Fürstlicher Prunk für die Schichten der Kunst

Stadtpalais Liechtenstein…
Foto: Liechtenstein Der Bouquetsaal im Stadtpalais Liechtenstein.

Spektakulär, aber künftig öffentlich kaum zugänglich: Das aufwendig renovierte Stadtpalais.

Die Wiederherstellung der barocken Stuckdecken, seidenbespannten Wände und originalen Parkettböden von Michael Thonet „war eine Mordsarbeit“, sagte Fürst Hans Adam II. von und zu Liechtenstein, „aber es ist eine große Freude, dass das so gut gelungen ist.“

Seine Durchlaucht „kann auch leider nicht bestreiten“, dass es rund 100 Millionen Euro gekostet hat, das Stadtpalais Liechtenstein in der Bankgasse 9 – seit 1694 im Besitz der Familie – wieder auf Hochglanz zu bringen. Und es obendrein mit einem Kunstdepot im Tiefspeicher auszustatten, wie es sich der Bund für seine Museen bis dato nicht leistet.

Vom Hochbarock um 1700 über das üppigste Biedermeier und die von Peter Hubert Devigny im Stil des „Zweiten Rokokos“ ausgeschmückten Repräsentationsräume in der zweiten Etage bis zu technischen Spielereien, die der Fürst früh einbauen ließ: Etwa eine aus dem Keller gespeiste Warmluftheizung, Aufzüge oder Mechanismen zum Verschieben von Wänden, die einst großes Aufsehen erregten, aber auch reparaturanfällig waren. Deshalb hieß das Palais im Volksmund auch „Künstlerversorgungshaus“.

Neu, aber mit Patina

Stadtpalais Liechtenstein… Foto: Liechtenstein Original-Parkettboden von Michael Thonet Heute wär’s ein „Restauratorenversorgungshaus“: Denn in den letzten vier Jahren waren täglich bis zu 500 Handwerker gleichzeitig am renovieren. Neu vergoldet wurde nur dort, wo Ergänzungen notwendig waren. Sonst wurde die 170 Jahre alte Vergoldung bloß gereinigt. Direktor Johann Kräftner will künftig rund 100 Werke von Malerei bis zu Biedermeier-Möbeln im Palais zeigen – als „Dialog zwischen der üppigen Raumausstattung und dem kargen Biedermeier“.

Geplant ist die Ausstellung u. a. von Werken Friedrich von Amerlings, Friedrich Gauermanns oder Ferdinand Georg Waldmüllers.

Noch wird an Seidenwandteppichen und Mahagoni-Vertäfelung gearbeitet, aber bis zur (nicht öffentlichen) Eröffnung am 9. April soll alles picobello sein.

Wie das Gartenpalais – seit dem Vorjahr nur mehr bei Events und gebuchten Führungen zu besichtigen – wird auch das Barock-Juwel hinter dem Burgtheater für Besucher ab 3. Mai nur zwei Mal pro Monat an Freitagen bei Führungen (Anmeldung erforderlich) zugänglich sein. Sonst wird es für „exklusive Veranstaltungen“ ab 5500 Euro vermarktet.

Info: www.palaisliechtenstein.com
Gruppenführungen im Stadtpalais, 1., Bankgasse 9: ab 3. 5. an jeweils zwei Freitagen im Monat (17–18.30 Uhr) zu 25 €/Person.
Buchung im Internet.

(kurier) Erstellt am
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