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Kultur
09/17/2012

"Freischütz" im Stadttheater Klagenfurt

Webers "Freischütz" als Auftakt der Intendanz von Florian Scholz in Klagenfurt brachte Jubel für die musikalische Seite und Buhs für die Regie.

Gemeinhin gilt Carl Maria von Webers "Der Freischütz" als die deutsche romantische Oper schlechthin. Nicht für Anna Bergmann, denn sie kann bei der Eröffnungspremiere am Stadttheater Klagenfurt so gar nichts damit anfangen.

Denn die junge, bisher fast nur im Schauspielfach tätige, deutsche Regisseurin macht daraus einen überinszenierten, schlechten Horrorladen, der in der "Wolfsschluchtszene" zu einer billigen Geisterbahn abgleitet: Figuren mit Horrorfratzen, ein Blut spuckendes, vom Teufel besessenes Ännchen, ein Max, der sich mit Drogen vollsaugt und dann wie im Albtraum sieben Frauen, die alle seiner Agathe gleichen, bestialisch ermordet.

Angestiftet wird er dabei von dem immer präsenten Samiel, der wie eine Spinne auf der hässlichen, sich ständig bewegenden Drehbühne herumschleicht.

Bergmann verlegt den Plot ins Heute, in einen Ort nach Amerika, wo nur bewaffnete, schräge und kranke Typen herumlaufen. Und spart dabei nicht mit Brutalität, Drogen, Alkoholexzessen und Sexspielchen. Tiefpunkt ist ein wie in der Love-Parade grell kostümierter und zuckender Jägerchor, dessen Mitglieder zum Schluss von Max alle erschossen werden.

Ärgernis

Mit Webers Oper und dessen wunderbarer Musik hat dies gar nichts mehr zu tun. Ein Ärgernis, denn musikalisch könnte die Einstandsproduktion des neuen Intendanten Florian Scholz durchaus punkten. Denn unter seinem zukünftigen Chef Alexander Soddy spielt das Kärntner Sinfonieorchester mit feinsten Tönen, aber auch spannend herausgearbeiteten Entladungen. Celine Byrne ist eine empfindsame Agathe, Eva Liebau ein inniges Ännchen. Stephan Rügamer muss in die Figur des Max erst hineinwachsen. Martin Winkler ist ein widerlich böser Kaspar. Jubel für die musikalische Seite, Buhs für die Regie!

KURIER-Wertung: ** von *****

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