© Fred Stein

Street Photography
11/14/2013

Fred Stein: Geschichte im Handgepäck

Mit seiner kleinen Leica-Kamera gehörte Fred Stein zur ersten Riege der Street Photographer.

von Karl Oberascher

Fred Steins Anfänge als Fotograf sind romantischer, als es seine Bilder vermuten ließen. Zu ihrer Hochzeit im Jahr 1933 schenkten der 24-jährige Stein und seine Braut Liselotte Salzburg einander eine Leica. Die kleine Handkamera sollte wie seine Frau Liselotte bis zu seinem Tod im Jahr 1967 nicht mehr von Fred Steins Seite weichen.

Leica ist untrennbar mit dem Beginn der sogenannten Straßenfotografie - gebräuchlicher ist die englische Bezeichnung "Street Photography" - verbunden. Wie so viele Fotografen jener Zeit, animierte das handliche 35 mm-Kleinformat auch Stein dazu aus seinem Ateliers hinaus auf die Straße zu gehen und die Geschichten der Menschen zu erzählen - unmittelbar, hart und eindrücklich.

Fotografien von Fred Stein

Fred Stein; Kehrer Verlag

Fred Stein; Kehrer Verlag

Fred Stein; Kehrer Verlag

Fred Stein; Kehrer Verlag

Fred Stein; Kehrer Verlag

Fred Stein; Kehrer Verlag

Fred Stein

Fred Stein; Kehrer Verlag

Fred Stein; Kehrer Verlag

Fred Stein; Kehrer Verlag

Fred Stein; Kehrer Verlag

Fred Stein; Kehrer Verlag

Fred Stein; Kehrer Verlag

Fred Stein; Kehrer Verlag

Fred Stein; Kehrer Verlag

Bei Fred Stein, der 1909 als Sohn des Rabbis von Dresden geboren wurde, sollte es eine fast exemplarische Geschichte jener Zeit werden. 1933 flohen die frisch vermählten Steins nach Frankreich. Sie täuschten eine Hochzeitsreise vor, von der sie nicht zurückkommen sollten.

Bilder aus Engagement

Paris war zu jener Zeit Ziel vieler linker Aktivisten und Künstler, die in Deutschland von Verfolgung und Haft bedroht waren. In Paris lernte Stein auch den späteren deutschen Bundeskanzler Willy Brandt kennen: "Ich begegnete Fred, als wir beide als Flüchtlinge das totalitäre Naziregime mit unseren ziemlich bescheidenen Mitteln bekämpften. Für seine Zeit war er sehr avantgardistisch, ein brillanter Fotograf, dessen Bilder widerspiegelten, dass er vom Streben nach Gerechtigkeit und Bedacht auf Wahrheit inspiriert wurde", sollte sich dieser später an den jungen Fotografen erinnern.

Beeinflusst von linken Intellektuellen und Schriftstellern wie Alfred Döblin, dokumentierte Fred Stein das soziale Leben auf der Straße. Schon damals ging sein Interesse jedoch auch über den streng dokumentarischen Charakter dieser Bilder hinaus. In Paris entstanden Aufnahmen von Boris Pasternak, Ilja Ehrenburg und André Malraux. Bereits ab 1935 beteiligte er sich auch an mehreren Ausstellungen, zusammen mit namhaften Fotografen wie Man Ray, Dora Maar und André Kertész.

In den Straßen New Yorks

1941 dann die erneute Flucht vor den Nazis - inzwischen mit Töchterchen. Diesmal ging die Reise nach New York, wo Stein mit neuer Leica und einer Mittelformatkamera der Marke Rolleiflex für quadratische Formate, ein neues Leben begann. Auch in New York war es der eine, wesentliche Augenblick, den Fred Stein festzuhalten wusste: ein Junge, der im Park seinen Baseballschläger schwingt, die festen Blicke einer Gruppe von Frauen in Little Italy.

Mit seinen eindrücklichen Momentaufnahmen und Porträts von bekannten Persönlichkeiten, die mit Fred Stein oft das Schicksal der Emigration teilten - darunter Bilder von Albert Einstein und Hannah Arendt - wurde Fred Stein auch in New York berühmt. Noch heute gilt der 1967 im Alter von 58 Jahren verstorbene Stein als ein Meister der Street Photography und Pionier der Handkamera.

Sein vielschichtiges und umfangreiches Werk liegt nun erstmals in einer umfassenden Publikation vor. Der Bildband "Fred Stein. Paris - New York" (Kehrer Verlag) gibt einen detailreichen Einblick in das Leben und Werk Steins.

Anlass ist die Ausstellung "Im Augenblick" im Jüdischen Museum Berlin, in der das Werk Fred Steins ab dem 22. November erstmalig umfassend in Deutschland zu sehen sein wird. In mehr als 130 Schwarz-Weiß-Fotografien werden Straßenansichten aus Paris und New York sowie Porträts präsentiert.

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