Werner Schimanko Besitzer der Eden Bar. Der Sohn einer Hausmeisterin hatte es zum Wiener Nachtklubkönig gebracht und seinen Aufstieg in Anspielung an den Bronner-Song so kommentiert: "Mir hat mein Papa nichts gerichtet." Schimanko war es auch, der die Bar durch clevere Vermarktung ihrer prominenten Gäste als Marke etablierte.

Strangers in the Night

Zu dieser Marke gehörten die Interpreten auf der kleinen Eden-Bühne, allen voran Liane Augustin, Georges Dimou und Franco Andolfo, die immer sehr genau wussten, welche Edelschnulze das Publikum gerade hören wollte: "Es gab Abende", hinterließ uns Andolfo, "da hab’ ich alle 20 Minuten ,Strangers in the Night’ gesungen".

Michaela Schimanko hat die Eden im Jahr 2005 übernommen. Jetzt will sie alles dafür tun, um die Bar am Leben zu erhalten. Einen Papa, der es richten kann, gibt es leider nicht mehr.

Prominente Gäste der Eden

Weltstars In kaum einem anderen Nachtklub verkehrte so viel internationale Prominenz wie in der Eden Bar. Im Gästebuch verewigten sich Liz Taylor, Omar Sharif, Tom Jones,  Curd Jürgens, Orson Welles, Harry Belafonte, Giuseppe di Stefano, Alain Delon, Romy Schneider, Yul Brynner, Anita Ekberg, Ella Fitzgerald, Jack Lemmon, Eddie Constantine, Richard Widmark, Melina Mercouri, Mario Adorf, Gina Lollobrigida.
Politik & Show: Ebenfalls gesichtet wurden Schah Reza Pahlevi, Franz Josef Strauß, Udo Jürgens Maximilian Schell, Hardy Krüger, Alice und Ellen Kessler, Thomas Gottschalk, Hildegard Knef. Wiener Größen Zur Wiener Prominenz in der Eden zählten Paula Wessely, Attila Hörbiger, Peter Alexander, Willi Forst, Johanna Matz, Ernst Waldbrunn, Marianne Mendt u. v. a.

(kurier) Erstellt am
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