Kultur
18.01.2012

Gelungener TV-Film mit Katastrophen-Titel

Eine Katastrophe von einem Titel. „Das Wunder von Kärnten“ (20.15 Uhr, ORF 2 ) impliziert Kitsch und weckt falsche Erwartungen. KURIER hat den Film vorausgesehen.

Der Film nach einer wahren Begebenheit von 1998 handelt nicht von einem Wunder, sondern von der großartigen Arbeit eines Ärzteteams am Kärntner Landeskrankenhaus. Das ein Kind gerettet hat, dessen Herz bereits eine halbe Stunde stillstand, nachdem das Mädchen in einen Teich gefallen war. Die heute 17-Jährige überlebte ohne Folgeschäden. Der Boulevard sprach damals von einem „Wunder“. Der Titel wurde nun für den TV-Film übernommen, in dem Andreas Prohaska („Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“) jene Nacht beschreibt, in der das Team um Oberarzt Markus Höchstmann (Ken Duken) die vierjährige Katharina (Sara Wogotai) rettet.

Besonders authentisch

Der Horrorfilm geübte Regisseur beginnt genretypisch mit einer Idylle: Die kleine Kathi spielt auf einer Butterblumenwiese, während ihre Eltern (großartig Gerti Drassl und Gerhard Liebmann) in Stall und Küche arbeiten. Das Unglück kündigt sich auf auditiver Ebene an: Ein immer lauter werdendes Pochen ist wahrzunehmen, ein Herzschlag. Die Eltern finden das Kind im Teich. Dramatische Szenen, die durch die sparsam eingesetzte Handkamera besonders authentisch wirken.

Der Großteils des Films ist eine Art Kammerspiel im Operationssaal, wo ein Ärzteteam mit Entscheidungen ringt, wie und ob das Kind zu retten ist. Der junge Oberarzt hat noch nie ein Kind operiert, und selbst wenn er es schafft, ist das Ausmaß der Hirnschädigung nicht abzusehen. Er wolle sich profilieren, werfen ihm die Kollegen vor. 15 Stunden lang kämpft er um das Leben seiner Patientin. Der damals behandelnde Arzt Markus Thalmann war Berater bei den Dreharbeiten, trainierte die Schauspieler vor Ort. Das Kind im OP ist übrigens eine Puppe.

Vorausgesehen

Das eigentliche Wunder an diesem Film: Er spielt hauptsächlich im OP und man weiß, es wird gut ausgehen. Trotzdem bleibt er jede Sekunde spannend. Das hat viele Gründe: Das gelungene Drehbuch (Christoph Silber, Thorsten Wettcke), die tolle Besetzung – allen voran Gerti Drassl und Gerhard Liebmann, großartig in ihrer hilflosen elterlichen Verzweiflung. Und dann ist es Regisseur Andreas Prochaskas Genauigkeit, die diesen Film so authentisch und spannend macht. Der Zuschauer wird in den Zustand des Wartens der Eltern, des Entscheidungen-treffen-Müssens der Ärzte miteinbezogen. Und Horrorfilmexperte Prohaska zeigt viele OP-Details – da braucht man einen guten Magen.

Der Tonfall, im Koproduktionskontext (hier ORF / ZDF ) oft schwierig, stimmt diesmal. Eine österreichische Geschichte, die auch in Hamburg verständlich ist.

"Das Wunder von Kärnten",  Mittwoch, 20.15 Uhr, ORF 2 Ö/D, 2011. Von Andreas Prochaska. Mit Ken Duken, Julia Koschitz, Jürgen Maurer, Erwin Steinhauer, Bernhard Schir, Gerti Drassl, Gerhard Liebmann.

KURIER-Wertung: ***** von *****