Kultur
26.02.2018

Festspiele Erl: Kuhn wehrt sich gegen Vorwürfe

Anzeige gegen Festivalleiter angekündigt, aber noch nicht eingelangt.

Nach den auf dietiwag.org des Bloggers Markus Wilhelm veröffentlichten Vorwürfen gegen die Festspiele Erl und deren Künstlerischen Leiter „Maestro“ Gustav Kuhn, hat dieser nun erstmals Stellung genommen. „Das sind unhaltbare Anschuldigungen“, sagte Kuhn in einem Interview im Ö1-„Kulturjournal“. Darin wehrte sich der Dirigent auch gegen angebliche Vorverurteilungen.

„Wenn das Gericht zu einem Urteil kommt, dann ist es so. Aber bevor das Gericht nicht zu einem Urteil kommt, ist es so nicht. Das sagt unser Rechtsstaat“, meinte Kuhn, der sich auch mit Vorwürfen der sexuellen Nötigung konfrontiert sieht. Kritik an seinem angeblich autoritären Stil maß Kuhn nicht diese Bedeutung bei. „Das rutscht einem natürlich mal raus, dass man sagt: 'Seid ihr alle Amateure'“, so der Künstlerische Leiter. Dass man solche Situationen professioneller lösen könnte, wäre gut, sagte Kuhn und fuhr fort: „Da sollte ich mich auch ein wenig zügeln. Vielleicht das ein oder andere Wort - das nehme ich auf meine Kappe. Ich sollte ein bisschen milder werden.“

Anzeige angekündigt

Die Plattform „Art but fair“ kündigte indes laut Medienberichten an, Anzeige wegen strafrechtlich relevanter Vorwürfe gegen die Festspiele zu erstatten. Staatsanwaltschafts-Sprecher Hansjörg Mayr erklärte aber gegenüber der APA, dass bis dato noch keine Anzeige eingelangt sei. Auch von Amts wegen werde gegen die Festspiele Erl und Kuhn vorerst nicht ermittelt.

In einer Aussendung wurde die Gründung einer weiteren Plattform angekündigt: „WeTogether - Music in dignity“ soll Anlaufstelle für betroffene Musikerinnen sein. "Außerdem sollen die Besucher von Musik-/Konzertveranstaltungen über die dunklen Seiten und die oft ausbeuterischen Zustände im Musikbetrieb aufgeklärt werden, damit auch dort ein Bewusstsein geschaffen wird", hieß es. Im Mai soll es dementsprechende Pressekonferenzen geben. Die Plattform wird von vier "Opfern von Erl" gegründet; eines davon trat in der Aussendung namentlich auf.

Anschuldigungen

Das Festival sieht sich unter anderem mit den Vorwürfen von „modernem Sklaventum“ sowie Lohndumping und Korruption konfrontiert. Von „handfesten Erfahrungen an Seele und Körper, demütigenden und entwürdigenden Erfahrungen von unglaublichen Schikanen, von Probenterror, von Niederbrüllen und Fertigmachen und mehr, viel mehr“, die die „Musikerinnen und Musiker, Sängerinnen und Sänger“ gemacht und erlebt hätten, ist auf „dietiwag.org“ unter anderem zu lesen.

Kuhn steht dabei besonders im Zentrum der Anschuldigungen. Zuletzt legte Wilhelm auf „tiwag.org“ nach und veröffentlichte eine E-Mail einer Solistin, die darin über Erfahrungen berichtet. An einer Stelle heißt es etwa: „Es ist eine ungezählte Gruppe an Solistinnen, Choristinnen und Musikerinnen, die, insofern sie halbwegs groß und gut gewachsen und mit blonden langen Haaren 'ausgestattet' sind, zu den ekelhaften und erniedrigenden 'Einzelgesprächen' im 'Camerino' des 'Maestro' im Festspielhaus 'geladen' wurden.“

Die Festspiele und Kuhn konterten inzwischen übrigens mit Klagen gegen Wilhelm. Es gehe jetzt darum, „größeren Schaden“ von den Festspielen abzuwenden, sagte eine Sprecherin der APA.