Kultur
17.10.2017

Gegenwehr gegen die Blödheit

104 KURIER-Kolumnen über das Fernsehen von Peter Pisa sind im Wieser Verlag erschienen.

Peter Pisa schaut fern, laut Arbeitsaufzeichnungen zu den unmöglichsten Tageszeiten. Dort, aber auch im Hauptabend findet der KURIER-Autor die Randzonen des Fernsehgeschehens: Wider- und Unsinnigkeiten, Anzügliches und Ungeschicktes, Verirrungen und Sprachdesaster. Das lesen Sie mehrmals die Woche im KURIER). Und jetzt, gesammelt, auch als Buch.

Mit einem Vorwort von Franz Schuh. Der schreibt die Lobeshymne, die sonst die Kulturredaktion verfasst hätte. Wir zitieren:

"Kritiker wie Pisa verkörpern eine Zuschaueravantgarde, die die Zumutungen der öffentlich-rechtlichen und der privaten Blödheit elegant zurückweisen. Dabei verhält sich Pisa wie einer der asiatischen Kampfsportler, die den Gegner mit der Kraft besiegen, die dieser selber für seinen Überfall aufwendet."

Und weiter:

"Das ist wichtig, denn im Kampf gegen die Dummheit verwickelt man sich schnell in ihr Paradox: Wer sagt, dass er weiß, was Dummheit ist, behauptet implizit, gescheit zu sein. Daran dass er sich für gescheit hält, erkennt man aber den Dummen. Der Dumme und der Obergescheite bilden in der Medienlandschaft ein hübsches Paar."

104 Kolumnen sind in dem Buch versammelt.

(Merken Sie’s? Dieser Text ist im Pisa-Stil geschrieben!)

Franz Schuh, weiter:

"Die Schlagfertigkeit, mit der Pisa den Gegner fixiert und trifft, benötigt keinen Platz für die Behauptung eigener Gescheitheit. Wenn zum Beispiel eine politische Partei, die das Bildungsproblem und Integrationsproblem der österreichischen Gesellschaft anklagt, mehr Deutschkenntnisse fordert, die Kenntnisse aber nur mit einem N schreibt, dann genügt für die Darstellung des Sachverhaltes der Hinweis auf die Dummheit der Partei. Es bedarf nicht der Behauptung einer Eigenleistung – die Dummheit ist so hervorragend, dass sie sich von selbst versteht. Ihre Selbstverständlichkeit ist ihr eigentlicher Skandal. Pisa zitiert sie nur und montiert nur das Zitat. Zur Montage gehört das Zurechtrücken des Unsinns durch seine Verstärkung: ‚Als Höhepunkt kann die Rede eines Abgeordneten gelten, in der der Satz fiel: Ich komme mir ziemlich makaber vor bei euch. – Auf ihn sollte auch die ÖVP eine Obduktion haben.‘"

Und:

"Es ist klar, dass Pisas Verfahren nicht zuletzt von der Lust am Spott lebt. Kritik kultiviert (das heißt aber auch: verschleiert) sadistische Motive. Der kultivierte Sadismus der Satire ist mir lieber als der blanke, pseudo-unschuldige, mit dem das Fernsehen einem manchmal überfällt. In diesem Sinne muss man Pisas Arbeit auch als Gegenwehr sehen, die der Blödheit nicht kampflos ihren Sieg überlassen möchte. "

Das Buch gibt es bereits im Buchhandel.

Peter Pisa:
Pisa
schaut fern“
Vorwort von Franz Schuh.
Illustriert von Bernd Ertl.
Wieser Verlag.
142 Seiten.
18,80 Euro.