Gallagher: "Songs zu schreiben, ist verwirrend"

Liam Gallagher, der Frontmann von Beady Eye, beim Frequency Festival
Foto: Florian Wieser/shootingmusic.com

Liam Gallagher, der Sänger von Beady Eye, zeigte sich zum Frequency Festival-Auftakt backstage erstmals eine Spur zweifelnd.

Ich finde, Songs zu schreiben ist eine sehr eigenartige Sache - ich bin durchaus happy, nur der Sänger zu sein." Was sind denn das für Töne? Ist Liam Gallagher, das Parade-Großmaul des Brit-Pop, tatsächlich bescheiden geworden?

Im KURIER-Interview mit Beady Eye beim FM4-Frequency steht seine neue Rolle in der Nachfolgeband von Oasis zur Debatte. Nach einem Streit mit seinem Bruder, dem Hauptsongwriter Noel Gallagher, vor einem Konzert in Paris kam 2009 das Aus für die legendäre Band. Noch am Abend in der Bar ihres Hotels beschlossen die übrigen Musiker - Liam, Gitarrist Gem Archer, Bassist Andy Bell, Drummer Chris Sharrock - ohne Noel weiterzumachen.

"Es war simpel", erklärt Liam. "Wir sagten, hast du Lust aufzuhören? Nein, du? Nein, ich auch nicht. Nur weil ein Typ von Bord springt, heißt das noch lange nicht, dass wir alle umfallen wie verdammte Weicheier."

Zwei Wochen danach, sagt Bell, haben sie sich zusammengesetzt und mit der Arbeit zum Beady-Eye-Debüt "Different Gear, Still Speeding" begonnen: "Wir haben alte Songs ausgegraben. ,The Roller' und ,Kill For A Dream' habe ich für Oasis schon 1999 geschrieben."

Betroffene Gesichter bei den anderen

Upps. Betroffene Gesichter bei den anderen. Das klingt, als hätte das Quartett für "Different Gear, Still Speeding" verwurschtet, was Noel Gallagher abgelehnt hat. Gem Archer versucht zu retten: "Es ist aber egal, wann die Lieder geschrieben wurden. In dem Moment, wo sie veröffentlicht werden, sind sie neu."

Das matte Argument macht nur noch deutlicher, dass bei Beady Eye die Qualität der Songs der wunde Punkt ist. Sie ist guter Durchschnitt, allerdings von Oasis-Perlen wie "Wonderwall" oder "Don't Look Back in Anger" weit entfernt. Von denen wollen sich Beady Eye aber bewusst abgrenzen. Um sie nicht mehr live spielen zu müssen, haben sie sich den neuen Namen gegeben.

Liam empfand es auch nicht als Befreiung, als Songwriter nicht mehr im Schatten des Bruders zu stehen: "Ich hab ja ohnehin nie mit ihm geschrieben." Aber doch immer in Konkurrenz zu ihm? Liam bleibt dabei: "Es hat sich für mich nichts geändert: Das Songschreiben ist noch genauso verwirrend wie immer."

Trotzig wie ein kleines Kind

Liam Gallagher, der Frontmann von Beady Eye, beim Frequency Festival Foto: Florian Wieser/shootingmusic.com Liam Gallagher, der Frontmann von Beady Eye, beim Frequency Festival

Es sei "eigenartig", dabei ehrlich zu sein, und es dann mit der Öffentlichkeit zu teilen, erklärt er. Und gibt zu, dass er sich deshalb manchmal zurückhält und die eigenen Song zensiert, wenn sie "zu wahr" sind: "Da schüttest du dein Herz aus, und dann zerreißen sie es, verbrennen es, oder was immer die Arschgeigen damit machen. Und damit meine ich nicht die Fans, sondern die Kritiker. Die geben mir keine Chance."

Gerade noch entspannt und mit den Bandkollegen scherzend, klingt Gallagher plötzlich wie ein verletztes Kind. Wird aber auf die Frage, warum er es dann überhaupt noch macht, sofort wieder trotzig: "Wir sind Musiker und noch nicht bereit, aufzuhören. Wir werden nicht zu Hause sitzen und die verdammten Daumen drehen. Wir werden weiter Songs schreiben und sie spielen. Wenn die Leute es mögen, sagen wir ,Wohoo!'. Und wenn sie es nicht mögen: ,Hey, was soll's?'"

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