Kultur
05.07.2014

Wenn die Täter selbst zu Opfern werden

In Reichenau wurde Nicolaus Haggs "1914" uraufgeführt.

Gefechtslärm zu Beginn; und die tödlichen Schüsse von Sarajevo am Ende – keiner der Protagonisten in Nicolaus Haggs "1914 – Zwei Wege in den Untergang" findet sein Glück. Ja, der österreichische Thronfolger ist tot, doch Helden sind Gavrilo Princip und seine Mit-Attentäter deshalb noch lange nicht.

Und auch Apis, Chef des gefürchteten Geheimbunds "Schwarze Hand" und Drahtzieher des Anschlags auf Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Gattin Sophie, wird ein Opfer der Politik. Er wird noch während des Ersten Weltkriegs von den eigenen Leuten hingerichtet.

Szenenfotos

Szenenfotos: "1914 – Zwei Wege in den Untergang"

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FOTOPROBE FESTSPIELE REICHENAU: "1914 - ZWEI WEGE

FOTOPROBE FESTSPIELE REICHENAU: "1914 - ZWEI WEGE

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FOTOPROBE FESTSPIELE REICHENAU: "1914 - ZWEI WEGE

Schmutziges Geschäft

Politik ist ein schmutziges Geschäft, das auf dem Rücken von verblendeten Idealisten ausgetragen wird – das ist in etwa die Kernaussage von Haggs bewusst fiktionaler Sarajevo-Paraphrase, die bei den Festspielen Reichenau uraufgeführt wurde.

Worum geht es? Um die Rekrutierung der drei Attentäter durch Apis, um die Ziele der "Schwarzen Hand", um die Vorbereitungen des Anschlags und um den Wiener Hof, der aus Standesdünkel nur minimale Sicherheitsvorkehrungen trifft. Ein an sich guter Text, der aber vor allem eine große Hörspiel-Tauglichkeit besitzt.

Michael Gampe hat dieses Drama im Neuen Spielraum dennoch unaufgeregt und konzentriert auf die Bühne gebracht; Peter Loidolt kommt in seiner Ausstattung mit einer großen Flügelaltar-Türe aus, die entweder Wien oder Serbien repräsentiert.

Gute Rollen gibt es auch. Vor allem für Marcello de Nardo, der als Apis brilliert. Ein Fanatiker, der für seine Ziele alles und jeden missbraucht, der in seinem Hass gegen Österreich aber auch ein gefährlicher, charmanter Verführer sein kann.

Erfreulich aber auch der junge Stefan Groski als fahriger Gavrilo Princip – ein Buberl, das wie seine Mitstreiter (Alexander Hoffelner, Florian Graf) die Tragweite seiner Handlung nicht erkennt. Das kann man von Peter Mouckas Feldmarschall Von Hötzendorf und Rudolf Melichars Obersthofmeister nicht behaupten. Sie wissen – wie auch Gertrud Rolls Erzherzogin – was da kommen wird.

Tobias Voigt als Apis’ Adjudant, Alexander Lhotzky als serbischer Gesandter, Karin Kofler und Louise Knof ergänzen das insgesamt wackere Ensemble.

KURIER-Wertung: