epa03828803 French-Spanish film director Albert Serra of the Film 'Historia de la meva mort' poses with the Pardo d'oro during the award ceremony on the Piazza Grande at the 66th Locarno International Film Festival, in Locarno, Switzerland, 17 August 2013. The festival runs from 07 to 17 August. EPA/URS FLUEELER

© APA/URS FLUEELER

Filmfestival
08/19/2013

Goldener Leopard für Casanova-Dracula-Film

Der Favorit "Feuchtgebiete" ging beim Filmfestival in Locarno leer aus. Das österreichische Kino konnte einen schönen Erfolg verbuchen.

Zum Abschluss der 66. Internationalen Filmfestspiele Locarno wurden am Samstagabend die prestigeträchtigen Filmpreise des Festivals vergeben. Den Hauptpreis, den Goldenen Leoparden, bekam die spanisch-französische Gemeinschaftsproduktion "Historia de la meva mort" ("Die Geschichte meines Todes") des katalanischen Regisseurs Albert Serra. Der Film, bei dessen Galaaufführung in Locarno so viele Zuschauer das Kino vorzeitig verließen wie bei keinem anderen Wettbewerbsbeitrag, erzählt in kaum zu entschlüsselnder Kunstsprache eine Begegnung zwischen Casanova und Dracula.

Das österreichische Kino konnte einen schönen Erfolg verbuchen: Die deutsch-österreichische Koproduktion "Master of the Universe" erhielt am Samstag die Auszeichnung für den Besten Film der renommierten Sektion "Woche der Kritik". Regisseur Marc Bauder wirft in seiner Dokumentation einen pointierten, kritischen Blick hinter die Kulissen des internationalen Bankgeschäfts.

Dagegen ging der Film "Feuchtgebiete" nach dem Bestseller von Charlotte Roche, der als Favorit gegolten hatte, beim viertwichtigsten europäischen Filmfestival leer aus. Weder der Film noch die favorisierte Hauptdarstellerin Carla Juri wurden prämiiert.

Jury-Entscheidungen überraschten

Wie beim Hauptpreis, so haben die Juroren auch sonst weitgehend abseits der Erwartungen von Publikum und Kritikern entschieden. Der Spezialpreis der Jury geht an den Filmessay "E Agora? Lembra-me" ("Und was nun? Erinnere mich"). Hierin unternimmt der aidskranke Portugiese Joaquim Pinto in nebulösen Bild-Ton-Montagen eine sentimentale Nabelschau. Ebenso überraschend ist der Preis für die Beste Regie an den Südkoreaner Hong Sangsoo für "U ri Sunshi" (""Unsere" Sunhi"), einen spröden Dialogfilm, in dem eine junge Frau in starr gefilmten Szenen von drei Männern nach ihrem Leben gefragt wird.

Den Erwartungen der Mehrheit der Festivalbesucher entsprechen die Auszeichnungen für darstellerische Leistungen: Den Preis als Beste Schauspielerin erhält die US-Amerikanerin Brie Larson. Sie spielt in dem Jugendheimdrama "Short Term 12" eine engagierte Erzieherin. Die Ehrung als Bester Darsteller geht an den Peruaner Fernando Bacilio für seine Interpretation eines Justizbeamten in dem Gesellschaftspanorama "El Mudo" ("Der Stumme"), eine Gemeinschaftsproduktion von Peru, Frankreich und Mexiko.

Die Preisverleihung fand am Samstagabend vor tausenden Zuschauern statt. Das 66. Internationale Filmfestival Locarno hatte in zehn Tagen knapp dreihundert Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme in verschiedenen Sektionen gezeigt.

Österreich war in Locarno nur dürftig vertreten. Neben "Master of the Universe" war noch die kanadisch-österreichische Koprodktion "Earth's Golden Playground" von Andreas Horvath zu sehen. . Im "Fuori concorso: Shorts" war "The End of Walnutgrove" von Nikolaus Eckhard, Valentin Fiala, Severin Fiala und Klaus Haidl vertreten. In der Schiene "Histoire(s) du cinema" war Norbert Pfaffenbichlers "Notes on Film 6B: A Masque of Madness" zu sehen.

Die wichtigsten Preisträger des 66. Internationalen Filmfestivals Locarno

Hauptwettbewerb

Goldener Leopard:
"Historia de la meva mort" ("Die Geschichte meines Todes") von Albert Serra (Spanien/Frankreich)

Spezialpreis der Jury:
"E agora? Lembra-me" ("Und was nun? Erinnere mich") von Joaquim Pinto

Leopard für den besten Regisseur:
Hong Sangsoo für "U ri Sunshi" ("'Unsere' Sunshi") (Südkorea)

Leopard für die beste Darstellerin
Brie Larson für "Short Term 12" von Destin Cretton (USA)

Leopard für den besten Darsteller
Fernando Bacilio für "El mudo" ("Der Stumme") von Daniel und Diego Vega (Peru)

Besondere Erwähnungen
"Short Term 12" von Destin Cretton (USA)
"Tableau Noir" ("Die Schiefertafel") von Yves Yersin (Schweiz)

Wettbewerb der Filmemacher der Gegenwart

Goldener Leopard des Wettbewerbs der Filmemacher der Gegenwart
"Manakamana" von Stephanie Spray und Pacho Velez (Nepal/USA)

Preis für den besten Nachwuchsregisseur
Lois Patino für "Costa da Morte" (Spanien)

Publikumspreis für den besten Film außerhalb des Wettbewerbs auf der Piazza Grande
"Gabrielle" von Louise Archambault (Kanada)

Woche der Kritik

"Master of the Universe" von Marc Bauder (Deutschland/ Österreich)

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