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Game-Verfilmungen
06/05/2016

Game-Verfilmungen: Hollywood will mitspielen

Hollywood geht auf Kuschelkurs mit der Gamerkultur - mit gutem Grund: Die Fortsetzungs-Welle ebbt ab

von Georg Leyrer

Es ist ein Rekord, der Hollywood mit den Ohren wackeln ließ: Nur zwölf Tage benötigte "Star Wars: The Force Awakens", um eine Milliarde Dollar einzuspielen.

Wenn Sie jetzt ein verhaltenes Gähnen hören können: Das kommt von den Computerspielstudios.

Denn die selbe Summe schaffte der fünfte Teil von "Grand Theft Auto" in nur drei Tagen (800 Millionen Dollar davon in den ersten 24 Stunden).

Die Game-Industrie ist, nach manchen Maßstäben, der erfolgreichste Entertainmentsektor. Großproduktionen von Hollywood-Filmen und Computerspielen sehen einander längst zum Verwechseln ähnlich: Schauspieler, Autoren, Effekt-Spezialisten, Musiker, Regisseure arbeiten hier wie da, oftmals sogar mit der gleichen technischen Ausrüstung und ähnlich großen Millionenbudgets. Wer beim Gedanken an Games immer noch ein stupides, brutales Schießspiel vor Augen hat, muss sich selbige reiben: Es werden in Games große Geschichten aus allen Genres erzählt – nur mit der Liebe tun sie sich schwer, aber da hat es Hollywood längst auch nicht mehr so leicht wie früher.

Für immer jung

Und die beiden Branchen knabbern zusehends am selben Einnahmenkuchen: Viele Gamer sind junge Männer – und das ist genau das Publikum, mit dem die Kinos zunehmend ihre Schwierigkeiten haben. Deren Besucher werden älter, im Durchschnitt sind sie schon 40plus, der Kinobesuch rückt aus dem Fokus vieler junger Menschen.

Das hat auch noch einen anderen, ein wenig unerwarteten Grund: Kino hinkt in Sachen Komplexität hinterher – dem neuen Serien-Fernsehen, aber vor allem den Games. Wenn man einmal über Tage eine fremde (Game-)Welt erkundet hat, erscheinen 90 Minuten Filmkost im Vergleich als Appetithappen. Spiele sind immer wieder aufgesuchte Kulturprodukte, zu denen eine wesentlich intensivere Bindung aufgebaut wird. Sie müssen nicht halb- oder dreiviertelstundenweise – wie TV-Serien – faszinieren, sondern für viele Stunden. Und zwar viele Menschen: Das Online-Rollenspiel "World of Warcraft" (dessen beste Zeiten längst vorbei sind) verzeichnete seit 2004 100 Millionen Spieler aus 244 Ländern.

Und Hollywood hat noch ein Problem: Die Fortsetzungen, Aufwärmungen, Neuverfilmungen von bekannten Stoffen, die jahrelang ein Hauptstandbein Hollywoods waren, beginnen zu schwächeln. Fortsetzung um Fortsetzung hat an der Kinokassa enttäuscht, berichtet der Hollywood Reporter.

Zusammenrücken

All das – wenn auch wohl am meisten die Geldaussichten – sorgen für ein frisch erstarktes Hollywood-Bedürfnis nach Nähe zur Gamerkultur: An den Themen, am Publikum, an der emotionalen Verbindung der Gamer zu "ihrem" Spiel wird man doch, so denken sich die Filmproduzenten, ein wenig mitnaschen können.
Und es gibt dabei eine wesentliche Neuerung: Man hat gelernt, wie man Games verfilmt, ohne sich zu blamieren. Wenn in den 90ern oder Nullern eine Game-Verfilmung anlief, konnte man sicher sein, dass man absolut nichts versäumte. Das ändert sich jetzt, wenn auch langsam. Der Film zu "Angry Birds" hat, obwohl das Spiel wahrlich keine ausufernde Geschichte zu erzählen weiß, gute Kritiken geerntet.

Auch etwas anderes lässt sich lernen: Erfolg folgt neuen Kriterien, die Community ist ihren Themen treu. "World Of Warcraft" (derzeit im Kino) etwa wurde von den Kritikern durch Sonne und Mond verrissen.

Und dennoch dürfte der Film ein Riesenerfolg werden, und zwar dort, wo es zählt: In China, wo Games für viele Menschen zum Beruf geworden sind, sind Millionen Tickets für den Film vorbestellt. Und das ist immerhin der schnellstwachsende Filmmarkt der Welt – und ab nächstem Jahr der größte, noch vor den USA.

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