Kultur 20.01.2012

Gediegene Langeweile an der Wien

Doppelt hält nicht immer besser. Zwei russische Operneinakter sorgen im Theater an der Wien für gediegene Langeweile.

Ein halbherziges Buh gegen das Leading-Team und höflicher Applaus – das Premierenpublikum im Theater an der Wien reagierte angemessen auf die Doppelpremiere von Tschaikowskys "Iolanta" und Rachmaninows "Francesca da Rimini". Denn Grund zur Aufregung gibt es bei dieser Produktion wirklich keinen, weder in positiver, noch in allzu negativer Hinsicht.

Aber der Reihe nach: Muss man Tschaikowskys "Iolanta" und auch Rachmaninows "Francesca da Rimini" wirklich szenisch auf die Bühne bringen? Bei den Salzburger Festspielen 2011 sang immerhin Anna Netrebko die blinde Königstochter Iolanta, die durch die Liebe (und eine Operation) sehend wird, in einer konzertanten Aufführung. Eine Inszenierung hat man da nicht vermisst.

Kitsch

Und auch das, was Regisseur Stephen Lawless, sein sehr Treppen-Süchtiger Bühnenbildner Benoit Dugardyn und der zum (grellen) Kitsch neigende Kostümbildner Jorge Jara an der Wien über die Rampe bringen, ist einfach vernachlässigbar. "Iolanta" wird als fades Märchen-Stehtheater erzählt; bei "Francesca da Rimini" (hier geht es um ein Liebespaar, das im Inferno landet) grüßen Josef Stalin, der Gulag und der rote Kommunisten-Stern. Das alles stört nicht, kann aber auch wenig bis gar nichts. Öde.

Bleibt also die musikalische Seite, die mit Dirigent Kirill Petrenko zu einem Ereignis hätte werden können. Petrenko aber musste wegen Erkrankung schon in der Probenphase absagen; an seiner Stelle leitet Vassily Sinaisky das ORF Radio-Symphonieorchester Wien. Und Sinaisky liebt es schwer und laut, sorgt bei Rachmaninow für passendere Klangfarben, als bei Tschaikowsky, der zu eindimensional bleibt. Ein solides, biederes, aber wenig faszinierendes Dirigat.

Viel besser agieren der gewohnt gute Arnold Schoenberg Chor (Leitung: Erwin Ortner) und die meisten der Solisten. So ist Olga Mykytenko eine vokal anrührende, auch lyrische Iolanta; als Francesca darf die Sopranistin endlich etwas schauspielern. Dass Saimir Pirgu ein exzellenter Tenor ist, darf der junge Albaner als Iolantas große Liebe Gottfried von Vaudémont sowie als heißsporniger, sehr glaubhafter Paolo (in „Francesca da Rimini“) unter Beweis stellen.

Mykytenko und Pirgu zeigen eindrucksvoll, was hier alles möglich gewesen wäre.

Sehr sicher und als Stalins Alter Ego packend ist Dmitry Belosselsky mit profundem Bassbariton; Dalibor Jenis, Ladislav Elgr und Vladimir Baykov füllen ihre Partien sicher aus. Ähnliches gilt für das tapfere Damen-Ensemble in "Iolanta". Und dennoch: Hier wäre in (fast) jeder Hinsicht deutlich mehr drinnen gewesen.

KURIER-Wertung: *** von *****

( Kurier ) Erstellt am 20.01.2012