Kultur 14.04.2012

Funkhaus: "Dieses Haus schafft Identität"

Radiojournalisten wollen das Funkhaus nicht aufgeben. Was ist so besonders am 73 Jahre alten Haus in Wien-Wieden?

Die Truppe aus dem Funkhaus wehrte sich erfolgreich gegen die Pläne der ORF-Führung. Der Umzug wurde abgeblasen. Die Argentinierstraße blieb Radioadresse. Es war das Jahr 1975, und schon damals zeigten sich die Radiomacher renitent gegenüber den Plänen der ORF-Spitze.

37 Jahr später ein ähnliches Szenario: Am 30. März gab ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bekannt, alle ORF-Medien an einem Standort konzentrieren zu wollen. Ob am Küniglberg oder in St. Marx – die Niederlassungen in der Argentinierstraße (Radio-Funkhaus) und in Heiligenstadt ( Ö3) jedenfalls sollten fallen.

Ein Sturm der Empörung brach los. Ö1-Moderatorin Brigitte Fuchs rief auf Facebook die Gruppe "Rettet das Funkhaus" ins Leben. Binnen Stunden hatte die Initiative Hunderte, innerhalb weniger Tage mehr als 1100 Unterstützer. Langjährige Mitarbeiter wie der ehemalige Ö1-Infochef Luis Glück verstehen die Aufregung: "Diese Haus schafft Identität. Wie waren hier eine verschworene Gemeinschaft, die stolz war, an diesem besonderen Ort zu arbeiten. Der Genius Loci des Hauses hat viel mit dem Teamgeist zu tun."

Widerstand

Seit Dienstag ist das Funkhaus wieder im Rennen. Die von Wrabetz bereits ad acta gelegte Variante, den Erhalt aller bisherigen Standorte durchzurechnen, ist wieder Thema.

Auch wirtschaftliche Gründe sprechen gegen eine Aufgabe des Funkhauses, meint Radiomacher Roland Machatschke, der von 1969 bis 1994 hier arbeitete: "Das Funkhaus war zur Zeit seiner Errichtung das modernste Radiostudio Europas und wurde laufend adaptiert. Etwa der große Sendesaal, einer der besten Konzertsäle Wiens. Dann die durchdachten Studios. Konzerte, Hörspiele, das alles kann dort in bester Qualität aufgezeichnet werden. Wie soll man das übersiedeln?"

Bestlage

Zudem gehört das Grundstück in Bestlage, auf dem das Funkhaus steht, zwar dem ORF, und es grenzt an den prächtigen Garten des Theresianums. Aber eine Nachnutzung ist schwierig. Das 1939 nach Plänen von Clemens Holzmeister errichtete Gebäude steht unter Denkmalschutz: "Ein künftiger Eigentümer wäre gut beraten, mit uns das Gespräch zu suchen", mahnt Landeskonservator Friedrich Dahm. Der mehrstöckige Bau besteht aus Büros, etlichen Tonstudios und zwei Sendesälen, von denen keiner rechtwinkelig ist. Zur Verbesserung der Akustik weisen sie ungleichseitige Vierecke als Grundrisse auf. Schwierige Vorgaben. "Eine Entkernung ist mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar", sagt Dahm.

Nebenbei sprechen auch sentimentale Gründe für das Haus, das Radiogeschichte geschrieben hat: Hier wurden populäre Sendungen wie "Autofahrer unterwegs" übertragen, Rundfunklegenden wie Heinz Conrads oder Heinz Fischer-Karwin begannen hier ihre Karrieren.

RSO

Doch ganz aufgeben will der ORF diesen "Genius Loci" offenbar selbst nicht. Auf die Frage, was im Falle eines Umzugs mit dem ORFRadio-Symphonieorchester, das hier seine Heimat hat, geschieht, sagt Pressesprecher Martin Biedermann: "Jene Standort-Variante, die einen Verkauf des Funkhauses vorsieht, wurde so berechnet, dass das Radio-Kulturhaus vom ORF weiterhin angemietet und genutzt wird und weiterhin Heimat des ORF-RSO bleibt."

( Kurier ) Erstellt am 14.04.2012