Kultur
14.03.2012

Garanca: Comeback nach Maß nach Babypause

Kritik: Star-Mezzosopranistin Elina Garanča meldete sich mit einem großartigen Liederabend im Musikverein zurück.

Die Babypause hat ihr gutgetan; die Rückkehr auf die Bühne jedoch sichtlich auch. Nach Konzerten in Graz und Linz gab Elina Garanča auch im (naturgemäß ausverkauften) Goldenen Saal des Musikvereins einen Comeback-Liederabend. Und – das ist für alle Verehrer der lettischen Mezzosopranistin die wohl wichtigste Nachricht – Elina Garanča ist großartig wie eh und je.

Sicher, die Stimme hat sich ein wenig verändert, sie ist dunkler, voller und runder geworden. Auch in puncto Dramatik hat Garanča dazugewonnen; allerdings ohne anderweitige Verluste. Und Elina Garanča ist nach wie vor eine intensive, exzellente Gestalterin. Auf ihre Rückkehr an die Wiener Staatsoper ("Rosenkavalier" von Strauss im April und Mozarts "La clemenza di Tito" im Mai) darf man sich bereits jetzt freuen.

Aber – das bewies die lettische Künstlerin im Musikverein – Garanča ist auch eine grandiose Liedgestalterin. Etwa bei fünf Liedern aus dem Zyklus "Myrthen" (op. 25) von Robert Schumann oder auch bei dessen "Frauenliebe und Leben". Wie Garanča hier die Geschichte einer jungen, verliebten Frau, die erst Braut und später Witwe wird, schmerzhaft nachvollziehbar machte, war sensationell.

Spannende Begegnung mit Alban Berg

Mit ähnlicher Intensität widmete sich die Sängerin nach der Pause den "Sieben frühen Liedern" von Alban Berg, wobei hier auch der stets tadellose, subtil begleitende Pianist Roger Vignoles besonders brillieren durfte.

Herrlich die Lieder "Nacht" (Text: Carl Hauptmann) oder "Traumgekrönt" (Text: Rainer Maria Rilke), bei denen Garanča und Vignoles zu höchster Expressivität fanden. Die Garanča und Alban Berg – das verspricht hoffentlich spannende Begegnungen für die Zukunft.

Längst daheim ist die Künstlerin im Kosmos von Richard Strauss, dem das Finale des Comeback-Konzerts gewidmet war. Auch hier beeindruckte sie mit wunderschönen Klangfarben, feinsten Schattierungen und verinnerlichtem Gesang. Bewegend etwa das "Leise Lied", "All meine Gedanken", "Allerseelen" oder die "Heimliche Aufforderung".
Das Publikum im Saal dankte zuletzt mit viel Applaus. Es hatte kein Spektakel, sondern ein höchst seriöses Konzert einer fabelhaften Sängerin gehört. Drei Zugaben inklusive. Danach verschwand Garanča sichtlich gerührt. Schön, dass sie wieder da ist.

KURIER-Wertung: ***** von *****