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25.09.2017

Geschichte hautnah im Museum Niederösterreich

Stefan Karner hat im Auftrag des Landes Niederösterreich das neu eröffnete Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich konzipiert. Erfahren Sie mehr und gewinnen Sie 5 Museumspakete mit je 2 Eintrittskarten und Goodies.

Im Interview spricht der Historiker darüber, was Museen für die Besucher leisten sollen, und was das mit Demokratie zu tun hat.

KURIER: Sie haben bis 2006 mit anderen ein Konzept für das Haus der Geschichte der Republik entwickelt. Es wurde nicht realisiert. Konnten Sie Teile weiterverwenden? Denn auch das Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich steht auf den Säulen "Ausstellungen, Service, Forschung".

Stefan Karner: Nicht wirklich. Der Schwerpunkt für dieses österreichische Zeitgeschichtemuseum lag auf der Zeit ab 1918. Im Jahr 2013 hat der damalige Landeshauptmann Erwin Pröll die Idee für ein Haus der Geschichte aufgegriffen. In St. Pölten beleuchten wir eine sehr lange Zeitspanne – mit dem Fokus ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, wir zeigen (Nieder-)Österreich in Beziehung zum zentraleuropäischen Raum. Was es aber weiterhin gibt, sind die drei Säulen: die Ausstellungen, die angewandte Forschung und die Servicefunktion. Menschen, Institutionen, PolitikerInnen und JournalistInnen können sich mit historischen, aber auch personenbezogenen Fragen an uns wenden, wir vernetzen sie mit bestehenden Einrichtungen.

Der Ansatz, nicht streng chronologisch vorzugehen, sondern Themenschwerpunkte zu setzen, ist neu?

Völlig neu. Wir beschäftigen uns mit mehr als zwei Jahrtausenden. Wenn die Ausstellung chronologisch angelegt wäre, würden die BesucherInnen spätestens im Jahr 1500 müde sein. Aus dieser trivialen Feststellung heraus haben wir die Idee entwickelt, die Dauerausstellung zu portionieren. Man kann sich also bei jedem Besuch einem anderen Thema widmen. Und wir bieten zusätzlich eine App an. Das Handy führt die BesucherInnen zu jenen Objekten, für die sie sich ganz besonders interessieren.

Ihr wichtigstes Anliegen?

Dass die historischen Entwicklungen nachvollziehbar werden. Komplexe Sachverhalte muss man vereinfachen – darf sie dabei aber nicht verfälschen.

Das Kapitel "Gleichschritt" beschäftigt sich mit dem Totalitarismus. Und daher auch mit dem Austrofaschismus.

Ingeborg Bachmann hat gesagt: "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar." Der Auftrag war: Macht ein gutes Museum! Es hat nie den leisesten Versuch gegeben, irgendetwas zu beeinflussen. Wir zeigen Engelbert Dollfuß daher so, wie er war – in seiner Vielschichtigkeit. Es ist völlig klar: Im März 1933 wurde die Demokratie von ihm mit einem "Geschäftsordnungstrick" eliminiert. Und am 1. Mai 1934 verkündete Dollfuß die autoritäre Verfassung des "christlichen, deutschen Ständestaates". Damals gab es in Europa einen Zug hin zu faschistischen Regimen. Auf der anderen Seite hat Dollfuß – mit völlig untauglichen Mitteln – versucht, den Nationalsozialismus zu bekämpfen. Er wollte, wie er es selber sagte, die "Nazis überhitlern", sie in den Symbolen perfekt kopieren. Die OSS, die "Ostmärkischen Sturmscharen", hatten derart dunkelblaue Uniformen, dass man sie praktisch nicht von den schwarzen Uniformen der SS unterscheiden konnte. Oder: Hitler war "Führer und Reichskanzler", Dollfuß "Frontführer und Bundeskanzler". Zweifellos war er ein Nazi-Gegner und 1934 auf Weisung aus Berlin im Amt ermordet.

Was dazu führte, dass Dollfuß von den Bürgerlichen als Märtyrer verehrt wurde. Bis vor Kurzem hing dessen Porträt im ÖVP-Parlamentsclub. Auf Betreiben von Altlandeshauptmann Pröll ist es nun ein Exponat im Haus der Geschichte.

Ich habe das unterstützt. Denn das Porträt wird nicht im Keller verräumt, wir zeigen es her, und man kann auch über den Dollfuß-Kult diskutieren. Aber wir zeigen auch, wie es so weit kommen konnte. Ab einem gewissen Moment hatte die Demokratie über Parteigrenzen hinweg zu wenig Unterstützer. Unsere Botschaft lautet daher: Wir müssen täglich für die Demokratie einstehen! Wir müssen täglich für sie kämpfen!

Das Haus der Geschichte ist kein klassisches Museum, es hat keine eigene Sammlung, es will zum Nachdenken animieren. Wird daher auch die derzeitige Situation in Europa, die Aufgabe der Demokratie in der Türkei, in Ungarn und Polen, beleuchtet?

Wir haben darüber im wissenschaftlichen Beirat diskutiert. Und wir haben die Aktualität etwa im Bereich der Migration sehr befürwortet, doch nicht in allen anderen Bereichen. Die BesucherInnen soll auf Basis der historischen Darstellung selber Schlüsse ziehen. Wir kauen also nicht alles vor.

Und bei der Migration?

Wir zeigen, dass der zentraleuropäische Raum seit jeher ein Migrationsgebiet ist: Es kamen die Skythen, die Kelten, die Römer, die Langobarden, die Hunnen. Wir zeigen die Migrationsströme – und man sieht: Die Menschen in diesem Lebensraum wurden andauernd bedrängt. Wir zeigen zudem, wie man sich geschützt oder auch nicht geschützt hat. Und man sieht: Schutzwälle, tatsächliche oder im übertragenen Sinn, hatten immer nur eine temporär begrenzte Wirkung. Gültig ist in der Migrationsfrage das Prinzip der kommunizierenden Gefäße. Hinzu kommt in der heutigen Zeit der Klimawandel. Er macht einen Stopp der Migration aus moralischen Gründen nicht mehr vertretbar. Wenn einem Menschen die Lebensgrundlagen entzogen werden, wenn er nichts zu trinken hat, dann habe ich keine ethische Rechtfertigung mehr, ihm das Wasser vorzuenthalten.

Die Dauerausstellung erstreckt sich über 2200 Quadratmeter. Ist das Haus der Geschichte zu klein dimensioniert?

Nein. Es macht nicht die Masse, es geht ja um Reduktion. Man muss die typischen Gegenstände für eine Entwicklung zeigen. Wir handeln z. B. das Thema Flucht und Vertreibung mit zwei Kinderwägen ab: Einer stammt vom Brünner Todesmarsch 1945, der andere vom Flüchtlingsstrom 2015. Zudem zeigen wir einen Wachturm der CSSR und ein Fluchtflugzeug. Diese beiden Objekte werfen Schatten – und diese Schatten sind Projektionsflächen für weitere Bilder.

Ihre Arbeit ist jetzt, mit der Eröffnung, beendet?

Zusammen mit Wolfgang Maderthaner, dem Generaldirektor des Staatsarchivs, stand ich dem wissenschaftlichen Beirat vor, der seine Tätigkeit bereits eingestellt hat. Mich bat man, das Haus bis 31. Dezember zu leiten. Denn es wird vielleicht nicht nur Lob, sondern auch Kritik geben. Über vieles kann, ja muss man diskutieren. Ich stehe zu dem, was wir gemacht haben. Und wenn irgendwelche Fehler passiert sein sollten, werden wir sie ausbessern. Das Haus der Geschichte ist eben ein diskursiver Ort – und kein fertiges Museum: Hier wird Geschichte nicht festgeschrieben, nicht einbetoniert. Die neue Direktion wird andere Schwerpunkte setzen. Denn jede Zeit schreibt Geschichte neu.

Infos: Haus der Geschichte St. Pölten

Das Haus der Geschichte erstreckt sich im Museum Niederösterreich im Kulturbezirk St. Pölten auf rund 3.000 km². Die Dauerausstellung wird um Schwerpunktausstellungen ergänzt. Die erste Schau (bis 24. März 2019) unter dem Titel "Die umkämpfte Republik" widmet sich der Zeitspanne vom Zerfall der Monarchie 1918 bis zum "Anschluss" ans Deutsche Reich 1938. Die Öffnungszeiten und Preise finden Sie auf www.museumnoe.at/de/haus-der-geschichte/.

Der Historiker Stefan Karner, Jahrgang 1952, ist Vorstand des Instituts für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte der Uni Graz und Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung.

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