Kultur
29.01.2018

FP-Organisation rief zu Online-Mobbing von Journalistin auf

Standard-Redakteurin im Visier des RFJ Steiermark - Posting am Montag gelöscht

***Update 17.00 Uhr***

Das Onlinemobbing gegen Journalistinnen ist um eine Facette reicher: Der "Ring Freiheitlicher Jugend Steiermark" hat auf Facebook Colette Schmidt, eine Redakteurin des Standard im Visier und ihre E-Mail-Adresse sowie ihre Social Media-Accounts öffentlich gemacht. Die Message: "Das ist Colette. Colette schreibt für den Standard und stellt gerne FPÖler an den Pranger. Falls ihr Colette etwas zu sagen habt, dann bitte unter.." Die Kontaktdaten der Journalistin folgen. Versehen ist die Message mit einem Smiley. Stimmungslage: "Belustigt", wie auf der Facebook-Page zu lesen ist.

Die Autorin führt diesen Aufruf, der offenkundig darauf abzielt, ihr unfreundliche Nachrichten und Postings zukommen zu lassen, auf einen Artikel zurück, den sie am vergangenen Freitag publiziert hat. Thema: Die Korporierten in den Ministerbüros. Der Mobbing-Aufruf hatte jedoch auch etwas Positives, sagte Schmidt zum KURIER: "Eine Welle der Solidarität" sei über sie hereingebrochen. "Das überwältigende Feedback ist positiv." Sie überlegt dennoch eine Klage. Vor vier Jahren sei ein Schmuddelartikel in der FPÖ-nahenZur Zeiterschienen, der neben ihrer Arbeit als Journalistin auch ihr Privatleben zum Inhalt hatte. Schmidt klagte damals erfolgreich, wie sie sagt. "Ich kann das auch nur allen Kolleginnen und Kollegen raten: Klagen Sie aktiv, wenn Ihr Ruf in Mitleidenschaft gezogen wird."

Immer wieder Frauen im Visier

Es ist nicht das erste Mal, dass Journalistinnen unter blauem Mobbing zu leiden haben. Corinna Milborn, Infochefin von Puls4 , hat bereits 2016 ihre Erfahrungen mit den rabiaten FPÖ-Fans im Internet geschildert. Vor jedem Interview mit einem FPÖ-Politiker seien Vorsorgemaßnahmen notwendig, so Milborn damals: "Ich weiß, ich muss mein persönliches Facebookprofil vorübergehend sperren und darauf achtgeben, dass meine Kinder nicht darauf schauen. Außerdem muss die Online-Redaktion des Senders besetzt sein, um strafrechtlich Relevantes auf der eigenen Seite sofort zu löschen."

Der RFJ Steiermark sieht sich übrigens selbst als wichtige Vorfeldorganisation der FPÖ. Mitglied ist etwa der heutige Verteidigungsminister Mario Kunasek, dessen Angelobung ins Regierungsamt der RFJ so feierte: "Die erfolgreiche Karriere von Mario Kunasek ist der beste Beweis dafür, dass der RFJ Steiermark die Kaderschmiede der Freiheitlichen Partei ist“.

Update: RFJ löschte Posting

Der RFJ Steiermark hat am Montagnachmittag das Posting gelöscht. "Der Beitrag selbst stellt natürlich keinen Aufruf zu Mobbing oder eine sonstige Rechtsverletzung dar", heißt es auf der Facebook-Seite. Der Standard will seinerseits "juristisch gegen die Urheber des Postings vorgehen und lässt der freiheitlichen Parteijugend einen anwaltlichen Brief zukommen", wie die Zeitung schrieb.DER STANDARD wird juristisch gegen die Urheber des Postings vorgehen und lässt der freiheitlichen Parteijugend einen anwaltlichen Brief zukommen - derstandard.at/2000073224901/Facebook-Aktion-des-RFJ-Steiermark-gegen-STANDARD-Journalistin