Kultur
17.10.2017

Fink in Wien: Zwischen Trance, Blues und Exzess

Der in Berlin lebende Brite trat Sonntag im Museumsquartier auf.

Fin "Fink" Greenall war schon mal in dieser Halle E im Museumsquartier in Wien. 2011 bei einem Konzert der Fleet Foxes. "Ich dachte, so eine Band spielt in so einer großen Halle, nicht wir!"

Falsch gedacht. Sonntagabend war der in Berlin lebende Brite mit seiner Band Fink in genau dieser Halle – mit 1800 Besuchern ausverkauft. Denn mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass der 44-Jährige, der als Teenager Singer/Songwriter, als Twen Ambient-Elektronik-Musiker und DJ war, aus all diesen Einflüssen einen unverwechselbaren Stil entwickelt hat: Bei Fink mischt sich Blues mit trippigen Elementen, gehackten Rhythmen und dem gefühlvollen Gesang des Songwriters und Frontmannes.

Im Museumsquartier beginnt Fink mit dem zuckenden, fast nervösen Beat von "Warm Shadow". Geprägt von einer nachdenklichen, getragenen Melodie zeigt der Opener, dass der Fink-Sound viel von seiner Spannung aus dem Spiel mit Gegensätzen bezieht – aus dem Wechsel von laut und leise, radikal und grazil, intensiv und distanziert.

Oft beginnen Songs zurückhaltend oder akustisch, mit einem monotonen Beat und simplen, repetitiven musikalischen Motiven. Dann steigern sie sich langsam – mit minimalen Veränderungen in der Instrumentierung und komplexer werdenden, mitunter auch jazzigen Drum-Strukturen. So lange bis wütende E-Gitarren exzessiv durch den Äther stampfen.

Trance

Nicht immer nimmt diese Trance-artige Reise alle im Publikum mit. Es gibt Stellen, bei denen die monotone Wiederholung die Aufmerksamkeit der Zuhörer abgleiten lässt. Aber die sind selten. Und wenn die Reise funktioniert – wie beim großartigen "Pilgrim" oder auch bei "Resurgam", dem Titelsong des jüngsten Albums – dann geht jeder Ton unter die Haut.

Dazu kommt, dass Greenalls Truppe, bei der jeder mehrer Instrumente beherrscht, perfekt eingespielt und der Sound glasklar ist. Vor allem die beiden Drummer leisten mit ihrer Präzision Großartiges. Aber auch Fink selbst, dessen markante Stimme mit ihrem souligen, traurigen Timbre den rauen Stellen die nötige Wärme und den zarten Tiefe gibt. Alles in allem also eine beeindruckende Vorstellung.

KURIER-Wertung: