Kultur
03.04.2017

Gebrüder Moped: Krise als Kindergeburtstag

"Keine Angst", fordern die Gebrüder Moped in ihrem neuen Kabarettprogramm.

"Erwin Pröll-Witze-Sammlung günstig abzugeben", twitterten die Gebrüder Moped zum Abschied des NÖ-Landeskaisers. Und vor dem Merkel-Besuch gaben sie Donald Trump mit auf den Weg: "Don’t grab her by the Raute!"

Twitter und Facebook sind längst die verlängerte Werkbank für das Kabarett-Duo. Umgekehrt bauen Franz Stanzl und Martin Strecha-Derkics ihre Internetwitze auf der Bühne als Häppchen ein. Im neuen Programm "Keine Angst" (Regie: Leo Lukas) kommen noch bewegte Bilder hinzu. Fernseherfahrung haben die "Willkommen Österreich"-Autoren schon auf Puls 4 in ihrer "Kleinen Wochenrevue" und in "Bist du deppert?" gesammelt.

Thematisch widmen sie sich nun "Bildern der Angst, wie sie derzeit gerne in der gesellschaftlichen Diskussion auftauchen", erklärt Stanzl für die Gebrüder Moped im KURIER-Interview. Das Thema Angst, oder "der neue heiße Scheiß zur persönlichen Positionierung", werde dabei auf eine persönliche Ebene runtergebrochen. Stanzl und Strecha-Derkics spielen zwei Brüder, die für ihre Töchter eine Kindergeburtstagsparty planen und auf die Tücken des gesellschaftlichen Diskurses stoßen. "Auf den ersten Blick ist es unser unpolitischstes Programm. Bei näherer Betrachtung unser politischstes", sagen sie.

Zuversicht statt Angst

Dabei geht es auch um die Kraft der Zuversicht. Diese scheint der Gesellschaft in der Auseinandersetzung mit Veränderungen zunehmend abhanden zu kommen. "Wer mit Ängsten konfrontiert ist, muss ernstgenommen werden. Aber Zuversicht sollte immer das Ziel sein", erklären die Gebrüder Moped.

Allerdings ist das Wort Krise in verschiedenen Ausformungen schon seit rund zehn Jahren omnipräsent. Ist ein Leben ohne das Krisenhafte überhaupt noch vorstellbar? Gebrüder Moped: "Ohne jetzt sämtliche Krisen infrage zu stellen, erscheint es uns schon so, dass die Problematik dadurch entsteht, dass die Boulevardpresse in ihrer Suche nach Problemkisten nicht mehr zu bremsen ist. Die machen ja aus jedem Kopftuch eine Krise".

Auch die etablierten politischen Kräfte scheinen aus Moped-Sicht "weniger an Zuversicht und Lösungen als an der Abbildung einer dramatischen Ausgangslage interessiert. Das bietet mehr Aufmerksamkeit – im Zusammenspiel mit dem Boulevard."

Trump und die Komiker-Armee

Wie sieht es generell mit der Zuversicht aus, wenn man an Donald Trump denkt? Die Gebrüder Moped: "Trump hat in dem politischen Irrsinn, der in den letzten Jahren in Europa aufgekeimt ist, noch ein so großes Schauferl draufgelegt, dass man nur hoffen kann, dass diese Auswüchse hierzulande künftig eher abschreckend wirken."

Der US-Dokufilmer Michael Moore hat die These aufgestellt, dass es eine "Armee an Komödianten sein wird, die Trump stürzen kann. "Das hat schon was", findet das Satire-Duo. "Stramme Rechte plagen sich mit Humor. Das erleben wir in Österreich doch schon seit Jahrzehnten." Politiker wie Trump bieten jedenfalls viel Stoff für Satiriker, die mittlerweile Extraschichten einzulegen scheinen. "Je skurriler die Mächtigen, desto mehr Fläche für die Komödianten", sagen die Gebrüder Moped. "Da kommt man als Berufswitzebold schon manchmal in die ungute Gedankenspirale, wie man es denn haben möchte."

Faymann vs. Kern

Vor zwei Jahren fragten die Gebrüder provokant, was Kanzler Faymann eigentlich beruflich so mache. Das neue Koalitions-Duo Kern und Mitterlehner sei hingegen "vielfach präsenter und deutlich mehr am Punkt. Die dürften das anscheinend wirklich beruflich machen."

Apropos Duo: Was gefällt ihnen selbst an der Bühnen-Zweisamkeit? Die Mopeds: "Im Dialog lassen sich entgegengesetzte Standpunkte hervorragend in Alltagsplaudereien packen. Man lässt das Publikum entscheiden, wer der Blöde und wer der weniger Blöde ist. Außerdem ist es auf der Autofahrt zu den Auftritten nicht so fad." Und derer hat das Duo demnächst genug.

INFOS & Termine: gebruedermoped.com

Das ganze Interview mit den Gebrüdern Moped

KURIER: Angst ist ein starkes Gefühl. Wie nähern Sie sich dem Thema kabarettistisch?

Franz Stanzl von den Gebrüder Moped: Wir widmen uns den Bildern der Angst, wie sie derzeit gerne in der gesellschaftlichen Diskussion auftauchen, indem wir sie auf eine sehr persönliche Ebene runterbrechen. Wir spielen zwei Brüder, die für ihre Töchter eine Kindergeburtstagsparty planen und dabei auf die Tücken des gesellschaftlichen Diskurses stoßen. Am ersten Blick unser unpolitischstes Programm. Bei näherer Betrachtung unser politischstes. Zumindest sehen wir das so.

Worin gründet die im Pressetext angedeutete Zuversicht der Mopeds?
Es geht uns gar nicht so sehr um das Spiel Angst versus Zuversicht, sondern vielmehr darum, dass uns die Möglichkeit zur Zuversicht in der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Veränderungen zunehmend fehlt. Wer mit Ängsten konfrontiert ist, muss ernstgenommen werden, keine Frage. Aber die Zuversicht sollte immer Ziel sein, sie darf nicht aus den Augen verloren werden.

Seit rund zehn Jahren verfolgt uns, in verschiedenen Ausformungen, das Wort Krise. Kann es sein, dass wir es gar nicht bemerken würden, wenn plötzlich keine Krise mehr da wäre? Bzw. ist mittlerweile ein Leben ohne das Krisenhafte überhaupt noch vorstellbar?
Ohne jetzt sämtliche Krisen kollektiv in Frage zu stellen, erscheint es uns schon so, dass die Problematik ja eher dadurch entsteht, dass die Boulevardpresse in ihrer Suche nach Problemkisten nicht mehr zu bremsen zu sein scheint. Die machen ja mittlerweile aus jedem Kopftuch eine Krise.

Zuversicht war in Zeiten des Aufbruchs auch ein Versprechen der Politik. Heute spielen viele Politiker, auch die der großen Volksparteien, mit der Angst. Warum?
Diese Entwicklung ist ein Abbild dessen, dass politische Kräfte offensichtlich heute weniger an Lösungen als am Abbild einer dramatischen Ausgangslage interessiert sind. Das bietet anscheinend mehr Aufmerksamkeit - auch im Zusammenspiel mit der Boulevardpresse, die ähnlich gestrickt zu sein scheint. Aufmerksamkeit zählt heute mehr als Zuversicht und Lösungen.

Man hat das Gefühl, dass populistische Politiker - auch mit Angstparolen - in den sozialen Medien mehr Response bekommen. Woran liegt das?
Das Drama weckt Aufmerksamkeit. Wer Aufmerksamkeit will, greift in die Problemkiste.

Es heißt oft, man müsse die Sorgen der enttäuschten Wähler ernst nehmen. Inwieweit können Sie das teilen, wenn man sich auf der anderen Seite die Flut an Hasspostings vor Augen führt?
Das eine sollte mit dem anderen gar nicht so viel zu tun haben. Klar, es ist Aufgabe der Politik, Sorgen ernst zu nehmen und Lösungen zu finden. Allerdings ist es nicht ihre Aufgabe, die Sorgen zu verstärken. Das gibt aber den besorgten Wählerinnen und Wähler noch lange nicht das Recht, ihren Unmut hasserfüllt und bedrohlich zu äußern. Durch die Möglichkeit, dass heute im Grunde jeder seine Gedanken einer breiten Masse vermitteln kann, jeder selbst ein Medium ist, gilt die Anforderung einer respektvollen politischen Kultur eben nicht mehr nur für politisch Aktive, sondern für uns alle.

Die Wahl von Donald Trump galt vielen Populisten als Signal, dass man mit einem stramm rechten Kurs auch in ganz wichtige Ämter kommen kann. Inwieweit wird sich das in Europa erfüllen?
Donald Trump hat in dem politischen Irrsinn, der in den letzten Jahren in Europa aufgekeimt ist, doch ein so großes Schauferl draufgelegt, dass man nur hoffen kann, dass diese Auswüchse hierzulande künftig eher abschreckend wirken.

Michael Moore meint, es wird letztlich eine Armee aus Comedians sein, die Trump stürzen kann. Weil er zu dünnhäutig ist und nicht mit Humor und Spott umgehen kann. Was halten Sie von dieser These?
Das hat schon was. Stramme Rechte plagen sich mit Humor. Das erleben wir in Österreich doch schon seit Jahrzehnten.

Überhaupt hat Trump das beliebte Bonmot, dass die Politik heutzutage Satiriker arbeitslos mache, eindrucksvoll widerlegt. Die Komiker scheinen sogar Extraschichten einzulegen. Wie finden Sie das?
Keine Frage, je skurriler die Mächtigen, desto mehr Fläche für die Komödianten. Da kommt man als Berufswitzebold schon manchmal in die ungute Gedankenspirale, wie man es denn eigentlich gerne haben möchte.

Moped-Weisheiten wie ”Was macht Werner Faymann eigentlich beruflich?” haben sich eingeprägt. Wenn man ” Christian Kern” oder ” Reinhold Mitterlehner" einfügen würde, wäre der Witz nicht lustig. Warum?
Andere PolitikerInnen, andere Witze. Und ohne jetzt auf inhaltliche Details der derzeitigen Regierungsspitze einzugehen: Kern und Mitterlehner sind einfach vielfach präsenter und deutlich mehr am Punkt als es Faymann und Spindelegger waren. Die dürften das anscheinend wirklich beruflich machen.

Das Genre ”politisches Kabarett” galt lange Zeit als abgeschmackt und unmodern. Mittlerweile feiert es, mit neuen Formaten und unter Nutzung des Internet, wieder ein Revival. Inwieweit gestalten die Gebrüder Moped diese Entwicklung mit?
Die sozialen Medien sind zufällig genau dann entstanden, als wir mit Gebrüder Moped begonnen haben. Nachdem wir damals noch weniger auf der Bühne präsent waren, nutzten wir eben Facebook und Twitter für unsere satirischen Häppchen. Als kleines Teilchen der sozialen Medien innerhalb des Tellerrandes haben wir die satirische Netzkultur sicher auch ein wenig mitgestaltet.

Worin besteht für Sie der Vorteil der Doppelconférence?
Die Arbeit als Duo taugt uns deshalb so sehr, weil man im Dialog hervorragend gesellschaftliche Differenzen und entgegengesetzte Standpunkte in Alltagsplaudereien packen kann. Man überspitzt beide Positionen, erspart sich den klugscheißerischen Zeigefinger und lässt das Publikum entscheiden, wer der Blöde und wer der weniger Blöde ist. Außerdem ist es zu zweit auf der Autofahrt zu den Auftritten nicht so fad.

Wie oft kommt es vor, dass Sie als Herr Moped angesprochen werden?
Das kommt öfter vor, als dass ich mit meinem bürgerlichen Namen angesprochen werde.

(Das Interview wurde per E-Mail geführt)