From One Second To The Next

Werner Herzog bewegt mit SMS-Doku

In seiner jüngsten Dokumentation schildert Regisseur Werner Herzog, wie dramatisch eine kurze Ablenkung durch SMS-Schreiben während der Autofahrt enden kann.

von Karl Oberascher

08/14/2013, 10:55 AM

Eine Doku über SMS-Schreiben am Steuer? Das klingt nicht gerade so, als hätte Werner Herzog für sein jüngstes Projekt ein besonders heißes Eisen angefasst. Doch schon der Vorspann macht klar, um welch ein drängendes Problem es sich dabei handelt: "In über 100.000 Unfällen pro Jahr sind Lenker beteiligt, die während der Fahrt SMS schreiben. Und die Zahlen steigen rasant" steht dort in weißen Lettern geschrieben.

Anhand von insgesamt vier Einzelschicksalen zeigt der deutsche Regisseur von Weltruhm ("Aguirre – der Zorn Gottes") , welche dramatischen Auswirkungen eine schnell getippte SMS, oder auch nur das Blick auf das Display während einer Autofahrt haben kann. Schockierend: Ein werdender Vater schreibt seiner Frau während er hinter dem Steuer seines Autos sitzt „I Love You“ – und reißt in diesem kurzen Moment der Unachtsamkeit drei fremde Kinder in den Tod.

Von einen Moment auf den anderen

„From One Second To The Next“ heißt der 35-minütige Dokumentarfilm, den Herzog für den amerikanischen Telefonanbieter AT&T produzierte. Er ist Teil der groß angelegten Kampagne „Texting and Driving – It can wait“, mit der auf die spezielle Gefahr des SMS-Schreibens aufmerksam gemacht werden soll.

Herzog, der mit Filmen wie „Fitzcarraldo“ und „Nosferatu“ berühmt wurde, hat sich längst auch als Dokumentarfilmer einen Namen gemacht („Grizzly Man“, 2005). Einen Film über Verkehrserziehung hätte man sich von dem Arthouse-Regisseur wohl nicht erwartet.

Kampagne von Mobilfunk-Anbieter

Doch Werner Herzog ist von der Brisanz des Themas überzeugt. "Hier werden Familien von Katastrophen erschüttert", sagte er der Nachrichtenagentur AP. "Innerhalb einer Sekunde werden Leben ausgelöscht oder für immer verändert. Ich war mir sicher, dass ich einen so emotionalen Stoff umsetzen kann."

Dass seine Dokumentation Teil einer großen Kampagne ist, stört Herzog dabei nicht. "Es ist ja ziemlich offensichtlich, dass der Film nichts mit Werbung zu tun hat", meint Herzog. "Wir drehen dir kein Handy an, sondern versuchen, das Bewusstsein zu schärfen."

Der Film, der am Donnerstag auf der Internet-Seite ItCanWait.com veröffentlicht wurde, soll in Amerika in 40.000 Schulen gezeigt werden und ist auch auf Youtube frei zugänglich.

"From One Second To The Next"

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