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"Fidelio": Brillant musiziert, szenisch fad
12/28/2014

"Fidelio": Brillant musiziert, szenisch fad

Beethovens "Fidelio" bei den Tiroler Festspielen in Erl ist nur musikalisch gelungen.

Schon bald nach Beginn wird das Geheimnis gelüftet. Denn da wird das riesige, alles bedeckende, schmutzige Tuch weggezogen:

Ein kolossaler, totenkopfähnlicher Schädel mit geschlossenem Mund kommt zum Vorschein, ein Symbol für das Gefangensein und die unterdrückte Redefreiheit. Er wird zum zentralen Bühnenelement in Ludwig van Beethovens einziger Oper "Fidelio" bei den Festspielen in Erl.

Gefängnis Totenkopf

Bildhauer und Bühnenbildner Alexander Polzin hat ihn ersonnen. Ständig wird der Kopf in allen nur möglichen Positionen herumgeschoben. Aus seinen Öffnungen – Augen und Nase – wird gesungen, er dient als Gefängnis, in dem Florestan angekettet ist. Das zweite wichtige Element sind Ziegel, die vor Pizarro aufgelegt werden, damit er erhöht nicht den schmutzigen Boden betreten muss. Damit wird Florestan symbolisch eingemauert und zum Finale werden die Ziegel in Reih und Glied aufgestellt.

Aber Polzin gibt auch sein Regiedebüt mit Sommer Ulrickson als Co-Regisseurin. Nur: Außer einigen Andeutungen eines Bewegungstheaters beim exzellent singenden Chor, der in Netzen, die die Oberkörper umwickeln, gefangen ist, wird vieles ungeschickt gezeigt.

Nicht-Regie

Man hat dabei das Gefühl, dass die in hässliche Kostüme (Wojciech Dziedzic) gesteckten Protagonisten sich selbst überlassen sind und versuchen, das Beste aus der zeitlos angesiedelten, immer aktuellen großen Revolutions- und Freiheitsoper zu machen.

Seelische Beziehungen oder gar Leidenschaften kommen bei den sparsam geführten Protagonisten kaum auf. So können die Botschaften des Werkes, deren Dialoge radikal gekürzt wurden, kaum übermittelt werden.

Die Nicht-Regie gibt zudem viele Rätsel auf: Etwa warum zum triumphalen Finale mit Taschenlampen im Dunkeln gesungen wird. Warum dabei Leonore von Florestan getrennt wird …

Durchwachsen sind die stimmlichen Leistungen: Ein Prüfstein für alle dramatischen Soprane ist die Rolle der Leonore. Bettine Kampp bewältigt sie kraftvoll nur bei den hohen Tönen, in den unteren Registern ist sie schwer zu vernehmen und sie singt sehr wortundeutlich.

Jedes Wort versteht man hingegen bei George Vincent Humphrey, der voluminös, aber mit nicht ganz unangestrengten Höhen die mörderisch schwere Rolle des Florestan singt.

Nur solide erklingt der Rocco des Jens Waldig. Thomas Gazheli ist ein bösartiger Don Pizarro, der imposant, aber in recht eindimensionalem Dauerforte den Don Pizarro orgelnd singt.

Recht ansprechend: der lyrische Sopran der Paola Leggeri als Marzelline. Zu leichtfüßig ist der Jaquino des Giorgio Valenta, weich und warm der Minister des Michael Kupfer. Nicht nur die 3. Leonoren-Ouvertüre wird brillant und mitreißend musiziert, sondern während des gesamten Abends hört man eine sensible, mit kaum hörbaren Piani aber auch erregte Interpretation aus dem Graben. Immer akzent- und farbenreich musiziert das Orchester der Tiroler Festspiele Erl unter Gustav Kuhn.

Starker, kurzer Applaus, in den sich einige Buhs für das Regieteam mischten.

Von Helmut Christian Mayer

Eindrücke aus "Fidelio"

ARCHIVBILD: TIROL: FESTSPIELE ERL / "FIDELIO"

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"Fidelio": In vielerlei Hinsicht enttäuschend

Regie & Bühnenbild Das Debüt von Alexander Polzin: ein Flop. Ein riesiger Totenkopf und auf- und abgebaute Ziegeln als Symbol von Mauern.

Gesang Die stimmlichen Leistungen: durchwachsen.

Musik Gustav Kuhn am Pult lässt das junge Orchester der Tiroler Festspiele einen satten, technisch sauberem Beethoven musizieren.

Publikumsreaktion Kurzer Applaus, Buhs für die Regie

KURIER-Wertung:

INFO: Wiederholung am 3. 1. – Tiroler Festspiele Erl bis 6.1.2015 – Opern und Konzerte – Infos und Karten: www.tiroler-festspiele.at

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