"Frauen können präziser lügen"

Nicole Beutler…
Foto: Gerald von Foris Nicole Beutler singt Chansons und spielt nach sechs Jahren auch wieder in Wien Theater.

Die Schauspielerin steht in Pinters "Betrogen" in der Walfischgasse auf der Bühne.

Drei Menschen, miteinander in Ehe, Liebe und Freundschaft verbunden. Eigentlich ist das Leben perfekt. Vordergründig zumindest, denn jeder betrügt jeden in diesem Dreieck. Emma ist mit Robert verheiratet, hatte aber über Jahre eine Affäre mit Jerry, Roberts Trauzeugen und bestem Freund. Ihr Mann hat lange von der Affäre seiner Frau gewusst ...

Im Wiener Stadttheater Walfischgasse hat kommenden Mittwoch (16. Jänner) Harold Pinters Stück „Betrogen“ Premiere – in einer absoluten Top-Besetzung: Joseph Lorenz gibt den Jerry, Nicolaus Hagg spielt Robert, Werner Schneyder führt Regie, und als Emma ist Nicole Beutler zu sehen. Für die vielseitige Schauspielerin ist es der erste Wiener Theaterauftritt seit sechs Jahren; dazwischen war Beutler an vielen anderen Bühnen engagiert.

Verkehrt herum

Was die auch als Chanson-Sängerin gefragte Künstlerin an Pinters Stück und an der Figur der Emma im Speziellen reizt? „Als ich das Stück gelesen habe, war ich sofort hingerissen von Pinters Erzählweise. Er schildert die Geschichte ja quasi im Rückwärtsgang. Das Ende steht am Anfang, der Anfang am Schluss. Außerdem mag ich Pinters höflich-britische Dialoge. Ich schätze es, wie er in einer großartigen Beiläufigkeit all die verbalen Ungeheuerlichkeiten serviert.“

Über die Rolle der Emma sagt die Wiener Schauspielerin: „Diesen Charakter muss man sich hart erarbeiten. Denn Pinter gibt nie Antworten. Ich habe mich lange gefragt, was das für eine Frau ist. Sie ist verheiratet, bekommt zwischendurch sogar ein Kind von ihrem Mann, und die Affäre geht dennoch weiter.“ Können Frauen besser lügen als Männer? „Vielleicht. Sicher können sie präziser lügen.“

Wie lustig sind Pinters Dialoge? „Es kann sich natürlich ein gewisses Amüsement einstellen. Aber es sind Alltagsgespräche, die drüber hinwegtäuschen, was unter der Oberfläche gärt.“

Gesangskarriere

Welche Pläne hat Beutler nach dem Pinter-Stück? „Am 24. Jänner gastiere ich in Eisenstadt mit meinem Chanson-Abend, am 30. Jänner dann im Wiener Theater Akzent.“ Mit dabei sind natürlich die fabelhaften Wiener Theatermusiker rund um Tscho Theissing. Auch eine CD ist in Planung.

Zahlreiche Projekte für Theater, Film oder TV sind im Gespräch. Auch ein eigener Film schwebt ihr vor. „Ich bin auf einen grandiosen Stoff gestoßen, der nach einer Verfilmung schreit. Es gibt auch schon einen Sender, der Interesse gezeigt hat. Der ORF ist es nicht.“

Über den Erfolg des österreichischen Films freut sich Beutler, die auch im Vorstand des Verbandes der österreichischen FilmschauspielerInnen ist, sehr. „Es wäre schön, würde der österreichische Film bei uns dieselbe Wertschätzung genießen, wie international.“

Zur Person

Theater und Chansons

Betrogen…
Foto: E. Javor

Die Sängerin: Nicole Beutler ist am 24. Jänner im Kulturzentrum Eisenstadt und am 30. Jänner im Wiener Theater Akzent als Chansonniére zu erleben. Begleitet wird sie von den Wiener Theatermusikern.

Die Schauspielerin: Am 16. 1. hat sie im Wiener Stadttheater Walfischgasse Premiere: Mit dem Stück „Betrogen“ (Harold Pinter). Ihre Partner: Joseph Lorenz, Nicolaus Hagg. Regie: Werner Schneyder.

Weiterführende Links:
www.nicole-beutler.com
www.stadttheater.org

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?