Kultur
06.07.2017

Festwochen: Kuratoren trotz "positiven Feedbacks" gekündigt

Die von ihnen hauptverantworteten Programmschienen hätten "in ihrer künstlerischen Qualität nicht überzeugen" können.

Aufgrund der jüngsten Entwicklungen bei den Wiener Festwochen bat der KURIER, ein Interview mit Intendant Tomas Zierhofer-Kin und/oder Geschäftsführer Wolfgang Wais führen zu dürfen. Die beiden stehen aber "leider für keine Interviews zur Verfügung". Sie ließen dem KURIER lediglich eine Stellungnahme übermitteln.

Im April hatte Zierhofer-Kin noch die Vision, das "Performeum", ein Festival im Festival, bei Publikumsakzeptanz in den nächsten Jahren "auszudehnen". Und Mitte Juni verkündete er stolz: "Das positive Feedback, das uns im Performeum oder mit ganz neuen Produktionen gegeben wurde, ist großartig. Wir werden nicht versuchen, Kursänderungen zu machen, sondern den Kurs konsequent weitergehen."

In der Stellungnahme vom Donnerstag heißt es jedoch: "Aufgrund der Erfahrungen aus der Programmierung der Wiener Festwochen 2017 haben künstlerische Leitung und Geschäftsführung in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat Adaptionen und Anpassungen hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Programmierung der Festwochen im Sinne ihrer Öffnung und Erneuerung vorgenommen. Die von den Kurator*innen Nadine Jessen und Johannes Maile hauptverantworteten neuen Programmschienen Akademie des Verlernens und Performeum konnten in ihrer künstlerischen Qualität nicht überzeugen und müssen in ihrer inhaltlichen Ausrichtung und in der Kommunikation zu Publikum und Medien überdacht werden. Das Ziel, sowohl ein neues, jüngeres, als auch das angestammte Publikum gleichwertig anzusprechen, ist nicht ausreichend gelungen."

Die beiden Kuratoren wurden gekündigt, der Betriebsrat stimmte zu, der Intendant bleibt.

Johannes Maile und Nadine Jessen hatten am Mittwoch via Aussendung auf die Vorgänge rund um ihre Entlassung reagiert. Sie seien davon überzeugt gewesen, „eine Vision für die Festwochen entwickeln und auch langfristig umsetzen zu können. Diese Rechnung haben wir offensichtlich ohne den Wirt gemacht.“

„Die eingefahrenen Machtstrukturen des Festivals haben die Erneuerung verunmöglicht“, heißt es in dem Schreiben, in dem die beiden nunmehrigen Ex-Kuratoren auch von ihrer für sie überraschenden Kündigung durch Festwochen-Geschäftsführer Wolfgang Wais berichten. Ein persönliches Gespräch mit Festival-Leiter Tomas Zierhofer-Kin habe es bisher nicht gegeben.

„Wir sind fassungslos, dass das Kündigungsverhalten aus neoliberalen Ökonomien Praxis bei den Wiener Festwochen ist."